So sollen die obersten Stockwerke des Wohnhochhauses hinter dem Hauptbahnhof aussehen Foto: Grüntuch Architekten

Auf den Brachflächen hinter dem Hauptbahnhof entsteht ein Hochhaus mit Luxuswohnungen.

Stuttgart - Auf den Brachflächen hinter dem Hauptbahnhof entstehen mehr Wohnungen. Ende 2011 soll an der Ecke Heilbronner und Wolframstraße ein Hochhaus mit 30 bis 50 Luxuswohnungen begonnen werden. Für Frühjahr 2012 plant die Hamburger ECE daneben den Baustart für ihr Einkaufszentrum.

Von Jahresende an soll die neue Stadtbibliothek dem bisher reinen Bankenviertel hinter dem Bahnhof endlich Leben einhauchen. Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) setzt auf jährlich eine Million Besucher. Daneben wirbt Schuster für mehr Wohnungsbau in dem Viertel. Fest geplant oder schon im Bau sind rund um die Bibliothek rund 800 Wohnungen - 400 auf dem Dach des riesigen Einkaufszentrums, 242 im begonnenen Neubau "Pariser Höfe" entlang der Bahngleise, und 160 im Schulungszentrum der Sparkassen-Akademie.

Zu den 800 Einheiten kommen nun noch 30 bis 50 sehr exklusive Wohnungen in Aussichtslage. Sie entstehen in einem Hochhaus an der Ecke Heilbronner und Wolframstraße. Der Wohnturm darf, genauso wie der bestehende LBBW-Tower, rund 60 Meter über das Straßenniveau aufragen.

Einen Architektenwettbewerb für den neuen Turm gab es schon im Oktober 2008. Wegen der komplizierten Erschließung über das heutige ECE-Baufeld und gemeinsamer Untergeschosse (Tiefgarage) waren die Schwäbische Wohnungs AG und Wölbern Invest aber in den Wartestand gezwungen. Sie nutzen ihre 1950 Quadratmeter große Brache als Standort für ein riesiges Werbebanner, um die Zinskosten für das 11,4 Millionen Euro teure Bahn-Grundstück bestreiten zu können. Die Bauentscheidung von ECE für ein 43.000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum an der Wolframstraße gibt den Hochhaus-Plänen neuen Schub.

"Es gibt einige private Interessenten für Eigentumswohnungen", berichtet Tobias Fischer, Vorstandsvorsitzender der Schwäbische Wohnungs AG, von Nachfrage potenter Kundschaft. Sie sucht hochwertige Wohnungen als sichere Anlageform. Alternativpläne für ein Fünf-Stern-Hotel im Turm will Fischer daher zur Seite legen. Einschließlich Grundstück sollen 60 Millionen Euro investiert werden. Verkaufspreise will Fischer noch nicht nennen. Die Immobilienexperten von Ellwanger&Geiger rechnen mit 4500 bis 9000 Euro pro Quadratmeter. Der Preis dürfte mit jedem der 16 Stockwerke nach oben klettern.

Preisgericht lobt den leichten, beschwingten Charakter

Die auskragenden Kuben des Hochhauses aus der Feder der Berliner Architekten Armand Grüntuch und Almut Ernst stießen im Gemeinderat und im Baurechtsamt 2008 zunächst auf Vorbehalte. "Es gibt jetzt eine Überarbeitung, die sich dem Bebauungsplan annähert", sagt Kersten Rickes, die Leiterin des Baurechtsamtes. Bevor ein Bauvorbescheid samt Ausnahmen erteilt werden könne, müsse der Investor noch einen städtebaulichen Vertrag unterschreiben. Der regelt die gegenseitigen Pflichten.

Das Preisgericht lobte die Arbeit von Grüntuch und Ernst 2008 in den höchsten Tönen. Der leichte und fast beschwingte Charakter der Wohnungsfassade zeige die offenen Grundrisse, großzügige Terrassen und eingeschobene Loggien. Die Vielzahl unterschiedlicher Wohnungsgrößen sei "von sehr hoher Qualität", die Räume hätten bei sparsamer und funktionsgerechter Erschließung "reizvolle Raumzuschnitte und fantastische Ausblicke".

Mit dem Wohnhochhaus wolle man "den Killesberg in die Stadt holen", beschreibt Fischer seinen Anspruch. Er setzt auf "eher große Wohnungen" mit mehr als 200 Quadratmetern und auf neueste Wärmeschutz-Technik. Armand Grüntuch spricht von Fassadenteilen und Fenstern, die Wärme speichern können. Ob die sowieso nötigen Bohrpfähle zur Kühlung genutzt würden, müsse man berechnen.

Weil die ersten vier Geschosse des Hochhauses wenig Ausblick bieten sollen dort eine Privatklinik und Büroräume untergebracht werden.

Das Wohnhochhaus ist nicht der einzige Turm, der in Stuttgart entstehen könnte. Daimler plant in Untertürkheim eine neue Zentrale mir rund 100 Metern, Bosch hält sich in Feuerbach laut Sprecher Joachim Siedler die Option für einen Doppelturm mit 110 Metern offen. Hoch hinaus darf auch Porsche am Pragsattel gehen. Insgesamt sind dort vier Hochhäuser möglich.

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