Der SV Leonberg/Eltingen II ist auf dem Boden der Tatsachen angekommen: Die Mannschaft muss nun noch mehr zusammenstehen. Foto: Andreas Gorr

Nach einem fulminanten Start ist die zweite Mannschaft des SV Leonberg/Eltingen erheblich eingebrochen – droht dem Club aus der Kreisliga A 2 gar der Abstieg?

Youssef El-Guerch wird schmerzlich vermisst. Sebastian Kohler, Trainer des SV Leonberg/Eltingen II, hat seinen „Unterschiedsspieler im letzten Drittel“ nicht aufgeben. „Wir kämpfen immer noch dafür, ihn irgendwie zurückholen“, erzählt der Fußball-Coach. Anfang Oktober zog der junge Marokkaner nach Nordrhein-Westfalen, da sein Visum nur in Verbindung mit einem Ausbildungsplatz galt, den er in Leonberg nicht fand. Kohler berichtet, man befinde sich in Gesprächen über einen Ausbildungsplatz und eine damit verbundene mögliche Rückkehr El-Guerchs, der im Team auch menschlich einen hohen Stellenwert besaß, im kommenden Frühjahr.

 

Seit dem Abgang des Stürmers, der in den ersten vier Spielen der laufenden Saison fünf Tore erzielte und damit immer noch der erfolgreichste Torjäger der Zweitvertretung ist, befindet sich die Mannschaft auf sportlicher Talfahrt. Das zweite Mannschaft des Landesligisten, der nach dem Aufstieg eine stabile Saison spielt, steht nach dem 13. Spieltag in der Kreisliga A 2 wieder dort, wo es am Ende der vergangenen Spielzeit stand: auf dem Abstiegs-Relegationsplatz, mit nur einem Punkt Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz.

Offensive bricht ohne El-Guerch ein

Dabei sah zu Saisonbeginn vieles besser aus. Nach drei Siegen in den ersten vier Spielen der Saison stand der SV II noch auf dem Relegationsrang am anderen Ende der Tabelle und stellte mit 20 Treffern die beste Offensive der Liga. Nach dem fünften Spieltag gelangen in acht Partien nur noch sechs Treffer und ein einziger Punkt. Am Saisonstart wurden die defensiven Mängel noch von der Offensive übertüncht, die zwei 6:3-Siege in Folge einfuhr. Danach sei das Team, das aktuell die zweitmeisten Niederlagen in der Liga aufweist, defensiv fahrlässiger geworden, berichtet Trainer Kohler. Seither mangelt es der Mannschaft, die weiterhin oft den Ballbesitz kontrolliert, an klaren Torchancen sowie an individueller Klasse in der Offensive, die laut Kohler in der Kreisliga nicht zu unterschätzen sei.

Enttäuschung in Eltingen: Spieler Fabian Raab am Boden (re.). Foto: Andreas Gorr

Das Hauptproblem sieht der Trainer aber in der Defensive, seine Mannschaft kassiert zu viele Tore. Nach dem besten Torverhältnis (plus 13 am vierten Spieltag) steht die Mannschaft nun mit der zweitschlechtesten Tordifferenz (minus 17) sowie der mit 43 Gegentreffern zweitschwächsten Defensive der Liga da. Mit über 3,5 Gegentoren pro Spiel stellt der SV den ligaweiten Negativwert. Vor allem nach Ballverlusten ist die Mannschaft anfällig, findet zu spät in ihre Ordnung zurück. Bezeichnend dafür war die 0:5-Klatsche gegen den TSV Flacht, jedem der fünf Gegentore ging unmittelbar ein Ballverlust des SV voraus.

„Wir wollen am Ball viel Spaß haben, aber gegen den Ball müssen wir genauso viel Spaß haben“, meint der Trainer. „Wir müssen wieder konzentrierten und defensiven Fußball spielen, wahrscheinlich auch mal weniger den Ball am Fuß haben und das Spiel den Gegnern überlassen. Dadurch wollen wir wieder mehr Kompaktheit in die Defensive bekommen“, führt Kohler aus, der vor allem taktisch mit seiner Mannschaft intensiv an den Problemen arbeiten und auch die Laufleistung erhöhen will. So könne die Defensive wieder Stabilität erlangen. Droht dem Team sonst nur zwei Jahre nach der Rückkehr wieder der Abstieg in die Kreisliga B?

Kohler bleibt gelassen: „Intern halten wir die Füße still, der Verein steht hinter uns.“ Ein Lichtblick ist der Austausch mit der ersten Mannschaft, es werde besprochen, die Zweitvertretung von oben zu verstärken, vor allem zum Start der Rückrunde, die in der Landesliga drei Wochen nach der Kreisliga startet. Auch innerhalb des Kaders sei die Stimmung weiterhin konstruktiv, das Team suche gemeinsam einen Weg aus der Krise.

SV-Trainer Sebastian Kohler will seine Mannschaft wieder aus dem Tabellenkeller führen. Foto: Andreas Gorr

Dass seine erste Saison in Eltingen schwierig werden könnte, dachte sich der 32-Jährige, der im Sommer vom SV Gebersheim kam; schon damals habe er taktischen Handlungsbedarf bemerkt. Die sportliche Talfahrt der letzten Wochen setzt ihn zwar unter Druck, diesen möchte Kohler allerdings nutzen, um daran zu wachsen. Er bleibt auch vor dem „Derby light“ am Freitagabend (19.30 Uhr) bei der Zweitvertretung der SKV Rutesheim weiterhin optimistisch.