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Stuttgart  - Monatelang haben die Gegner des Milliarden-Bahnprojekts Stuttgart 21 gehofft, den geplanten Abriss der Seitenflügel des Hauptbahnhofs noch verhindern zu können. Ohne Erfolg.

Hier sind die Bilder von der Baustelle

Unter lautstarkem Protest einiger Hundert Demonstranten hat am Mittwoch um 14.25 Uhr der Abbruch am Nordflügel des Hauptbahnhofs für das milliardenschwere Bahnprojekt Stuttgart 21 begonnen. Ein Bagger riss bis zum frühen Abend eine breite Bresche in den Bonatz-Bau. Ein Großaufgebot der Polizei hatte die Baustelle zuvor abgesichert. 15 Demonstranten, welche die Zufahrt zur Baustelle mit einer Sitzblockade versperrt hatten, mussten von der Polizei weggetragen werden.

Hier sind die Bilder von der Demonstration

Mit weiteren Sitzblockaden auf großen Kreuzungen legten Stuttgart-21-Gegner den Verkehr auf den Hauptstraßen rund um den Bahnhof lahm. Einige Demonstranten kletterten später auf den Seitenflügel des Bahnhofs und entrollten ein Transparent, auf dem OB Wolfgang Schuster als „Brandstifter“ bezeichnet wurde. Im Inneren des Bahnhofs hinderten Aktivisten eine Stunde lang einen TGV in Richtung Paris an der Abfahrt. Aus Sicherheitsgründen sperrte die Bahnpolizei die daneben liegenden Gleise.

Durch die Protestaktionen brach am späteren Nachmittag der Verkehr in der Innenstadt weithin zusammen. Gegen 18 Uhr versammelten sich die Stuttgart-21-Gegner am Hauptbahnhof zu einer Großkundgebung. Die Polizei sprach von 6000 Teilnehmern, die Veranstalter von 30.000. Anschließend zogen zwei Demonstrationszüge auf dem Cityring durch die Innenstadt.

Die Fraktionsvorsitzenden der FDP und CDU im Landtag, Hans-Ulrich Rülke und Peter Hauk, begrüßten den Beginn der Abrissarbeiten. „Das ist ein gutes Signal“, sagte Rülke. Dagegen sprach Werner Wölfle, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stuttgarter Gemeinderat, von einer „reinen Provokation“. SÖS-Stadtrat Hannes Rockenbauch kündigte an, dass es noch monatelang Aktionen mit zivilem Ungehorsam gegen Stuttgart21 geben werde.

Die Initiative Leben in Stuttgart warf Stuttgart-21-Sprecher Wolfgang Drexler vor, die Öffentlichkeit belogen zu haben. Die Fassade des Nordflügels hätte Stein für Stein abgetragen werden sollen, jetzt aber würden Bagger alles zertrümmern.


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