Im Kampf gegen die Wohnungsnot haben Bauingenieure ein breites Betätigungsfeld. Foto: imago images / /om Chance

Das Interesse an den naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen im Land sinkt und könnte weiter nachlassen. Hochschulen und Wirtschaft machen sich für die Studienplätze stark.

Die Hochschulen und die Wirtschaftsverbände in Baden-Württemberg schlagen Alarm. Sie befürchten einen Abbau von Studienplätzen im Ingenieurbereich, dabei würden die Fachkräfte dringend gebraucht. Im Wintersemester 2021/22 haben laut Statistischem Landesamt 12 000 Menschen an den Hochschulen im Südwesten ein ingenieurwissenschaftliches Studium aufgenommen. Das sind knapp fünf Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Weniger gefragt sind laut Wissenschaftsministerium die Bereiche Maschinenbau und Elektrotechnik.

 

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Allerdings waren allein im dritten Quartal 2021 in Baden-Württemberg 19 200 offene Stellen in den Ingenieurberufen zu besetzen. „Der Druck zur Sicherung der ingenieurtechnischen Fachkräftebasis ist im Südwesten enorm hoch“, mahnen Hochschul- und Wirtschaftsorganisationen vom Arbeitgeberverband Südwestmetall bis zur Dualen Hochschule. Sie befürchten, dass die coronabedingten Schulschließungen sich negativ auf die naturwissenschaftlichen Fähigkeiten der Schüler auswirken und das Interesse an ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen noch weiter nachlässt.

Für die Sicherung der Kapazitäten

Sie warnen davor, die sinkenden Bewerberzahlen zum Anlass für einen kurzfristigen Abbau von Studienplätzen zu nehmen. In einem gemeinsamen Positionspapier, das unserer Zeitung vorliegt, kritisieren die Vertreter der Hochschulen und der Verbände, dass die Hochschulfinanzierung eng an die Zahl der Studierenden gekoppelt ist. Das setze die Hochschulen bei sinkender Nachfrage unter Druck, Studiengänge zu streichen.

Sie fordern in dem Zehnpunktepapier, bedarfsgerechte Studienkapazitäten zu sichern, die Ausbildungsinhalte anzupassen und Künstliche Intelligenz für die Fortentwicklung der Hochschullehre einzusetzen.

Bauer will Studienplätze auslasten

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) sagte unserer Zeitung: „Das Interesse des Landes ist keineswegs, Studienplätze abzubauen, sondern Studienplätze auszulasten.“ Sie animiert die Hochschulen dazu, ihre Angebote an den Bedürfnissen der Wirtschaft auszurichten.