Das Haus in der Wiederholdstraße 10 im Stuttgarter Norden. Hier lebte die Familie Bauer bis in die 1930er Jahre. Foto: Stadtarchiv Stuttgart

Der spätere Nazi-Jäger Fritz Bauer wuchs in der Wiederholdstraße 10 im Stuttgarter Norden auf. Das Haus steht nicht mehr. Doch jetzt weiß man zumindest, wie es ausgesehen hat. Dank des Geschichtsprojekts Stuttgart 1942.

Im Nachgang zum 120. Geburtstag des in Stuttgart geborenen Nazi-Jägers und hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer hat unsere Redaktion eine Entdeckung gemacht. Beim Durchforsten der mehr als 10 000 Stuttgart-Fotografien aus dem Jahr 1942, die im Stadtarchiv lagern und die unsere Redaktion per Schlagwortsuche digital zugänglich gemacht hat, sind wir auf Bilder der im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstörten Wiederholdstraße im Stuttgarter Norden gestoßen.

 

Zu sehen ist auch das Wohnhaus in der Wiederholdstraße 10. Dort lebte Fritz Bauer bis 1921. Seine Eltern wohnten bis Ende der 1930er Jahre in dem Gebäude. Das Haus und die Nachbargebäude überstanden den Krieg nicht und wurden später durch moderne Mehrfamilienhäuser ersetzt. Die Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite blieben hingegen weitgehend erhalten.

Die Wiederholdstraße, links das Wohnhaus, in dem Fritz Bauer, aufwuchs. Foto: Stadtarchiv Stuttgart

Der Foto-Fund ist deshalb bemerkenswert, weil bisher unbekannt war, wie das Haus aussah, in dem der 1903 geborene Fritz Bauer mit den Eltern und seiner jüngeren Schwester Margot einen Großteil seiner Kinder- und Jugendjahre verbrachte. Er selbst hat das Gebäude nicht beschrieben. Seine Biografin Irmtrud Wojak, Geschäftsführerin der Fritz-Bauer-Forums in Bochum, ist keine andere Aufnahme bekannt. „Wie schön, dass es dieses Foto gibt“, schrieb sie jetzt an die Redaktion.

Bei dem Wohnhaus handelt es sich um ein stattliches Bürgerhaus, dessen zentraler Giebel über die volle Höhe des Gebäudes hervorgehoben ist. Büsche und ein großer Baum lassen auf einen angrenzenden Gartenteil schließen.

Die jüdische Familie war Ende des 19. Jahrhunderts von Ellwangen kommend nach Stuttgart gezogen. Von der Wiederholdstraße aus, die an den Oberst Konrad Wiederhold erinnert, der im 30-jährigen Krieg die Festung Hohentwiel bei Singen gegen das kaiserliche Heer verteidigte, besuchte Fritz Bauer das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in der nahe gelegenen Holzgartenstraße, ehe er 1921 zum Jurastudium nach Heidelberg zog. Das 1903 eingeweihte repräsentative Schulgebäude wurde 1944 bei einem Bombenangriff zerstört.

Die Seestraße, heute Huber-Straße. Hier befand sich das Textilgeschäft der Familie Bauer. Foto: Stadtarchiv Stuttgart

In der Seestraße 5 beim Stadtgarten betrieben Fritz Bauers Vater und seine zwei Brüder eine Textilmanufaktur für Damenkleiderstoffe. 1939 lösten die Nazis das Geschäft zwangsweise auf. Auch dieses Gebäude hat den Zweiten Weltkrieg nicht überstanden und auch davon findet sich im Stuttgart-1942-Archiv eine Aufnahme, die den damaligen Straßenzug erkennen lässt.

Die Seestraße wurde später umbenannt. Sie heißt heute Huberstraße und erinnert an den in Stuttgart aufgewachsenen Münchner Universitätsprofessor Kurt Huber. Er gehörte zum Widerstandskreis der „Weißen Rose“ und wurde 1943 hingerichtet, nachdem die „Weiße Rose“ enttarnt worden war.

Die Stadt will stärker an Fritz Bauer erinnern

Im Zuge unserer Berichterstattung über Fritz Bauer hatte Stuttgarts Kulturbürgermeister Fabian Mayer angekündigt, eine Idee von Schülerinnen und Schülern des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums aufzugreifen. Diese hatten vorgeschlagen, eine Gedenktafel für Fritz Bauer am heutigen Gebäude in der Wiederholdstraße 10 aufzustellen. Mayer lässt dies aktuell prüfen. Ein Fotomotiv dafür wäre nun vorhanden.