Für den Tiefbahnhof wird der erste Teil der Bodelplatte betoniert. Foto: dpa

Die Projektgegner fordern vom DB-Aufsichtsrat, sich wegen der Risiken vom Tiefbahnhof abzuwenden. Der Aufsichtsrat müsse „die Reißleine ziehen“, sagte der Jurist Eisenhart von Loeper.

Stuttgart. - An diesem Mittwoch steht das Großprojekt Stuttgart 21 erneut auf der Tagesordnung des Bahn-Aufsichtsrates. Vorstandschef Rüdiger Grube legt den Kontrolleuren ein Gutachten der Prüfinstitute KPMG (Frankfurt) und Ernst Basler & Partner (Zürich) vor. Sie haben Termine und Kosten bei Stuttgart 21 überprüft. Für Grube werden mit dem Gutachten die Kalkulationen der Bahn bestätigt. Die Projektgegner wiesen am Montag bei einer Pressekonferenz auf die kritischen Passagen des nicht öffentlichen Papiers und auf das hohe Risiko durch das Bauen im Anhydritgestein hin.

Die Gutachter geben mit ihrer Prüfung ausdrücklich kein Testat und keine andere Form der Bescheinigung oder Zusicherung ab. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Finanzierungsrahmen von 6,5 Milliarden Euro für S 21 nicht ausreichend sei. Nur wenn Gegensteuerungsmaßnahmen griffen und zusätzliche Risiken nicht einträten, könnten der Tiefbahnhof und die Tunnel Ende 2022 in Betrieb gehen. „Gegensteuerungsmaßnahmen“, mit denen 524 Millionen Euro gespart werden sollen, konnten die Gutachter nicht prüfen, weil ihnen keine Maßnahmen vorlagen.

Tunnel als „Testfeld“ für Baumethoden

Das Aktionsbündnis der Projektgegner moniert neben den Kostenrisiken vor allem die Bau- und Betriebsrisiken der im Anhydrit liegenden Tunnel. Bei Wasserzutritt quillt das Gestein, teure Nacharbeiten in gesperrten Röhren sind nicht ausgeschlossen. Die vom Ingenieurbüro Walter Wittke vorgestellten Baumethoden seien „gut gemeint“, sie könnten auch funktionieren, aber Stuttgart 21 mit den langen Tunneln werde zu einem „Testfeld“. Das sei fahrlässig, sagte der Geologe Jakob Sierig. Die Gefahr von Schäden werde im Gutachten eher unterschätzt. Im Wagenburg- und im Engelberg-Basistunnel gebe es durch Anhydrit bereits dauerhaften Sanierungsbedarf. „Wenn der Gipskeuper quillt, tut er das 100 bis 150 Jahre lang, es gibt keinen Stopp“, so Sierig. Wittke verbreite „haltlose Beschwichtigungsversuche“.

Rudolf Röder, der die Anwohnerinitiative am Killesberg vertritt, sieht Wittke „in einer schwierigen Doppelrolle als Gutachter und Planer für die Bahn“. Röder erinnerte daran, dass es beim Bau der S-Bahnröhre an der Haltestelle Universität in den 70er Jahren zu einem Tunneleinsturz gekommen sei. Wittkes Büro sei an der Röhre beteiligt gewesen. Röder bezweifelt, dass mit dem Einspritzen von Kunststoff alle Sprengungsrisse um die Tunnel erreicht und damit Wege für Wasser verschlossen werden können. Er fordert, dass „Bahn und Bund dauerhaft für Schäden an Häusern gerade stehen“.

Bei Schäden wäre Stuttgart abgehängt

Klaus Steinke, Mitglied der Vollversammlung der IHK, sieht das Risiko, dass der Bahnhof bei Schäden nicht mehr erreichbar sei. „Dann droht der Verkehrskollaps, das können sich Stadt und Wirtschaft nicht leisten.“ Die Bahn-Gutachter warnten vor einem „hohen Risiko für die Betriebstauglichkeit“.

Der Aufsichtsrat müsse „die Reißleine ziehen“, sagte der Jurist Eisenhart von Loeper. Bei der 350. Montagsdemo warf Thomas Adler, Fraktionssprecher von SÖS/Linke-plus im Gemeinderat, Grube vor, unliebsame Tatschen aus dem Gutachten zu vertuschen. Diese Geheimhaltungspolitik müsse ein Ende haben.

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