Für den neuen Bahnknoten entsteht in Untertürkheim ein neuer Abstellbahnhof. Für die Pläne gab es nun grünes Licht. Ehe die Bagger rollen, müssen aber noch Eidechsen eingesammelt werden.
Stuttgart - Die Bahn kann den Abstellbahnhof für Stuttgart 21 bauen. Laut Bahn hat das Eisenbahn-Bundesamt die Pläne abgesegnet. Ehe es mit dem Bauen auf der Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs in Untertürkheim losgeht, müssen aber noch die dort lebenden Eidechsen eingesammelt und umgesiedelt werden. Bei der Bahnprojektgesellschaft ist man zuversichtlich, dass das bis zum Sommer 2022 geschehen sein könnte.
Vorletzte noch fehlende Baugenehmigung
Der Abstellbahnhof ist einer von zwei Abschnitten des Milliardenprojekts, für die bisher die Baugenehmigung fehlte. Nun ist noch die Frage offen, wie die Züge der Gäubahn zum Flughafen geleitet werden. Für diesen Planfeststellungsabschnitt wurden die Pläne im April öffentlich diskutiert. Eine Entscheidung des Eisenbahn-Bundesamts steht aus. Allerdings gibt es als Alternative zu der von der Bahn vorgelegten Planung in diesem Bereich die Idee, einen weiteren langen Tunnel zu bauen.
Anders als auf den Fildern ist in Untertürkheim hingegen klar, was gebaut werden soll. Auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs entsteht eine neue Werkstatt, in der Züge vorübergehend abgestellt, gereinigt und gewartet werden können. Die Bahn hat Anfang Dezember den Auftrag an das Unternehmen Eiffage vergeben, das auch schon die S-21-Tunnel Feuerbach und Bad Cannstatt mit Gleisen versieht.
97 000 Tonnen Erdreich sollen bewegt werden
Über die Auftragssumme findet sich in der Mitteilung über die Vergabe keine Aussage. Dafür sind dort Zahlen über das geplante Vorhaben genannt: Mehr als 97 000 Tonnen Erdreich müssen in Untertürkheim ausgehoben werden. Zudem verschwinden mehr als 13 Kilometer alte Gleisanlagen, zu denen auch 46 Weichen gehören. Ersetzt werden die bisherigen Bahnanlagen durch fast 13,5 Kilometer neue Gleise, die auf mehr als 43 000 Kubikmeter Schotter ruhen. Alleine die Anlage zur Innenreinigung der Züge ist 400 Meter lang.
Ehe die Arbeiten beginnen können, müssen aber auch in Untertürkheim – wie auch schon auf anderen S-21-Bauflächen – streng geschützte Eidechsen eingesammelt und umgesiedelt werden. Weil an die neue Heimat der Reptilien hohen Ansprüche gestellt werden, tut sich die Bahn wie aber auch andere Bauherren in der Stadt, zunehmend schwer geeignete Flächen zu finden. Für die Untertürkheimer Tiere ist das gelungen. Gefangen werden darf nur während genau festgelegter Perioden – die Bahn hatte dafür eine vorläufige Genehmigung und war schon zweimal auf der Pirsch. Im Sommer 2022, so hofft man bei der Bahnprojektgesellschaft, soll das Baufeld in Untertürkheim zur Verfügung stehen, um mit eigentlichen Arbeiten zu beginnen.
Langwieriger Planungsprozess
Die Planungen für den Abstellbahnhof haben sich als ausgesprochen langwierig herausgestellt. 2004 hatte die Bahn ein erstes Genehmigungsverfahren in Gang gesetzt, das alsbald ruhte. In den Folgejahren wurden die Pläne immer wieder modifiziert und neu beim Eisenbahn-Bundesamt eingereicht. Im Januar 2020 schließlich fand die öffentliche Debatte der Pläne statt.