Die Vaihinger wissen das Angebot in den Läden vor Ort zu schätzen. Foto: dpa

Wo kaufen die Menschen im Ort am liebsten ein und wie attraktiv finden sie ihr Stadtteilzentrum? Das ist das Thema einer Online-Umfrage gewesen. Mehr als 650 Haushalte haben sich beteiligt. Das Ergebnis überrascht.

Vaihingen - Die Zahlen sind überraschend. Knapp 70 Prozent besuchen die Ortsmitte mehrmals pro Woche, 90 Prozent mindestens einmal pro Woche. Das sind zwei Ergebnisse einer aktuellen Online-Umfrage unter Anwohnern, Kunden und Besuchern in Vaihingen.

Organisiert wurde diese im Auftrag der Stadtverwaltung von der BBE Handelsberatung in München. Mehr als 650 Haushalte beteiligten sich. Die Umfrage liefert neue Erkenntnisse über das Einkaufsverhalten der Vaihinger. Sie ist Teil einer umfassenden Bürgerbeteiligung. Das Ziel ist es, ein Konzept für eine Wiederbelebung des Vaihinger Marktes zu entwickeln.

Das Angebot in Stuttgart-Vaihingen ist de facto sehr gut

Das zentrale Ergebnis der Studie sei, dass die Befragten den Vaihinger Markt kennen und ihn als attraktiven Einzelhandelsstandort schätzen, heißt es in einer Pressemitteilung der BBE. Bedeutet dies, dass eigentlich alles gar nicht so schlimm ist? Dass der Vaihinger Markt mitnichten eine „Atmosphäre zum Weglaufen“ verbreitet, wie es einst ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung in einer öffentlichen Sitzung des Bezirksbeirats formulierte?

Im Grunde ja, antwortet Markus Wotruba. Der Leiter des Bereichs Standortforschung bei der BBE ergänzt: „Die Zahlen haben uns selbst überrascht. Die Vaihinger verhalten sich ihren Läden gegenüber sehr loyal. Sie zeigen ein eher konservatives Einkaufsverhalten und bevorzugen die Läden in ihrer unmittelbaren Umgebung. Das Angebot in Vaihingen ist aber auch de facto sehr gut.“

Böblingen und Sindelfingen spielen für den Vaihinger kaum eine Rolle

Vor Ort besorgen die Vaihinger fast alle ihre Drogeriewaren und Lebensmittel. Die Kaufkraftbindung beträgt bei diesen Güterklassen etwa 90 Prozent. Bei Baumarktartikeln liegt die Kaufkraftbindung noch immer bei 82 Prozent. „Die Zahlen zeigen, dass die Menschen das stationäre Angebot zu schätzen wissen, und das nicht nur in der Nahversorgung“, sagt Wotruba. Auch Schuhe kaufe der Vaihinger meist vor Ort. Damit entspreche der Außenbezirk schon fast der Idealvorstellung. „Ein Stadtteil sollte eine Kopie der City im Miniaturformat sein. Idealerweise sollte es dort alles geben, was der Mensch braucht“, sagt der Experte.

Wenn der Vaihinger nicht vor Ort einkauft, dann bevorzugt er die Stuttgarter City. „Böblingen und Sindelfingen sind als Einkaufsstandorte weniger relevant als vermutet“, sagt Wotruba. Wenn es diese Bezüge gegeben hätte, wäre diese Abwanderung ein Beweis dafür gewesen, dass die Vaihinger mit ihrem Handelsangebot vor Ort nicht zufrieden sind.

Natürlich kauft der Vaihinger auch online. „Das ist überall so“, sagt Wotruba. Doch das Internet schwanke in seiner Bedeutung für Konsumenten deutlich je nach Güterart. Elektronikartikel kaufe rund ein Drittel online, während der Wert bei Drogeriewaren, Lebensmitteln und Baumarktartikeln je unter einem Prozent liege. Fakt sei aber, dass die Bedeutung der Online-Einkäufe zunehmen werde. Mit dem Konzept für eine Wiederbelebung solle der Vaihinger Markt für die Zukunft optimiert werden, sagt Wotruba.

Es gibt noch immer viel zu tun

„Dass die Menschen aktuell vor Ort einkaufen, heißt nicht, dass es dort nichts zu verbessern gibt“, stellt er klar. Denn in der Vaihinger Ortsmitte würden bereits viele Läden leer stehen. Und viele der aktuell etablierten Einzelhändler seien alt, da stelle sich die Frage der Nachfolge. „Es wird zu Veränderungen kommen. Diese gut zu gestalten, ist Aufgabe der Stadt“, sagt der Experte. Dabei müssten die Bürger einbezogen werden. „Was wollen sie konkret und was wollen sie nicht? Das muss klar sein. Wir wollen die Bürger ja nicht zwangsbeglücken“, sagt Wotruba.

Die Zahlen aus der Online-Befragung sind die Grundlage für die weitere Analyse des Standorts aus verschiedenen Perspektiven. Innerhalb der kommenden sechs Monate soll im Dialog mit allen lokalen Akteuren eine Revitalisierungsstrategie entwickelt und im Anschluss daran umgesetzt werden. „Da liegt noch ganz viel Arbeit vor uns“, sagt Wotruba.

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