Studierendenwerke Umbenennung kostet soviel wie 13 Wohnheimplätze

Von Sandra Lutz 

Auch Schilder – wie hier in Ulm – müssen ausgetauscht werden Foto: dpa
Auch Schilder – wie hier in Ulm – müssen ausgetauscht werden Foto: dpa

Die Umbenennung der Studentenwerke in Studierendenwerke schlägt Wellen. Geldverschwen- dung, meinen die einen, ein wichtiger Schritt zur Gleich- berechtigung, argumentieren andere.

Stuttgart - An der Namensänderung ist nicht zu rütteln: Alle acht Studentenwerke in Baden-Württemberg müssen sich in den nächsten Jahren in Studierendenwerke umbenennen – so sieht es das neue Landeshochschulgesetz vor. Doch das heißt noch lange nicht, dass sich deswegen bei diesem Thema alle einig sind.

Im sozialen Netzwerk Facebook trifft die geplante Änderung auf großes Unverständnis. Am häufigsten fallen die Worte „Geldverschwendung“ und „Schwachsinn“. Schließlich müssen die Kosten für die Umbenennung in Studierendenwerk von den Anstalten des öffentlichen Rechts selbst ­getragen werden. Diese zahlen zu einem ­Drittel die Studierenden, zwei Drittel sind Mieteinnahmen in den Studentenwohnheimen und Einnahmen in den ­Mensen. „Genderwahn. Das Geld gehört in Forschung und Lehre oder in die Ver­besserung der Studienbedingungen. Die Landesregierung zeigt sich als Geldverschwender“, kommentiert Thomas Eschle auf Facebook. „Überflüssig wie ein Kropf“, schreibt Heike Wendel.

Doch nicht nur dort stößt die Namensänderung auf Ablehnung. Justus Rathmann, Vorstand des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) in Mannheim, stört vor allen, dass es für die Umbenennung keine finanzielle Förderung von Bund oder Ländern gibt. „Jetzt wird mit der Rasenmäher-Methode überall ein bisschen Geld vom laufenden Budget abgezweigt. Das Geld wäre sinnvoller für uns Studenten eingesetzt, als in neue Hausschilder“, findet Rathmann. „Da wird Geld verprasst, das eigentlich doch immer fehlt, und der Mehrwert für uns Studenten ist gleich null!“, sagt Robert Kuncewicz vom Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) Hohenheim.

Die Studentenwerke kalkulieren mit unterschiedlichen Kosten – Mannheim rechnet mit 40 000 Euro, in Karlsruhe ist von bis zu 120 000 Euro die Rede. Bei einem Schnitt von 80 000 Euro würde das die acht Einrichtungen im Land rund 640 000 Euro kosten. Mit dieser Summe ließen sich 13 Wohnheimplätze bauen oder 80 Studenten ein Jahr lang mit dem Bafög-Höchstsatz fördern.

Claus Kaiser, Geschäftsführer des Studierendenwerks Ulm kann die Aufregung um die Umbenennung und deren Kosten nicht nachvollziehen. „Bei dieser Diskussion wird nicht berücksichtigt, dass wir ohnehin von Zeit zu Zeit unseren öffentlichen Auftritt, unser Corporate Identity, überarbeiten und modernisieren müssen.“ So will das Ulmer Studierendenwerk künftig ausländische Studenten besser ansprechen und hat ein neues Logo entworfen, das demnächst verwendet wird. Es trägt nicht nur den neuen Namen, sondern präsentiert sich auch international. Bei den Studierenden komme die Umbenennung gut an, sagt Kaiser. Bei der Abstimmung in der Vertreterversammlung hätten sie diese einhellig befürwortet.

Dagmar Höppel hält die Umbenennung für zwingend. Seit mehr als zehn Jahren werde an den Hochschulen von Studierenden statt von Studenten gesprochen. „Eine neutrale Benennung ist wichtig, denn sie führt zu anderen Ergebnissen – auch die Frauen sind und fühlen sich angesprochen“, sagt die ­Leiterin der Geschäftsstelle der Gleichstellungsbeauftragten an Universitäten, ­Pädagogischen Hochschulen sowie Musik- und Kunsthochschulen. Dies gelte für Stellenausschreibungen wie für Studien- und Prüfungsordnungen – und eben auch für Einrichtungen. Wenn nach den zehn besten Fußballspielern gefragt werde, werde kaum jemand Birgit Prinz nennen, weil die meisten mit der männlichen Form auch nur Männer verbinden, sagt Höppel. „Die Sprache ist ein wichtiger Mosaikstein, sie wirkt auf das Denken und Handeln.“ Zwar seien mehr als die Hälfte der Studierenden an den baden-württembergischen Hochschulen inzwischen weiblich, auch unter den Promovierenden seien 50 Prozent Frauen, aber nur ein Viertel der Professuren hätten Frauen inne.

Auch von Seiten der Landesstudierendenvertretung Baden-Württemberg findet die Entscheidung des Landes Zuspruch. „Wir haben diesen Beschluss damals gefordert und befürwortet. Es war Zeit für einen zeitgemäßen Begriff“, erklärt Jörg Willburger von der Landesstudierendenvertretung.

Doch sind die Studenten bereit für das zeitgenössische Studierendenwerk? Das Wissenschaftsministerium geht davon aus, „dass nach Abschluss des Umbenennungsprozesses und einer Gewöhnungsphase die Formulierung Studierendenwerk die gebräuchliche sein wird.“

Lesen Sie jetzt