Foto: factum/Granville

Seit 30 Jahren sendet das Krankenhaus-Radio Studio 81 jeden Mittwoch live im Karl-Olga-Krankenhaus. Dann erfüllt Erich Ebert die Liedwünsche der Patienten.

S-Ost - Jeden Mittwoch sitzt Erich Ebert im Untergeschoss des Karl-Olga-Krankenhauses und ruft Leute an. Die Gespräche kommen live im Radio. „Wer sich selber nicht meldet, der wird angerufen“, ist dabei seine Devise. Viele wissen zunächst gar nicht, wer er ist und was er von ihnen will. Wenn er sie dann noch auffordert, sich ihr Lieblingslied zu wünschen, fühlen sich viele auf den Arm genommen.

Dabei will Erich Ebert niemandem etwas Böses. Im Gegenteil, er möchte den Patienten etwas Gutes tun. Einmal in der Woche macht der frühere Toningenieur eine Sendung im Krankenhaus-Radio im Karl-Olga-Krankenhaus: das Studio 81. Benannt ist es nach seinem Gründungsjahr, eben 1981, zum ersten Mal auf Sendung ging der kleine Radiosender im April 1982. Seitdem können Patienten mittwochs von 19 bis 21 Uhr das Wunschkonzert hören.

Die Resonanz ist nicht mehr so groß wie früher

Vor genau 30 Jahren hat der ehemalige Verwaltungschef des Krankenhauses, Hans-Peter Maier, in einem Krankenhaus in Witten gesehen, dass es dort ein Radio gibt. Das wollte er in Stuttgart auch haben. Einen Radiomacher kannte er bereits. Lothar Ackva war sein Name, der erste Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Karl-Olga. Doch das Studio fehlte ihm noch. Deshalb habe sich Maier an den SWR gewandt, berichtet Erich Ebert. „Ich brauche jemand, der mir ein Studio baut“, habe er Ende 1981 dort nachgefragt und geriet zufällig an die Frau von Ebert. Die vermittelte sogleich den Kontakt zu ihrem Mann und der war sofort dabei.

Früher lief das Radio noch richtig gut. „Über 20 Leute waren wir damals im Team“, erzählt Ebert. Auch ein Programm zu machen, sei für ihn und seine Kollegen einfacher gewesen. Das Fernsehen als Konkurrenz war noch nicht so stark ausgeprägt. Als das ehemalige Gebäude abgerissen wurde und ein neuer Verwaltungschef kam, stand die Zukunft des Radios auf der Kippe. „Ich musste ihm hoch und heilig versprechen, dass ich noch eine ganze Weile selber weitermache“, sagt der 62-Jährige Toningenieur. Im Jahr 1996 bekam das Radio dann die jetzigen Räume.

Eine Hitliste mit den Lieblingssongs der Patienten

Zum Jubiläum haben sich Ebert und seine Radio-Kollegen etwas Besonderes einfallen lassen: Zunächst einmal sammeln sie Lieblingslieder der Patienten und erstellen eine Hitliste. Dafür geht er persönlich auf den Stationen von Patient zu Patient und fragt nach ihren Wünschen. „Eventuell stellen wir auch die einzelnen Stationen vor“, sagt Ebert. Neben kleinen Gewinnspielen lädt er drei Patienten am Jubiläumstag in die Sendung ein. Auf einige andere Gäste hofft er auch: die Gründer des Radios und die Geschäftsleitung des Krankenhauses.

Die Beteiligung der Patienten geht seit einiger Zeit zurück. Durch das Jubiläumsprogramm soll wieder neuer Schwung in die Sache kommen. „Eigentlich war der Plan, dass die Leute selber anrufen und sich ein Lied wünschen“, so Ebert. Doch das kommt nur noch selten vor. Per Zufall wählt er deshalb nun selbst unter den vergebenen Nummern aus und ruft einfach mal durch. „Ich sage schon lange nicht mehr, dass die Leute etwas gewonnen haben“, so Ebert. Sonst legen sie direkt auf. Nach kurzer Aufforderung fällt den meisten Patienten ein Lieblingslied ein. Fünfzehn Minuten später läuft es im Radio. „Oft frage ich mich, warum ich das bei der geringen Resonanz noch mache“, sagt Ebert. Wenn er nach einer Sendung aber zufällig einen Patienten treffe und dieser erzähle, wie gut es ihm nach dem Lied ging, seien alle Zweifel verflogen.

Wichtig ist Ebert, dass seine Sendung nah an den Patienten bleibt. Gelegentlich sendet das Radio deshalb direkt aus dem Foyer. Manchmal ist dies allerdings von Nachteil. Einst war eine Dame überrascht, als sie Ebert in natura gesehen hat. „Den hab ich mir viel jünger vorgestellt“, hörte er sie zu einer Mitpatientin sagen.

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