Foto: Polizei

Am Hauptbahnhof werden Videokameras montiert, um das S 21-Areal überwachen zu können.

Stuttgart - Bahn und Polizei setzen ihre Vorbereitungen zum Abriss des Südflügels des alten Hauptbahnhofs fort. In dieser Woche werden Videokameras montiert, um das Areal überwachen zu können. Hinweisschilder sollen laut Polizei Passanten über die Aufzeichnung im Zusammenhang mit dem Bahnprojekt Stuttgart 21 informieren. Die Überwachung sei mit dem Landesdatenschutzbeauftragten abgestimmt worden.

Die Bilder sollen der Polizei im Fall des Falles zur Beweissicherung dienen, also die Identifizierung von Straftätern ermöglichen. Ein Dutzend Kameras haben die Baustelle am früheren Nordflügel, den Südflügel und die Grundwasseranlage im Park im Blick. In Bad Cannstatt wurden im Dezember Container aufgestellt. Sie kommen zum Einsatz, falls die Zellen im Präsidium für Festnahmen nicht ausreichen sollten.

Der Abriss des 277 Meter langen Bahnhofsteils soll in dieser Woche mit vorbereitenden Arbeiten beginnen. Die Bahn rechnet damit, dass der Abbruch des Südflügels länger als einen Monat in Anspruch nimmt und von starken Protesten begleitet wird. An Stelle der historischen Bausubstanz soll bald ein Containerdorf die Arbeiter der Stuttgart-21-Baustelle aufnehmen.

Delegation begutachtet Bäume

Am Montag blieb der Südflügel unangetastet. Unter den höchstens 15 bis 20 Stuttgart-21-Gegnern, die am Nachmittag als Beobachter vorm Bauwerk erschienen, rangierte ein anderes Thema ganz vorn: Wolfgang Schusters Verzicht auf die erneute OB-Kandidatur. "Mir ist der Verzicht nicht recht, ich hätte Schuster lieber abgewählt", sagt der 37-jährige Erzieher Andreas Ebeling. "Es zeugt zwar von einer gewissen Größe, wenn man selber abtritt, aber es ist doch klar, dass der Oberbürgermeister schon lange keine Vorbildfunktion mehr hat", sagt der 43-jährige Industriekaufmann Robert Matanovic.

Die 50-jährige Fahrlehrerin Conny Krieger wagt einen Blick in die nahe Zukunft: "Wir brauchen nach Wolfgang Schuster jemanden, der die Stadt befrieden kann, eine unabhängige Persönlichkeit, die über dem Parteiengerangel steht. Ein Parteikandidat wird im Zwist der Lager zerrieben."

Während die Projektgegner den Südflügel im Blick behielten, begutachtete am Montag eine Delegation mit Vertretern von Bahn, Land, Stadt und der Wilhelma die Bäume, die im Schlossgarten zur Versetzung vorgesehen sind. Von den 68 sollen 14 ihren Standort im Park wechseln, der Rest in der Stadt verteilt werden. Die Planung dafür soll Mitte nächster Woche stehen. 118 Großbäume sollen gefällt und als Totholz in die Wälder gefahren oder Künstlern als Arbeitsmaterial zur Verfügung gestellt werden.

Noch ist nicht entschieden, wo das Holz für diesen Zweck zwischengelagert wird. Ungewiss ist auch, ob sich das Landeskabinett heute den Vorschlägen anschließt oder auf die Versetzung zumindest eines 150 Jahre alten Großbaumes pocht.

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