Stuttgart 21 Brücke muss sieben Jahre auf Zug warten

Von Konstantin Schwarz 

Die neue Brücke bei Bad Cannstatt ist über den Neckar geschoben worden. Den Fußgängersteg darunter können Passanten voraussichtlich Ende 2019 nutzen.

Stuttgart - 20 Meter in drei Stunden, das klingt nicht nach einem Sprinter-Weltrekord. Für eine 2400 Tonnen schwere Stahlbrücke mit bisher 165 Meter Länge ist die Strecke aber eine reife Leistung. Die Baufirma Max Bögl hat sie am Donnerstag geliefert und für die Bahn beim Projekt Stuttgart 21 damit das Cannstatter Neckarufer erreicht.

Hydraulische Pressen drückten den Stahlkoloss von der Montagehalle über der B 10 aus auf provisorischen Stahlstützen in Schritten je 80 Zentimeter weiter. Auf der Brücke werden später auf 40 Zentimeter ­Beton und Schotter vier Gleise liegen, je zwei für die Fern- und für die S-Bahn. Zur fertigen Brücke fehlt auf beiden Seiten noch ein Stück, außerdem müssen die Widerlager noch aufgebaut werden. Bis 2019 soll die neue Neckarbrücke auf das endgültige Maß von 345 Meter gewachsen sein und an der Unterseite an Stahlstangen einen 4,50 Meter breiten Fuß- und Radweg halten. Er ist 1,50 Meter breiter, als der alte Holzsteg an dieser Stelle war.

Fußweg von B-10-Bau abhängig

Ende 2019 könne der Fuß- und Radweg genutzt werden, sagt Teamleiter Daniel Wäschenbach (38), das Datum sei aber auch abhängig vom Umbau der B 10, die ihren Anschluss an den Rosensteintunnel erhält. Weil sich beim Infrastrukturvorhaben Stuttgart 21 der Fertigstellungstermin von Ende 2021 auf Ende 2025 verschoben hat, wird die 35 Millionen Euro teure Brücke ihre eigentliche Funktion erst in sieben Jahren aufnehmen können. Es sei grundsätzlich so, dass bei einem Großprojekt nicht alle Teile gleichzeitig fertig werden, bemerkt ein Sprecher des Vorhabens dazu. Alle sechs Jahre müssen Bahnbrücken einem großen Check unterzogen werden. Das wegen seiner geschwungenen Seiten als Stahlsegelbrücke bezeichnete, grau gestrichene Bauwerk wird also nach langer Wartezeit nochmals auf Herz und Nieren geprüft werden.

Mit der neuen Neckarbrücke wäre die alte, parallel dazu stehende Flussquerung mit ihren gemauerten Bögen obsolet. Allerdings gibt es Überlegungen, sie als Fuß- und Radweg stehen zu lassen. Dazu müsste die Stadt das Bauwerk von der Bahn übernehmen und zu noch unbekannten Kosten sanieren. Die Argumente für und wider sind im Gemeinderat vor einiger Zeit gewendet worden. Der Fluss könne für die Bürger näher rücken, anderseits führt die alte Brücke geradewegs in den Cannstatter Bahnhof. Um sie nutzbar zu machen, müssten Abgänge zum Seilerwasen am Ufer hergestellt werden. Die Entscheidung darüber steht in einigen Jahren an.

Portal kann gebaut werden

Unter dem Rosensteinpark baut die Bahn zurzeit den neuen S-Bahn-Tunnel und die unterirdische Zuführung der Fernbahn zum Tiefbahnhof. Vor wenigen Wochen hatte die S-21-Projektgesellschaft die Genehmigung zur Fällung von Bäumen an der Hangkante erhalten, so dass sie nun auch den Bau des neuen Tunnelportals beim Rosensteinpark angehen kann. Anfang 2023 sollen die Tunnel nach Bad fertiggestellt sein, bis zur Jahresmitte dann die Abnahme von Fahrbahn, Oberleitung und Zugfunk erledigt werden. 2024 sollen auf diesem Streckenteil die ­ersten Abnahmefahrten mit neuer Leit- und Sicherungstechnik stattfinden. Sicher mit mehr als 20 Meter in drei Stunden.

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