Stuttgart 21 Bahn-Prüfer korrigieren Mappus

Von Konstantin Schwarz 

Ministerpräsident Stefan Mappus Foto: Kraufmann
Ministerpräsident Stefan Mappus Foto: Kraufmann

Eisenbahn-Bundesamt bezeichnet Betriebssituation am S-Bahnhof am Flughafen als grenzwertig.

Stuttgart  - Der Streit um das Bahn-Projekt Stuttgart 21 mit dem neuen Tiefbahnhof, dem Flughafenbahnhof und der Strecke bis Wendlingen bleibt ein heißes Wahlkampfthema. Ministerpräsident Stefan Mappus, CDU, hat sich am Mittwochabend beim SWR-Fernsehduell mit dem SPD-Herausforderer Nils Schmid bekannt. "Wir machen es genauso, wie in der Schlichtung vereinbart", sagte Mappus.

Der Stresstest, also eine Fahrplansimulation, werde die Funktionsfähigkeit von Stuttgart 21 aufzeigen. Am bestehenden S-Bahnhof am Flughafen, der künftig über die Gleise zwischen Rohr und Leinfelden-Echterdingen auch von Fernzügen aus Singen angesteuert werden soll, sieht Mappus überhaupt keine Probleme. Ein aktuell kursierendes Schreiben aus dem Eisenbahn-Bundesamt (Eba), das die Betriebssituation auf diesem Streckenabschnitt als "grenzwertig" bezeichnet, sei "Monate alt und längst abgearbeitet", so Mappus. Man müsse sich doch fragen, warum es "politisch so hoch gezogen" werde.

Die Bonner Prüf- und Aufsichtsbehörde hat Mappus am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung widersprochen. Das mögliche Kapazitätsproblem am S-Bahnhof sei keineswegs abgearbeitet. Im Gegenteil. Die oberste Bahn-Aufsicht bewertet das, was der Schienenkonzern bisher vorgelegt hat, äußerst kritisch. Die seit acht Jahren andauende Planung auf dem Filderabschnitt sei noch nicht so weit gediehen, dass Pläne zur öffentlichen Debatte ausgelegt werden können. Das könne erst geschehen, "wenn die Planung die erforderliche Reife hat".

In dem internen Schreiben der Prüfbehörde, das unserer Zeitung vorliegt, gehen die Kontrolleure mit der Bahn scharf ins Gericht. Die DB wollte die Funktionsfähigkeit eines kombinierten Betriebs mit ICE, Regionalexpress und S-Bahn auf den beiden S-Bahn-Gleisen nachweisen. Genauso, dass der Verkehr im umgebauten S-Bahnhofs auf künftig je einem Schienenweg für S-Bahn und Fernbahn abgewickelt werden kann. Die Schienenhöhen für die beiden Fahrzeugsysteme sind unterschiedlich.

"Bekannte Engpässe wurden ausgeblendet"

Als Nachweis hat die Bahn ein Gutachten des Stuttgarter Verkehrswissenschaftlers Professor Ullrich Martin vorgelegt und dieses nochmals ergänzt. Das Eba lässt an den Arbeiten kein gutes Haar: Die Leistungsuntersuchung und die ergänzende Betrachtung seien "nicht geeignet" den geforderten Nachweis zu erbringen. Das angewandte Rechenmodell sei "zu allgemein, um die spezifische und grenzwertige Betriebssituation abzubilden". Es sei, bemängelt die Kontrollbehörde weiter, "völlig unklar, auf Basis welcher Eingangsgrößen" die Aussage zur Leistungsfähigkeit von dem Stuttgarter Uni-Institut getroffen worden sei. "Bekannte Engpässe " seien "ausgeblendet", nötige Pufferzeiten nicht berücksichtigt worden.

Würde das Eba Schulnoten vergeben, hätte die Bahn für ihre Unterlagen wohl ein ungenügend erhalten. Das Amt fordert eine komplett neue Untersuchung, eine Fahrplanstudie, in der alle Zwangspunkte berücksichtigt werden. Der Radius müsse bis Herrenberg, den Stuttgarter Hauptbahnhof und nach Filderstadt geweitet werden. Außerdem sei eine Betriebs-Simulation erforderlich (der Stresstest), die ebenfalls "mindestens die Streckenabschnitte der Fahrplanstudie umfasst". Dann sei zu klären, ob die Betriebsqualität "optimal oder schlechter als risikobehaftet ist". Die Schutzgemeinschaft Filder, die die neue Nutzung der S-Bahn-Gleise ablehnt, sieht sich bestätigt. Die "eklatante Fehlplanung" lasse nur einen Schluss zu: "Sofortiger Stopp aller Bauarbeiten."

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