Studenten auf Wohnungssuche. Foto: dpa

Fast nirgendwo in Deutschland kostet ein WG-Zimmer mehr als in Stuttgart. Experten warnen davor, dass sich diese Notlage in den kommenden Jahren noch weiter verschärfen wird.

Stuttgart - 475 Euro kostet ein durchschnittliches, unmöbliertes WG-Zimmer zu Beginn des Wintersemesters 2018 in Stuttgart pro Monat. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Wirtschaftsforscher von Empirica. Damit liegt die Landeshauptstadt bundesweit auf Platz drei. Nur München (600 Euro Monatsmiete) und Frankfurt (488 Euro Monatsmiete) sind teurer. Experten warnen davor, dass die extreme Steigerung der Wohnkosten dazu führt, dass nur noch Kindern aus einkommensstarken Haushalten in Stuttgart, München oder Frankfurt studieren können.

Die Reaktionen der Hochschulen zu diesem Thema sind vielfältig. „Für die sozialen Belange der Studierenden ist das Studierendenwerk Stuttgart zuständig“, erklärt der Leiter der Hochschulkommunikation der Uni Stuttgart, Hans-Herwig Geyer. Die Universität unterstütze jedoch alle Aktivitäten der Studenten, finanzierbaren Wohnraum zu finden. Die Uni Hohenheim äußert sich hingegen so: „Seitens der Universität können wir bejahen, dass der Wohnungsmarkt zunehmend problematisch ist, was die Universität vor Probleme stellt – übrigens auch deswegen, weil dies nicht nur für Studierende, sondern auch für Beschäftigte und die Personalgewinnung gilt“, sagt Florian Klebs, Pressesprecher der Uni Hohenheim. Er fügt hinzu: „Stuttgart läuft hier Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten.“ Zudem richtet die Hochschule einen klaren Appell an das Stuttgarter Rathaus: „Der Universität Hohenheim stellt sich die Lage so dar, dass wir in Stuttgart eine andere Wohnungsbau- und Mietpolitik benötigen.“

In Stuttgart sind viele Studenten Pendler

Auch das Studierendenwerk Stuttgart kennt die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt. 3840 Studenten stehen derzeit auf der Warteliste für ein Zimmer in einem der Wohnheime. „Die Wartezeit beträgt in der Regel sechs bis acht Monate“, so Pressesprecherin Anita Bauer. Das hat Auswirkungen auf den Alltag der Studenten. „Im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland, sind unter den Studierenden in Stuttgart auffällig viele Pendler“, erklärt Bauer. Und: Im gesamten Südwesten leben 21 Prozent aller Studenten bei den Eltern oder bei Verwandten. „Unter den Studierenden der von uns betreuten Hochschulen im Großraum Stuttgart sind es 34 Prozent“, so die Sprecherin des Studierendenwerks.

Welche Auswirkungen die Wohnkosten der Studenten auf den Hochschulstandort insgesamt haben, erklärt Hanspeter Gondring, Immobilienexperte und Studiendekan des Studienzentrums Finanzwirtschaft an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. „Im Gegensatz zu den anderen Großstädten baut Stuttgart im Vergleich weniger Studentenwohnungen, was in Zukunft zu einem Problem werden kann“, erklärt Gondring. „Verschärfend kommt hinzu, dass die Studierendenzahl auch in den nächsten Jahren schneller steigen wird als die Ausweitung des Wohnraums“, so der Wissenschaftler.

Die Folgen dieser Entwicklung beschreibt Gondring so: „Kinder aus einkommensstarken Haushalten können sich die Studienorte frei aussuchen, während Kinder aus eher einkommensschwachen Haushalten nur die Studienorte mit niedrigeren Quadratmeterpreisen auswählen können.“

In Chemnitz sind WG-Zimmer am günstigsten

Doch die Wohnkosten sind aus Sicht von Hanspeter Gondring nicht das einzige Problem des Hochschulstandorts Stuttgart. „Wichtig sind die Attraktivität der Studienangebote und die Attraktivität der Stadt. Letzteres ist ein Problem für Stuttgart“, so Gondring. Stuttgart definiere seine Attraktivität immer noch wie in alten Zeiten als Stadt zwischen Wald und Weinbergen, so Gondring. „Ergänzend würde ich noch Radarfallen hinzufügen“, sagt er und fügt an: „Ob das für die heutige Generation noch ein Magnet ist, bezweifle ich.“ Im Gegensatz ­dazu verzeichneten Unistädte mit lebendigen Freizeitangeboten wie etwa Darmstadt, Trier, Dresden oder Leipzig überdurchschnittliche Zuwachsraten, so der Wissenschaftler. Das sei nicht nur deshalb der Fall, weil es dort noch preiswerten Wohnraum gebe, „sondern weil diese Städte eine Atmosphäre ausstrahlen, die die heutige Studentengeneration anspricht“.

Die günstigsten Städte für Studenten sind Chemnitz, Halle an der Saale und Magdeburg. Hier liegen die Preise für ein WG-Zimmer laut Empirica zwischen 216,5 und 260 Euro im Monat. Interessant ist zudem der Blick auf die Preisentwicklung. Während die Mieten in Chemnitz seit dem Wintersemester 2012 – damals lag der Preis bei 190 Euro im Monat – kaum angezogen haben, wurden in Stuttgart deutliche Steigerungen verzeichnet. Im Wintersemester 2012 lag der Preis in Stuttgart noch bei 350 Euro.

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