Sechs Pflichtspiele hat er wegen einer Verletzung verpasst. Seit Deniz Undav beim VfB Stuttgart zurück ist, wird er besser und besser. Und hat nun eine Botschaft parat.
Im Grunde war ja alles wie damals. Als Deniz Undav zur Überraschung der Bundesliga mutierte. Als der Stürmer auf den EM-Zug aufsprang. Als er mithalf, den VfB Stuttgart zum Vizemeister zu machen. Und als er stets gut gelaunt zu den Gesprächen mit den Journalisten erschien. Meist mit der Kapuze seiner Trainingsjacke über dem Kopf.
So wie damals, in der Saison 2023/2024, fühlte es sich auch nun wieder an, als Deniz Undav nach dem Heimspiel des VfB gegen den FC Augsburg aus der Umkleidekabine trat. „Ich fühle mich wieder wohl“, sagte er und zog immer wieder die Kapuze zurecht. Wohl wissend, dass seit diesem „damals“ viel passiert ist.
In der vergangenen Saison konnte Deniz Undav, nun nicht mehr Leihspieler, sondern Rekordeinkauf des VfB, nicht ganz anknüpfen an die Leistungen seiner Bundesliga-Premierenspielzeit. Den 19 Toren und zehn Vorlagen in 33 Pflichtspielen folgten 38 Spiele mit 13 Toren und sechs Assists in der Saison 2024/2025. Der heute 29-Jährige wirkte nicht mehr ganz so agil und spritzig wie zuvor, schoss den VfB am Ende aber mit zum Pokalsieg.
Es folgte das feste Vorhaben, wieder eine bessere Spielzeit hinzulegen, Undav spielte eine gute Vorbereitung im Sommer 2025 – und kam dennoch schwer hinein in die Saison. Zu allem Überfluss zog er sich dann einen Innenbandanriss im Knie zu. Sechs Pflichtspiele hat er dadurch verpasst. Aber: Wer ihn nun sieht, könnte fast meinen, dieser erzwungene Neuaufbau im Herbst hat ihm sogar gut getan.
„Von Spiel zu Spiel“, lobt nun Fabian Wohlgemuth, „packt er mehr konditionelles Niveau drauf, um danach jeweils noch besser zu funktionieren.“ Das alles ließ den Sportvorstand des VfB am Sonntagabend mit Blick auf Deniz Undav frohlocken: „Er ist wieder da.“ Und wie.
Am 18. Oktober feierte der Angreifer sein Comeback nach seiner Verletzungspause, geplant war danach ein vorsichtiger Aufbau. Weil sich dann aber Ermedin Demirovic verletzte und auf unbestimmte abmelden musste, wurde Undav sofort zum Vielspieler. „Er hat mehr gespielt als geplant war“, gab VfB-Trainer Sebastian Hoeneß zu.
In sieben Spielen in Folge ist er nun zum Einsatz gekommen, fünfmal stand er in der Startelf. Das überraschende Fazit: Den Stürmer hat das nicht überfordert – sondern gefördert. Alle seine vier Saisontore hat Undav nach seiner Verletzung erzielt, am Sonntag beim 3:2 gegen den FCA waren es gleich zwei. „Ich bin froh, wieder im Flow zu sein“, sagte er nach der Partie. Und stellte gleich mal etwas klar.
Deniz Undav sieht sich als klassischen Stürmer
„Seit Medo (Anmerk. der Red.: Ermedin Demirovic) ausfällt, haben wir ja anscheinend keinen Stürmer“, meinte Undav und spielte den leicht Beleidigten. Aber, versicherte er: „Ich bin ein klassischer Stürmer.“ Kleiner und spielstärker als manch wuchtiger Neuner-Kollege zwar, aber eben doch einer für ganz vorne. Weshalb er die ganze Diskussion um eine fehlender Speerspitze im Kader nach dem Aus für Demirovic nicht so ganz verstehen konnte. „Es wurde nur von anderen Alternativen geredet“, sagt er trotzig. Dabei sei es doch „nicht meine Schuld“, dass manche in ihm keinen vollwertigen Mittelstürmer sehen.
Immerhin: Den Sportvorstand hat er mit seiner Sicht der Dinge auf seiner Seite. „Für mich gab es die Torjägerthematik gar nicht“, versicherte Fabian Wohlgemuth und bescheinigte Undav am Sonntag eine „sehr ordentliche Leistung“. Er ergänzte: „Defensiv wie offensiv.“ Was die gute Verfassung des Nationalspielers unterstreicht. Denn: Selbst in der Schlussphase setzte er zu langen Sprints weit in die eigene Hälfte hinein an.
„Er steckt die Dinge gut weg und ist in einer guten Form“, sagte Sebastian Hoeneß über seinen Torjäger. Mit „Dinge“ meint der Coach die Belastungen. Undav, ergänzte Hoeneß, erzeuge nun wieder „richtig Torgefahr“. Und soll noch besser werden.
In den kommenden beiden Wochen kann der beliebte Angreifer einerseits eine nun wichtige Pause einlegen. Andererseits wird er sich nun nicht zurücklehnen. Davon ist zumindest Fabian Wohlgemuth überzeugt: „Er wird alles dafür tun, noch fitter gegen Dortmund aufzulaufen.“ Um bis zum Frühjahr auch wieder ein Kandidat für den Bundestrainer Julian Nagelsmann und dessen WM-Kader zu sein. „Wenn ich Leistung bringe, bin ich immer eine Option“, sagte Undav, „das weiß der Bundestrainer. Ich versuche es ihm so schwer wie möglich zu machen.“
Die Partie beim BVB steigt am 22. November – und mit Blick auf Undavs jüngsten Auftritt gegen den FC Augsburg sollten sie im Ruhrgebiet gewarnt sein.
Das Duell am Sonntagabend war Undavs sechstes mit dem FCA, wie alle fünf vorherigen hat er es gewonnen und schraubte seine Torbilanz gegen den Bundesligakonkurrenten von drei auf fünf. Auch gegen den BVB hat Deniz Undav schon fünfmal gespielt, fünfmal gewonnen, bisher drei Tore erzielt. Und er scheint mehr als bereit für das Aufeinandertreffen Nummer sechs.