Über Sex wird viel darüber theoretisiert, geredet und sich ausgesprochen. Ob’s immer hilft? Foto:  

Was wollten Sie schon immer über Sex wissen, wagten es aber bisher nicht zu fragen? Sie können sich entweder Woody Allens Kultfilm aus dem Jahr 1972 anschauen oder hier einfach weiterlesen.

Stuttgart - Kaum ein Thema ist so allgegenwärtig wie die schönste Nebensache der Welt. Slow Sex, Fast sex, Hard sex, Soft sex, Null Sex oder wie die Megatrends auch immer heißen mögen. Manche prahlen mit ihrer Aktivität und Potenz als ob es um einen Leistungswettbewerb geht. Viele reden am liebsten gar nicht darüber oder sind peinlich berührt, wenn das Gespräch darauf kommt. Über Sex wird viel darüber theoretisiert, geredet und sich ausgesprochen.

Weniger Lust auf Lust

Forscher der Universität Leipzig um den Medizinischen Psychologen Elmar Brähler haben in einer Langzeitstudie die sexuelle Aktivität der 18- bis über 70-jährigen Deutschen im Zeitraum von 1994 bis 2016 untersucht. 1994 waren noch 70,6 Prozent der Deutschen sexuell aktiv. 2005 stieg der Wert auf 73,7 Prozent, um dann 2016 auf 67 Prozent zu fallen.

Vor allem bei alleinstehenden 18- bis 30-Jährigen herrscht Flaute im Bett. 2016 waren 28,3 Prozent der Männer und 27,3 Prozent der Frauen sexuell nicht oder nicht besonders aktiv. 2005 waren es nur elf Prozent der männlichen und 14 Prozent der weiblichen Singles.

Ältere Frauen sind immer aktiver

Bei Frauen zwischen 60 und 70 Jahren dagegen ist das Bedürfnis nach Zuwendung erheblich gestiegen. 1994 hatten 30,9 Prozent von ihnen regelmäßig Sex, 2016 waren es bereits 42,3 Prozent.

Den größten Einfluss auf das Liebesleben der Studie zufolge hat die Partnerschaft. Wer in einer festen Beziehung lebt, hat bis zu 50 Prozent mehr Sex als gleichaltrige Singles.

Brähler vermutet, dass die Jüngeren ihre Gefühle und Bedürfnisse stärker in der digitalen Welt ausleben. „Die Jungen konsumieren eher Sexualität im Internet und pflegen Freundschaften über soziale Medien, anstatt den tatsächlichen sexuellen Kontakt zu suchen.“

Flaute in US-Betten

Generation X vs Generation Millenium

Eine ähnliche Entwicklung ist in den USA zu beobachten. Laut einer Ende im Fachblatt „Archives of Sexual Behavior“ veröffentlichten Studie der San Diego State University gehören die wilden Zeiten der 68er-Generation längst der Geschichte an. Das Team um die Psychologieprofessorin Jean M. Twenge hat mehr als 26 700 Menschen aus der Generation X (in den 1960ern bis in die frühen 1980er geboren) und der Generation Millenium (in den 1990er geboren) befragt.

Während die Amerikaner in den 1990ern durchschnittlich 65 Mal im Jahr Sex hatten, liegt die Frequenz heute bei 53 Mal. Einmal pro Woche – Tendenz sinkend.

Sexmüde Millennials

Die Millennials leben ihre Lust laut Studie deutlich seltener aus als noch ihre Eltern und Großeltern. 30 Prozent aller US-Singles zwischen 18 und 30 hatten 2015 sogar kein einziges Mal Sex.

15 Prozent der in den 1990er geborenen 20- bis 24-jährigen erklärten, dass sie seit ihrem 18. Geburtstag keine sexuelle Kontakte gehabt hätten. Bei den in den 19960er Geborenen waren es nur sechs Prozent.

„Obwohl sie den Ruf haben, permanent auf der Suche nach Sex zu sein, haben Millennials und die Generationen danach weniger Sex als ihre Eltern und Großeltern im gleichen Alter“, erklärt Twenge. Soziale Netzwerke würden zwar helfen, Kontakte zu knüpfen, wirkten aber zugleich desozialisierend.

Virtuelles Dating statt realer Kontakte

Die Forscher vermuten, dass die ausufernde Nutzung sozialer Medien, das permanente Serien-Streaming, das erotische Überangebot im Netz und die Flut an Dating-Apps und Online-Kontaktbörsen an dieser Entwicklung schuld sein könnten. An die Stelle realer physischer Kontakte ist die virtuelle Kommunikation getreten. Zwar sind immer mehr Menschen online, aber das Kennenlernen unter vier Augen und daraus resultierende sexuelle Kontakte bleiben oft auf der Strecke.

Die Sache mit dem Orgasmus

Lust und Leidenschaft

Wissenschaftler unter der Leitung von David Frederick von der Chapman University (US-Bundesstaat Kalifornien) haben im Fachblatt „Archives of Sexual Behavior“ eine Studie über das Sexualleben der Amerikaner veröffentlicht. Bei der Befragung der 56 600 Teilnehmer stand die Häufigkeit des Orgasmus im Vordergrund.

95 Prozent der heterosexuellen Männer gaben an, beim Sex fast immer oder immer einen Orgasmus zu haben. Bei den Frauen waren es 65 Prozent. Bei Homo-Männern lag die Quote bei 89 Prozent, bei lesbischen Frauen bei 86 Prozent. 88 Prozent der bisexuellen Männer kamen meistens zum Höhepunkt und 66 Prozent der Frauen.

Was Männer und Frauen erotisch von ihrem Partner wahrnehmen, unterscheidet sich mitunter deutlich. Laut Studie glauben 41 Prozent der Männer, dass ihre Partnerin einen Orgasmus hat. Tatsächlich bestätigten das aber nur 31 Prozent der Frauen. Mit der maskulinen Sensibilität im Bett kann es also nicht so weit her sein.

Quicky oder große Liebe?

Quicky oder große Liebe, One-Night-Stand oder große Gefühle? Das Online-Portal für Sexspielzeug „Lovehoney“ hat eine Studie veröffentlicht, in der 4400 Nutzer nach der Dauer ihrer erotischen Kontakte befragt wurden.

Demnach haben Paare durchschnittlich 19 Minuten lang Sex. Davon sind zehn Minuten dem stimulierenden Vorspiel gewidmet. Ein Viertel der Befragten wünschte sich längeren Sex, zwei Drittel gaben an, dass mehr als eine Viertel Stunde sinnvoll wäre. Aber offenbar zerschellen die meisten sexuellen Wünsche an den Klippen der Realität.

Andere Studie, andere Resultate

Forscher der Universität Queensland im australischen Brisbane dokumentierten über vier Wochen das Sex-Leben von 500 Paaren. Dabei variierten die Zeiten sexueller Aktivität von 33 Sekunden (klassischer „Quicky“, von englisch: „quick“/schnell, im Sinne eines spontanen sexuellen Geschlechtsverkehrs) bis zu 44 Minuten. Der Durchschnitt lag bei fünf Minuten und 40 Sekunden.

Dass die australischen Studienteilnehmer im Durchschnitt nach einem Viertel der Zeit fertig waren, welche die von „Lovehoney“ Befragten für ihre Triebbefriedigung benötigten, könnte am heißen Klima in „Down Under“ liegen oder schlicht am Fragenkatalog und dessen Methodik.

Blick durchs Schlüsselloch

Unbefriedigte Deutsche

Eine Studie des Kondomherstellers Durex hat ergeben, dass 47 Prozent der Deutschen mit ihrem Sex-Leben ziemlich unzufrieden sind. Mehr als jeder Zehnte ist sogar sehr unzufrieden. Für den Blick durchs Schlüsselloch wurden 1001 Frauen und Männer über 18 Jahren befragt.

Laut Durex bewerten Männer ihr Sexleben positiver als die Frauen. Rund 45 Prozent von ihnen verleihen ihrem Liebesleben die Note gut, bei Frauen sind es knapp über 37 Prozent. „Luft nach oben und unten ist auf jeden Fall vorhanden“, heißt es in der Studie. Immerhin findet einer von fünf Deutschen sein Sex-Leben so richtig klasse, knapp 17 Prozent beschreiben es als eher unbefriedigend.

Knapp 24 Minuten auf den Laken

Die Aktivitäten zwischen den Laken dauern der Durex-Umfrage zufolge durchschnittlich 23 Minuten und 53 Sekunden. Die 18- bis 24-Jährigen aus Deutschland nehmen sich mit 24 Minuten und 55 Sekunden am meisten Zeit. In Brandenburg liegt der Durchschnitt sogar bei 29 Minuten.

Was die Länge des Aktes betrifft, schwärmen deutsche Frauen von 29 Minuten trauter Zweisamkeit, ihre männlichen Partner würden sogar 31 Minuten in die gemeinsame Liebesaktion investieren. Doch offenbar kommt immer irgendetwas dazwischen, so dass Sex im wirklichen Leben meistens kürzer ist als von vielen gewünscht.

Einmal pro Woche reicht

Psychologen der York University in Kanada haben die Daten von 30 000 Amerikanern und ihrem Sexualleben über einen Zeitraum von 40 Jahren untersucht. Das Ergebnis: Bloß kein Stress im Bett!

Einmal Sex pro Woche ist der Studie zufolge für eine glückliche Zweisamkeit völlig ausreichend. Ein Sex-Leben nach dem Motto „Je häufiger, desto besser“ wirke genauso kontraproduktiv wie weniger als einmal wöchentlich.

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