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Stuttgart 21: Grube widerspricht "Stern"-Darstellung - Grüne und SPD beraten am Donnerstag.

Stuttgart - Die Deutsche Bahn AG will umfangreiche Rohbau-Aufträge für ihr Projekt Stuttgart21 nach der Bildung der neuen Landesregierung am 12. Mai vergeben. Ein weiteres Zuwarten bis zu einer möglichen Volksabstimmung im Herbst könnte für das Unternehmen Folgen haben. Die bisher anbietenden Firmen könnten mit Verweis auf gestiegene Rohstoffpreise auf Aufschläge drängen. Im Extremfall droht eine europaweite Neuausschreibung für die Tunnelbauten und den Tiefbahnhof.

Bahn-Chef Rüdiger Grube kämpft an mehreren Fronten für die neue, 4,1 Milliarden Euro teure Infrastruktur und die anschließende, 3,1 Milliarden Euro teure Neubaustrecke Wendlingen-Ulm. "Das eine bedingt das andere", sagte er am Dienstag bei der Jahreshauptversammlung der Bahn in Berlin. Stuttgart 21 habe "immensen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit der Strecke". Diese hatte bei einer Überprüfung des Bundesverkehrswegeplans 2010 die Wirtschaftlichkeit nur knapp und unter Einbeziehung eines strittigen Güterverkehrs-Anteils erreicht. Grube widersprach am Dienstag einer Darstellung des "Sterns" zu neuen Kostensteigerungen. Wie am Freitag von unserer Zeitung berichtet, wird Stuttgart 21 bisher 50 Millionen Euro teurer als geplant.

Grube: Stuttgart 21 wird gebaut

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) forderte am Dienstag von der noch nicht konstituierten grün-roten Landesregierung erneut Vertragstreue. Das Land müsse die 950 Millionen Euro für den Streckenbau nach Ulm zahlen. Prinzipiell sei eine Trennung beider Vorhaben aber möglich. Die Hauptversammlung des Bundesunternehmens Bahn beschloss erstmals eine Ausschüttung von 500 Millionen Euro an den Bund. Das Geld fließt in den allgemeinen Haushalt. 2015 soll die Dividende 700 Millionen Euro erreichen und für Verkehrsprojekte verwandt werden.

Grün-Rot plant, das Thema Stuttgart21 bei den Koalitionsverhandlungen zum Thema Verkehr am morgigen Donnerstag aufzurufen. Ganz sicher, so Teilnehmer, seien die Bahnhofs-Gespräche aber nicht. SPD und Grüne propagieren bisher eine Volksabstimmung. Sie soll nach dem für Juni geplanten Abschluss eines Belastungstests der Infrastruktur stattfinden. Der Stresstest soll klären, ob und welche Nachrüstungen für Stuttgart 21 nötig sind, um in der Spitzenstunde im Tiefbahnhof 49 statt heute 38 Züge abfertigen zu können - und was Nachrüstungen kosten würden.

Bahn-Chef Grube hat am Montag dem Stuttgarter OB Wolfgang Schuster (CDU) in einem längeren Telefonat versichert, dass Stuttgart 21 gebaut werde. Das Projekt sei ohne Alternative. Die Bahn habe die Bindefristen für Rohbau-Angebote bereits verlängert, sagt Schuster, und befürchte bei einer weiteren Verzögerung erhebliche Schwierigkeiten.

Der mehrere Hundert Millionen Euro umfassende Vertrag zum Bau des neuen Tiefbahnhofs und mehrerer großer Abwasserkanäle sollte bereits seit dem 14. Februar geschlossen sein. Dem Vernehmen nach wird die Stuttgarter Züblin AG als günstigster Bieter den Zuschlag erhalten. Dass es den Vertrag noch nicht gebe, ist laut Schuster der Landtagswahl geschuldet. Die CDU-FDP-Landesregierung habe vor der Wahl bei der Bahn um Aufschub gebeten.

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