Protest gegen Stuttgart 21 Foto: Leif Piechowski

Das Bahnprojekt Stuttgart 21 ist mit diversen Risiken behaftet. Nach derzeitigem Stand sind 531 Millionen Euro aus dem Risikotopf verbraucht, berichtet Projektsprecher Wolfgang Dietrich.

Stuttgart - Das Bahnprojekt Stuttgart 21 ist mit diversen Risiken behaftet. Der Aufsichtsrat des Schienenkonzerns hatte die Risikovorsorge für den Bau des neuen Tief- und Flughafenbahnhofs sowie der 60 Kilometer Tunnelstrecke im März 2013 extrem ausgeweitet. DB-Technikvorstand Volker Kefer hatte zuvor eine Art Offenbarungseid geleistet. Stuttgart 21 sei mit den vorhandenen 4,526 Milliarden Euro nicht baubar. Der Aufsichtsrat genehmigte letztlich 6,526 Milliarden. Inzwischen hat die Bahn zu diversen Risiken Gewissheit. Sie sind eingetreten.

Ausschreibungen sind gelaufen und Verträge für Stuttgart 21 unterschrieben worden. In der Planung waren Risikopositionen im Umfang von 1,061 Milliarden Euro identifiziert worden, denen die Experten eine Eintrittswahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent zuschrieben. Welche davon eingetreten sind, sagt die Bahn nicht. Projektsprecher Wolfgang Dietrich nennt aber den aktuellen Stand: „Von der gesamten Risikovorsorge für das Projekt waren bis Ende Juli 2014 genau 531 Millionen Euro vertraglich gebunden“, so Dietrich. Die Bahn hat aus dieser Summe also bereits Arbeiten bezahlt oder Aufträge vergeben und muss entsprechend Geld beiseitelegen.

Die genehmigte Gesamtkostenerhöhung des Aufsichtsrates von rund zwei Milliarden Euro ist übrigens laut Dietrich nicht gleichzusetzen mit dem Risikopuffer. Er liegt nach Rechnung der Bahn noch deutlich höher, nämlich bei 2,318 Milliarden Euro, und setzt sich aus einem Puffer für Preissteigerungen (330 Millionen Euro), für „allgemeine Projektrisiken ohne konkrete Indikation“ (730 Millionen), für „Chancen, Risiken und Mehrkosten im Einflussbereich der Projektpartner“ (197 Millionen) und aus der „Mehr-als-50-Prozent-Liste“ (1,061 Milliarden Euro) zusammen.

Diese Zahlen und die eigentlichen (ursprünglichen) Planungs- und Baukosten, die mit 3,669 Milliarden Euro angegeben werden, ergeben den „Gesamtwertumfang“ von 5,987 Milliarden Euro. Darin enthalten ist auch eine mögliche Verschiebung der Inbetriebnahme von 2021 auf Ende 2022 (100 Millionen Euro Zusatzkosten). Der Aufsichtsrat hatte zum Gesamtwertumfang noch einen zusätzlichen Puffer bis zur angeblichen Wirtschaftlichkeitsgrenze gegeben und 6,525 Milliarden Euro bewilligt.

Die Masse des für Risiken reservierten Geldes wurde bereits vor der Aufsichtsratssitzung vom 5. März 2013 gebraucht. Es ­waren laut Dietrich 420 Millionen Euro. Seitdem seien weitere 111 Millionen fällig geworden.

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