Serhou Guirassy im Duell mit den vermeintlich neuen BVB-Kollegen. Foto: dpa/Tom Weller

Nach einer Überraschung beim Medizincheck ist der Wechsel von Serhou Guirassy vom VfB Stuttgart zu Borussia Dortmund erst einmal aufgeschoben. Platzt der Deal womöglich noch?

Paris ist derzeit alles andere als eine Oase der Ruhe. Zwar macht die Tour de France in diesem Jahr einen Bogen um die französische Hauptstadt, dafür läuft derzeit die heiße Phase für die Vorbereitungen der Olympischen Sommerspiele. Am 26. Juli geht’s mit der Eröffnungsfeier los. Auf eine Party in Paris hat Serhou Guirassy derzeit wohl wenig Lust.

 

Der Fußball-Profi, der in der vergangenen Saison 28 Bundesligatore für den VfB Stuttgart geschossen hatte, sollte am Donnerstagvormittag eigentlich mit seinen neuen Kollegen auf dem Trainingsplatz stehen. In Dortmund. Stattdessen weilt der 28-Jährige nun in Absprache mit dem VfB Stuttgart in Paris. Denn: Nach dem Medizincheck am Mittwoch folgte nicht die Unterschrift unter den lukrativen Vierjahresvertrag, der ausverhandelt vorlag – sondern die Abreise aus Dortmund.

Weitere Untersuchungen

Die Borussia hatte am Mittwochabend via X (ehemals Twitter) mitgeteilt: „Während einer medizinischen Untersuchung von Serhou Guirassy wurde eine Verletzung festgestellt, die einer weiteren Abklärung bedarf.“ Das Außenband des rechten Knies hat sich Guirassy wohl bei den jüngsten Länderspieleinsätzen für Guinea beschädigt. Den BVB traf dies am Mittwoch aber offenbar überraschend, weshalb der Champions-League-Finalist nun weitere Untersuchungen zu Beginn der kommenden Woche organisiert. Es sollen noch Spezialisten hinzugezogen werden.

Dass der Club über die unerwarteten Komplikationen öffentlich informierte, ist alles andere als üblich, zumal Guirassy ja noch nicht einmal Spieler des BVB ist. Nachdem der Angreifer aber schon von mehreren Medienvertretern am Flughafen in Empfang genommen worden war, wären die bohrenden Fragen spätestens zum Trainingsstart am Donnerstag wohl zu zahlreich geworden. In Absprache mit den Verantwortlichen vom VfB und dem Tross des Spielers wurden also die Gründe für den Aufschub des Transfers kommuniziert.

Der Wechsel ist weiterhin wahrscheinlich

In Stuttgart war man bislang fest davon ausgegangen, dass der Deal für rund 19 Millionen Euro und dank einer von Serhou Guirassy aktivierten Ausstiegsklausel zügig über die Bühne geht. Die Dortmunder zahlen dem Stürmer in den kommenden vier Jahren wohl rund zehn Millionen Euro pro Jahr. Dazu kommt ein ordentlicher Batzen an Handgeld für den Spieler und dessen Berater. Kein Wunder also, dass sie beim BVB lieber noch einmal genauer hinschauen wollen. Zumal sie in Dortmund gebrannte Kinder sind.

Zwar lag bei der Verpflichtung von Sebastien Haller vor zwei Jahren keine muskuläre Verletzung vor, die unentdeckt blieb. Nur Wochen später wurde beim Angreifer dann aber ein bösartiger Tumor im Hoden entdeckt – also nicht beim obligatorisch durchgeführten Medizincheck.

Sollte sich die Verletzung Guirassys nun als weniger schlimm erweisen und er nach wenigen Wochen ins Borussia-Training einsteigen können, wird der Wechsel wohl trotz der aufgetretenen Komplikationen über die Bühne gehen. Eventuell mit kleineren Anpassungen der finanziellen Rahmenbedingungen. Dies scheint nach wie vor der wahrscheinlichste Fall.

Vertrag läuft noch bis 2026

Sollten die Dortmunder nun aber Abstand nehmen von einer Verpflichtung des Nationalspielers, müsste Guirassy in der kommenden Woche wieder in Stuttgart vorstellig werden. Bis 15. Juli befindet er sich im mit dem VfB abgestimmten Urlaub, da er nach der Saison noch jene zwei Länderspiele absolviert hatte, von denen nun wohl die Verletzung herrührt. Mit den Stuttgarter Verantwortlichen müsste dann zunächst der Reha-Plan abgestimmt werden. Eine unwahrscheinliche, aber mögliche Variante: Serhou Guirassy bleibt doch noch Spieler des VfB Stuttgart – sein noch nicht aufgelöster Vertrag läuft jedenfalls noch bis 2026.

Wie weit ist der VfB mit Ermedin Demirovic?

Dritter möglicher Fall: Der BVB winkt ab, aber Guirassy findet innerhalb der Transferphase bis Ende August einen anderen Verein, zu dem er mittels der Ausstiegsklausel wechseln möchte – und der ebenfalls bereit ist, die rund 19 Millionen Euro an den VfB zu überweisen. Aufgrund der Vorgeschichte müsste der Stürmer dann womöglich kleinere finanzielle Abstriche gegenüber dem aktuellen BVB-Angebot in Kauf nehmen.

In Stuttgart, so viel ist klar, geht man weiter davon aus, dass Serhou Guirassy künftig nicht mehr Teil des VfB-Teams sein wird. Entsprechend laufen die Gespräche mit potenziellen Nachfolgern. Einer davon: Ermedin Demirovic vom FC Augsburg. Der Bosnier allerdings wäre alles andere als ein Schnäppchen, bisher haben sich die Vereine zwar angenähert, kamen bei der Ablösesumme (über 20 Millionen Euro?) aber noch nicht zusammen. Auch, weil der VfB ja nebenbei an einem anderen Millionendeal arbeitet und versucht, Deniz Undav von Brighton & Hove Albion fest zu verpflichten.

Der deutsche Nationalspieler hatte nach dem EM-Aus überraschend am Dienstag beim Training der Kollegen in Stuttgart vorbeigeschaut. Nun hat er rund drei Wochen Urlaub. Sollte er dabei Ruhe suchen, sollte er Paris eher meiden.