Stuttgart 21 Bahn will die Zusatzkosten auslagern

Von Konstantin Schwarz 

Die Bahn muss bei den Bauarbeiten für Stuttgart 21 Kosten sparen. Foto: dpa
Die Bahn muss bei den Bauarbeiten für Stuttgart 21 Kosten sparen. Foto: dpa

Bahn lagert Kosten aus und drängt Baupartnern dazu, Sonder-Finanzierungstöpfe zu füllen.

Stuttgart - Die Kosten für das Projekt Stuttgart 21 werden von der Bahn AG seit Dezember 2009 mit 4,1 Milliarden Euro angegeben. Diese Zahl kann nur erreicht werden, wenn die Bahn gegenüber ihrer ursprünglichen Kalkulation von Oktober 2009 etwa 900 Millionen Euro einspart.

Nachdem zwei Tunnelaufträge vergeben sind, zeichnen sich für die Bahn erste Erfolge ab. Der Konzern fährt allerdings mehrgleisig: Er lagert Kosten aus dem Projekt aus drängt die Baupartnern dazu, Sonder-Finanzierungstöpfe zu füllen.

Konzernchef Rüdiger Grube hatte Ende 2009 bei Stuttgart 21 die Notbremse gezogen. Das Projekt drohte damals finanziell völlig aus dem Ruder zu laufen. Die Fachplaner hatten rund fünf Milliarden Euro Baukosten errechnet. Bahn, Bund, Land, Stadt und Region Stuttgart sowie der Flughafen standen und stehen nur für 4,5 Milliarden Euro gerade. Die konzerneigene Einkaufsabteilung erkannte Einsparmöglichkeiten und korrigierte auf 4,1 Milliarden Euro. Wesentlich günstiger werden sollten vor allem Betonstahl (88 Millionen Euro), der Beton (29 Millionen), der Gesteinsausbruch für die Tunnel (147 Millionen) und die für den Bau benötigten Grundstücke (130 Millionen).

Neues Geld für Versetzen von Bäumen

Bei den bisherigen Vergaben konnte das Einsparpotenzial für Betonstahl, Spritzbeton und den Einsatz von Tunnelbohrmaschinen (50 Millionen) "bestätigt werden", teilt die DB Netz AG dem Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) jetzt mit. Die bisher getätigten Vergaben "lagen innerhalb des Projektbudgets", heißt es in dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt. Die Bahn zeigt sich auch zuversichtlich, die 4,9 Milliarden durch dünnere Tunnelwände um 130 Millionen Euro reduzieren zu können.

Die Kalkulatoren weisen im Auftrag von Bahn-Vorstand Volker Kefer aber auch auf ungeklärte Punkte hin. So weigert sich die Bahn, die Kosten für den Erhalt und die Instandsetzung der Gäubahn (Gleisverbindung zwischen Vaihingen und dem Kopfbahnhof durch den Stuttgarter Westen) zu tragen. Die 38 Hektar wurden vor zehn Jahren für 14 Millionen Euro an die Stadt verkauft. Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geißler pocht auf den Erhalt. Der müsse "über eine gesonderte Finanzierung" im Stuttgart-21-Lenkungskreis verhandelt werden, schreibt Kefer.

Auch für das geplante Versetzen von Bäumen im Schlossgarten will die Bahn neues Geld sehen. Bisher, so Kefer, lägen "noch keine Erklärungen der Projektpartner zur Finanzierung dieser Zusatzleistung vor".

Grünen warnen von nicht eingeplanten Kosten

Ganz aus der Finanzplanung nimmt die Bahn den gegenüber der Stadt zugesicherten Rückbau des Gleisfeldes. Die dafür vorgesehenen 28 Millionen Euro "werden nicht mehr dem Projekt Stuttgart 21 zugeordnet", heißt es. Das S-21-Kommunikationsbüro wollte dazu keine Stellung nehmen. Die Themen würden bei der Aufsichtsratssitzung der Bahn besprochen. Bis jetzt geplante Verbesserungen (Sicherungstechnik, Zusatzgleise, Gäubahn und Bäume) würden Stuttgart 21 auf 4,2 Milliarden Euro treiben.

Die Grünen im Landtag warnten am Montag vor "nicht eingepreisten Bau- und Planungskosten". Bei ihrer Fraktionsklausur heutigen Dienstag mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann soll das Thema Durchgangsbahnhof debattiert werden. "Die Sorgen, dass Stuttgart 21 teurer wird, sind berechtigt", sagt der stellvertretende Fraktionschef Andreas Schwarz.

 

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