Nichteuropäische Studierende müssen in Baden-Württemberg zahlen. Foto: imago

Die Gebühren für internationale Studierende in Baden-Württemberg wirken sich höchst unterschiedlich aus.

Stuttgart - Die Auswirkungen der Studiengebühren werden nun deutlich sichtbar“, erklärt Nico Weinmann, der hochschulpolitische Sprecher der FDP gegenüber unserer Zeitung unumwunden. „Die Hochschulen erleben vielerorts einen Rückgang an ausländischen Studierenden und sehen ihre Internationalisierungsbemühungen konterkariert“, schildert Weinmann seine Beobachtungen zum Beispiel in Heilbronn. Andere Bundesländer, ohne Gebühren, verzeichnen dagegen steigende Zahlen. Gabi Rolland, die Hochschulpolitikerin der SPD, konstatiert: „Die Bauer-Maut beschert den Hochschulen in Baden-Württemberg Nachteile im Wettbewerb um die gebotene Internationalisierung.“ Gegenwärtig sind Hochschulpolitiker im Land stark auf eigene Beobachtungen angewiesen. Das Wissenschaftsministerium will eine Gesamtschau erst im Frühjahr vorlegen.

Die Situation ist von Studiengang zu Studiengang unterschiedlich

Auf eine Anfrage der SPD-Fraktion lässt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) lediglich auflisten, dass im Wintersemester 2017/18 zwar 14 500 Studierende aus nicht EU-Staaten für baden-württembergische Hochschulen eine Zulassung bekommen hätten, aber nur 5150 sich tatsächlich eingeschrieben haben.

Das bestärkt die Kritiker der Gebühren in ihren Befürchtungen. „Die Landesregierung will aus politischen Gründen die Zahlen nicht herausgeben, weil sie ihnen schaden würden“, mutmaßt Kurt Stiegler vom Aktionsbündnis gegen Bildungs- und Studiengebühren, und auch die SPD hegt einen derartigen Verdacht.

Doch die Situation ist von Studiengang zu Studiengang unterschiedlich und Ausländer ist nicht gleich Ausländer. Musikhochschulen leiden nach Angaben aus Hochschulkreisen nicht unter den Gebühren, vielmehr würden die Bewerberzahlen eher steigen. Bei Interessenten aus China oder Russland werde ein Studiengang eher attraktiver, wenn er etwas koste, vermuten Hochschulexperten.

Besonders die afrikanischen Studenten seien abgeschreckt

Aus dem KIT berichtet die Verfasste Studierendenschaft, dass inzwischen besonders wenige Afrikaner ein Studium in Karlsruhe aufnähmen. Vor Einführung der Gebühren kamen demnach 150 Studienanfänger in Karlsruhe aus Afrika, ein Jahr später, im Herbst 2017, als sie 1500 Euro pro Semester bezahlen mussten, waren es noch 22 Anfänger. Der Trend setzt sich nach Beobachtungen der Studierendenschaft auch in diesem Jahr fort, auch wenn die Zahlen noch nicht offiziell seien.

Dass das Wissenschaftsministerium mit der Herausgabe der Zahlen zögert, sorgt für Unmut. Ebenso, dass die Pressestelle des Ministeriums die Hochschulen ermahnt hat. „Selbstverständlich“, heißt es in einem Schreiben an die Hochschulen, sei jede Hochschule frei in der Wahl des geeigneten Kommunikationszeitpunkts. Sollte eine Hochschule aber ihre Zahlen bereits vorab veröffentlichen, werde das Ministerium einen detaillierten Bericht zur Erhebung anfordern. Das nennt Rolland „rigide Informationspolitik“. Dazu werde die SPD in der Sitzung des Wissenschaftsausschusses am 16. Januar „kritisch nachhaken“.

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