Den Esslinger Studenten gefällt es am Standort in der Kanalstraße Foto: Horst Rudel

Mit einer Mehrheit von 80 Prozent der Stimmen hat der Senat eine neue Struktur der Hochschule Esslingen beschlossen: Die Wirtschaftsingenieure wandern nach Göppingen ab, die Wirtschaftsinformatiker kommen nach Esslingen

Esslingen - Die Studiengänge der Hochschule Esslingen werden neu verteilt. Der Senat hat am Montagabend den Plänen des Rektorats zugestimmt, verschiedene Fakultäten an den beiden Standorten in Göppingen und in Esslingen zu konzentrieren. Der Studiengang Wirtschaftsinformatik kommt nach Esslingen und wird in die Fakultät Informationstechnik integriert. Im Gegenzug dazu wandern die Wirtschaftsingenieure nach Göppingen ab und werden dort in einer Fakultät zusammengefasst.

Der Senat hat auch den Aufbau eines neuen Studiengangs beschlossen: an der Fakultät Versorgungs- und Umwelttechnik wird es in Zukunft den Schwerpunkt Umwelttechnik geben. Insgesamt, so heißt es in der jetzt veröffentlichten Pressemitteilung weiter, würden die betriebswirtschaftlichen Studiengänge gestärkt. Beispielsweise erhält die Fakultät Betriebswirtschaft 70 neue Anfängerplätze für den Schwerpunkt Technik. Die Hochschule betont darüber hinaus, dass sie die Fakultäten Wirtschaftsingenieurwesen am Standort in Göppingen und Betriebswirtschaft in Esslingen gleichwertig behandelt und sie mit gleichen Ressourcen ausstattet.

Die Umstellung war naturgemäß nicht ohne Reibereien abgelaufen. Im vorigen Jahr hatten die Wirtschaftsingenieure in der Esslinger Altstadt gegen die Verlagerung nach Göppingen demonstriert. Laut Dominic Kropp, dem Vorsitzenden des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta), hatten sie Esslingen als Studienort nicht verlieren wollen. Dabei ging es zum einen um den guten Klang der Stadt Esslingen in akademischen Kreisen und zum anderen um eine schlechte Erreichbarkeit Göppingens mit Bus und Bahn. Ein Grund war auch, dass die Studenten Göppingen im Vergleich zur ehemals freien Reichsstadt für wenig attraktiv halten. „Es wird aber jeder in Esslingen fertig studieren können“, sichert der Asta-Sprecher zu.

Das Hauptargument aus Sicht des Asta war allerdings ein anderes: die Wirtschaftsingenieure wüssten nicht, ob die Fakultät am neuen Standort Göppingen zur alten Größe zurückfinden würde. Der Standort Esslingen habe einen exzellenten Ruf genossen und sei in allen Rankings immer vorne mit dabei gewesen. Das Aushängeschild sei dabei immer der Ingenieur „Esslinger Prägung“ gewesen, der Wirtschaft und Technik zusammenbringe.

Der Asta Esslingen hat die Beschlüsse des Senats am Montag trotz der Bedenken mitgetragen. Von den 27 stimmberechtigten Mitgliedern des Senats waren fünf gegen die Neuordnung, einer enthielt sich. Das Votum von etwa 80 Prozent für den Plan wertet der Hochschulrektor Bernhard Schwarz auch als Votum für sich. Schwarz war in die Schlagzeilen geraten, weil behauptet worden war, er würde die Verlagerung auch dazu benutzen, um das Göppinger Steinbeis-Zentrum für Mikroelektronik zu stärken, in dessen Vorstand er sitzt. Eine Untersuchung des Landesrechnungshofes erbrachte allerdings nichts Greifbares, die Staatsanwaltschaft Stuttgart schaltete sich gar nicht erst ein, so dass sich Bernhard Schwarz von diesem Vorwurf freigesprochen sieht.

Mit Rückenwind durch den Senat geht Schwarz nun in die nächste Runde. Das Ergebnis der Sitzung am Montag wird nun Teil des Struktur- und Entwicklungsplanes der Hochschule sein, der die Ausrichtung für die nächsten fünf Jahre festlegt. Mit dem Plan sollten vor allem doppelte Strukturen in Esslingen und Göppingen beseitigt und dadurch die beiden Standorte der Hochschule besser profiliert werden.

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