Bank- statt Bahnstandard: Die Bahn verlegt ihr Reisezentrum vom Bonatz-Bau in die nahen bisherigen Räume der BW-Bank am Hauptbahnhof. Foto: Leif Piechowski

In wenigen Monaten beginnt der tief greifende Umbau des alten Bahnhofsgebäudes. Bis 2025 sollen 250 Millionen Euro investiert werden.

Stuttgart - Die Deutsche Bahn wird bis 2025 rund 250 Millionen Euro in das Hauptbahnhof-Empfangsgebäude investieren, das sind 50 Millionen Euro mehr, als das Dorotheen-Quartier von Breuninger gekostet hat. Vom denkmalgeschützten Bontaz-Bau bleibt nur die Hülle. Reise- und Servicezentrum sowie eine Wartehalle und damit alle bisherigen Dienstleistungen im Bonatz-Bau werden bis Anfang 2020 in drei separaten Gebäuden am Nordausgang des Bahnhofs gruppiert.

Warum der Umbau?

Umbau und Rundumsanierung des fast 100 Jahre alten Hauses sind nötig, weil die Anschlüsse des Empfangsgebäudes an den Tiefbahnhof nicht passen. Auch technisch und energetisch soll der aktuelle Standard erzielt werden. Die Bahn will außerdem durch einen zurückgesetzten Dachaufbau für die Hotelnutzung (vier Sterne) mehr Fläche erhalten, ein Teil des Gebäudes erhält Fotovoltaik auf dem Dach, nicht allerdings die Kopfbahnsteighalle, wo eine dazu nötige Verbesserung der Statik laut Bahn aus Denkmalschutzgründen nicht möglich ist.

Wer plant?

Der Entwurf für den Umbau stammt wie der für den Tiefbahnhof beim Projekt Stuttgart 21 vom Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven. Prägende Gebäudeteile wie Turm, Kopfbahnhof- sowie kleine und große Schalterhalle und der Mittelaufgang bleiben erhalten. Die Bahn spricht davon, dass das neue Tragwerk den Altbau „nachhaltig entlastet“. Die Ausschreibung für den Umbau starte jetzt, sagt Michael Groh, der Leiter des Regionalbereichs Südwest der Bahn. Sieben Firmen hätten in einer Vorbesprechung Interesse gezeigt.

Wie ist die Abfolge?

Seit einigen Tagen gibt es keine Parkplätze mehr vor dem Nordausgang (Kiesinger-Platz), weil dort bis Anfang 2020 der Aufbau eines Containergebäudes für wartende Fahrgäste und WCs läuft. Die Kundschaft wird ins LBBW-Parkhaus verwiesen (2. UG), die ersten 15 Minuten sind kostenlos, jede Stunde schlägt mit 2,70 Euro zu Buche. In der Garage finden sich direkt am Ausgang fünf Behindertenparkplätze, weitere vor dem LBBW-Gebäude an der Straße Am Hauptbahnhof. Die Bahn hat die Zufahrt und den Weg vom Parkhaus zu den Gleisen vergleichsweise üppig ausgeschildert. Groh verspricht zu jedem neuen Umbauschritt die Verstärkung des Service-Personals („Baustellen-Buddys“).

Wo gibt es Fahrkarten?

Als erstes Interim geht in der früheren Schalterhalle der BW-Bank das Kundencenter der neuen Nahverkehrs-Anbieter Go Ahead und Abellio (ab 9. Juni) in Betrieb. Es folgen die Schalter der Autovermieter (11. Juni ) und die neue DB Lounge (14. Juni). Im September eröffnen die Reisebank, ein Reisebüro, das DB Reisezentrum (Fahrkarten) und die Fundsachenstelle der Bahn. Die Lounge ist die erste im neuen Design in der Republik. „Wir haben pro Jahr rund 300 000 Gäste in der Lounge in Stuttgart, vor allem Kunden der 1. Klasse“, sagt Carsten Müller, der bei DB-Fernverkehr für die exklusiven Warteräume zuständig ist. „Die Wege zwischen Gleisen und Serviceeinrichtungen werden deutlich kürzer“, so Groh. – Zwischen Klett-Passage und Gleisen werden sie allerdings länger. Die Servicefrage ist daher eine des Betrachtungswinkels.

Welche Gebäude folgen?

An Gleis 1 werden eben die Fenster in das neue Servicegebäude eingesetzt. Es ist von September an Heimstatt für die DB-Information, den VVS-Fahrkartenverkauf, Cafés, Bäcker und Lotto-Shop. Hier gibt es auch einen kleinen Warteraum, Toiletten und einen Geldautomaten. Das Gastronomieangebot werde in der Umbauzeit bis 2025 eingeschränkt sein, sagt Groh, er verweist auf das weitere Angebot in der Klett-Passage.

Was wird aus der Wartehalle?

Sie entsteht auf dem bisherigen Parkplatz vor dem Nordausgang bis Anfang 2020 neu aus Modulen mit zwei Etagen (1000 Quadratmeter). Bei Großstörungen will die Bahn dort eine Infostelle besetzen. „Bevor sie nicht in Betrieb geht, geht die Wartehalle im Bonatz-Bau nicht außer Betrieb“, sagt Groh. Umziehen müssen auch die Bahnhofsmission (im September) und die Ausstellung im Bahnhofsturm (ab Frühjahr 2020), die in der Nähe von Gleis 16 in Richtung Park platziert werden.

Wie wird die Wegeführung?

Vom Klett-Platz und -Passage aus sollen, mit Ausnahme der großen Schalterhalle, die üblichen Wege bleiben, von der Kopfbahnsteighalle aus gelangt man über zwei eingehauste Stege wie bisher zu den Gleisen. Während des Umbaus wird es wechselnde Wegeführungen geben. Die Bahn informiert auch auf WhatsApp (Nummer 0152 / 37 41 - 31 67, „Start“ an den Kontakt senden).

Was sagt der Zeitplan?

„Wir haben einen Puffer, wollen 2024 fertig sein“, so Groh. Eine Inbetriebnahme vor S 21 sei möglich. „Wir haben einen Marathonlauf vor uns“, sagt S-21-Sprecher Jörg Hamann.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: