Die Deutsche Bahn darf nun doch mehr Grundwasser bei Stuttgart 21 entnehmen. Foto: dpa

Die Deutsche Bahn darf in Zukunft mehr Grundwasser bei Stuttgart 21 entnehmen. Dafür hat die Bauherrin der Großbaustelle nun die Genehmigung enthalten.

Die Deutsche Bahn darf in Zukunft mehr Grundwasser bei Stuttgart 21 entnehmen. Dafür hat die Bauherrin der Großbaustelle nun die Genehmigung enthalten.

Stuttgart - Die Stuttgart-21-Bauherrin Deutsche Bahn kann aufatmen: Sie hat nach mehr als drei Jahren die Genehmigung für eine erhöhte Entnahme von Grundwasser für den Bau des Tiefbahnhofs erhalten und damit eine wichtige Hürde genommen. „Heute ist ein guter Tag für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm“, sagte der Projektsprecher Wolfgang Dietrich am Mittwoch mit Blick auf das Plazet des Eisenbahnbundesamtes. Das ein „entscheidender Meilenstein“ für die weiteren Bauarbeiten im Stadtzentrum. Die Bahn hatte beantragt, dass sie über die gesamte Bauzeit 6,8 Millionen Kubikmeter in den Baugruben anfallendes Grundwasser entnehmen darf - das ist doppelt so viel wie ursprünglich beantragt.

S-21-Kritiker befürchten, dass die erhöhte Grundwasserentnahme im Stuttgarter Talkessel die Druckverhältnisse ändern und Bodenbewegungen auslösen könnte. Dies wiederum könne das Mineralwasser schädigen, Risse an Gebäuden verursachen oder Hänge ins Rutschen bringen. Kernstück des bis zu 6,5 Milliarden Euro teuren Projektes Stuttgart 21 ist ein 900 Meter langer Durchgangsbahnhof, der 2021 eröffnet werden soll. Er ragt 16 Meter tief in die Erde.

Zur Erörterung der Planänderung im vergangenen Sommer waren rund 10 000 Einwendungen gegen die erweiterten Pläne eingegangen. Der vom Regierungspräsidium Stuttgart damals erstellte Erörterungsbericht war Grundlage für die Entscheidung der Bonner Genehmigungsbehörde.

Die Landesgeschäftsführerin des BUND, Sylvia Pilarsky-Grosch, bedauert die Entscheidung des Amtes. Allerdings sei nichts anderes zu erwarten gewesen, als dass das EBA vollendete Tatsachen, die die Bahn schaffe, mit Genehmigungen nachvollziehe. Das EBA habe keine unvoreingenommene Sichtweise auf das Projekt mehr. Ein Indiz dafür sei, dass der „Petrus-Faktor“ in der Genehmigung enthalten sei. Dieser erlaube der Bahn bei starken Niederschlägen Wasserentnahme auch über den täglich festgelegten Wert hinaus. Dies könne einem „Freifahrtschein“ für die Bahn gleichkommen.

Das umfangreichere Grundwassermanagement wurde nach Angaben der Bahn nötig, weil sie bei Bohrungen einen höheren Andrang des Grundwassers festgestellt hatte. Der Konzern hatte deshalb im April 2011 einen Antrag auf Planänderung auf den Weg gebracht. Das Thema ist auch deshalb so brisant, weil Stuttgart nach Budapest das größte Mineralwasservorkommen Europas hat. Das EBA erließ laut Bahn eine Reihe von Nebenbestimmungen, die im Einzelnen noch geprüft werden.

Beim Grundwassermanagement wird das in den Baugruben anfallende Grundwasser entnommen, gereinigt und in der Umgebung der Baugrube wieder in den Boden geleitet.

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