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Bahn will bei Stuttgart 21 Pläne für Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie und die für einen großen Abwasserkanal ändern – Mineralwasser-Abdichtung wäre betroffen.

Stuttgart - Die Deutsche Bahn will bei ihrem Projekt Stuttgart 21 die Gründung ihres neuen Tiefbahnhofs, der Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie und die für einen großen Abwasserkanal ändern. Die Fundamente der Bauwerke stützen sich auf rund 300 zusätzliche Bohrpfähle. Bisher wurden laut Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) 3500 Stahlbeton-Pfähle genehmigt.

Planänderungen sind bei großen Bauvorhaben nicht ungewöhnlich, da mit der Ausführungsplanung neue Detailkenntnisse gewonnen werden. Mit ihrer Änderung plant die Bahn aber nach Berechnungen der Stadt nun bis zu sechs Meter tief in Grundgipsschichten zu bohren. Das ist nicht zulässig, denn diese Schichten hindern das Mineralwasser, in höhere Bodenschichten aufzusteigen. Sie sind eine natürliche Dichtung.

Dass die Tiefenbegrenzung der Gründungspfähle auf einer Länge von über 100 Metern überschritten werden soll, spielte bei der Diskussion im Umwelt- und Technikausschuss des Gemeinderats am Dienstag keine Rolle. Professor Gerd Wolff vom Amt für Umweltschutz sprach davon, dass „Grundgipsschichten unberührt bleiben müssen“ und von einem „kleineren Bereich, bei dem nicht klar ist, ob das schaffbar ist“. Die Stadträte hatten keine Unterlagen erhalten, und ein Vortrag, bei dem nicht lesbare Pläne projiziert wurden, halft ihnen nicht weiter.

In ihrer Stellungnahme an die Genehmigungsbehörde, das Eisenbahn-Bundesamt (Eba) fordert die Stadt alternative Gründungsmaßnahmen am betroffenen Bahnhofsteil und der Stadtbahn, falls sich ihr Verdacht bestätigen sollte.

Verbesserte Gründungen sind vor allem über dem besehenden S-Bahn-Tunnel, bei der LBBW, und unter allen Stützen des Bahnhofshallendachs sowie für den Nesenbach-Abwasserkanal im Schlossgarten nötig. Dessen Durchmesser erreiche laut Tiefbauamtsleiter Wolfgang Schanz mit vier Metern „die Abmessungen eines Stadtbahntunnels“. Weil unter dem Kanal Torf- und Wanderschutt liegt, sollen ihn Bohrpfähle stützen, aber auch gegen Auftrieb sichern.

Die Grünen erreichten am Dienstag eine Vertagung der Planänderung. Die geforderte Kenntnisnahme setze voraus, dass man Informationen erhalte, monierten sie fehlende Pläne. Sie wollten auch wissen, was der Mehraufwand für die Baukosten bedeutet. „Wissen einzufordern ist nicht unanständig“, kommentierte Fraktionschef Peter Pätzold die Aussagen anderer Fraktionen. Zum Beispiel die von SPD-Chefin Roswitha Blind. „Wir verlassen uns auf die Verwaltung und entscheiden politisch, nicht über Details“, sagte sie. Es gehe um den „technischen Vollzug, Stuttgart 21 ist ein gut zu Ende geplantes Bauwerk“, sagte CDU-Fraktionschef Alexander Kotz.

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