Unter dem Kernerviertel wird bereits ein S-21-Baustollen gegraben Foto: Leif Piechowski

Die Bewohner der Kernerviertels befürchten in den nächsten Jahren Lärmterror durch die Tiefbahnhof-Baustelle des Projekts Stuttgart 21. Schallgutachten prognostizierten eine deutliche Überschreitung der gesetzlich zulässigen Werte.

Stuttgart - Die Bewohner der Kernerviertels befürchten in den nächsten Jahren Lärmterror durch die Tiefbahnhof-Baustelle des Projekts Stuttgart 21. Schallgutachten prognostizierten eine deutliche Überschreitung der gesetzlich zulässigen Werte. Die Bahn versuche aktuell, in Musterverträgen „die in der Baugenehmigung verankerten Rechte der Anwohner und Eigentümer auszuhebeln“, sagt Frank Schweizer. Die Eigentümer sollten beim Einbau von Schallschutzfenstern auf alle weiteren Rechte verzichten. Schweizer ist einer der Anwohner und ein Sprecher der in Netzwerken organisierten Bürger.

Die Netzwerke kritisierten am Dienstag in einem offenen Brief nicht nur die Bahn, sondern auch das Eisenbahn- Bundesamt. Die Bonner Genehmigungs- und Kontrollbehörde komme ihrer Verpflichtung, die Vorgaben aus der Baugenehmigung zu überwachen und bei der Bahn Schutzstandards durchzusetzen, nicht nach. Schweizer lieferte dabei auf vier Seiten Beispiele. So schreibe die Genehmigung vor Baubeginn schalltechnische Detailuntersuchungen und eine detaillierte Lärmprognose, in der alle gleichzeitig auftretenden Schallquellen betrachtet werden müssen. Bisher gebe es nur isolierte Lärmprognosen. Die neue Bauweise des Nesenbach-Abwasserkanals (offen von oben statt unteririsch) werde noch gar nicht betrachtet. Parallele Arbeiten verneine der Gutachter der Bahn.

Den Eigentümern ist außerdem aufgefallen, dass am neuen Tiefbahnhof laut Lärmgutachten täglich nur acht Stunden gearbeitet werden soll, aber 13 Stunden lang Material angeliefert wird. Und das Förderband, das Gestein aus dem Fildertunnel in den Schlossgarten kippt, soll rund um die Uhr laufen. Aktive Schallschutzmaßnahmen, also zum Beispiel Lärmschutzwände seien vom Gutachter nicht mehr vorgesehen, obwohl die Baugenehmigung für den Fildertunnel eine solche Wand festschreibe. In den knapp gehaltenen Gutachten würden zulässige Lärm-Höchstwerte an vielen Stellen überschritten, und zwar auch in der Nacht.

Die Bahn hat für diesen Mittwoch, 4. Juni, um 18.30 Uhr Anwohner zu einer Info-Veranstaltung ins Rathaus geladen. Thema soll aber nicht der Baulärm, sondern die veränderte Wegeführung durch den Neubau der Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie sein.

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