Frauen treten offenbar stärker als Männer für eine Umverteilung von Steuern ein. Studien zufolge liegt das allerdings nicht an einem stärker ausgeprägten Sozialverhalten.
Kiel - Frauen verdienen bekanntlich im Durchschnitt weniger als Männer. Da passt es ins Bild, dass sie laut wissenschaftlichen Studien stärker für eine Umverteilung durch Steuern und Sozialleistungen eintreten als das starke Geschlecht. Laut einer neue Studie zeigt sich die Präferenz der Frauen für Umverteilung aber sogar in Experimenten, in denen die finanzielle Ausgangslage für beide Geschlechter gleich ist. Verfügen Frauen also einfach über mehr Gerechtigkeitssinn?
Nein, meint Studienautor Gianluca Grimalda vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Er hat in einem Experiment an acht Universitäten, darunter zwei in Deutschland, gemischtgeschlechtliche Gruppen mit einer fiktiven Einkommensverteilung konfrontiert. Mithilfe der Lösung verschiedener Aufgaben erhielten die Teilnehmer die Chance, ihren individuellen Verdienst zu verbessern.
Schutz für den Fall eines Misserfolgs
Die beteiligten Frauen hätten ihre Kompetenzen niedriger eingeschätzt als die Männer, schreibt Grimalda. Sie träten offenbar für mehr Einkommensverteilung ein, um sich für den Fall eines Misserfolgs gegen niedrige Verdienste zu schützen.
Männer hätten das eigentlich genauso nötig – sie schnitten bei den zu bewältigenden Aufgaben nämlich nicht besser ab. Nur neigten sie eben stärker als die Frauen zu Selbstüberschätzung. „Das männliche Ego braucht keine Umverteilung“, hat das IfW Kiel seine Pressemitteilung über die Studie betitelt.
Der Vorteil der Selbstüberschätzung
Offen bleibt allerdings die Frage, wie die Gesellschaft mit diesem Ergebnis umgehen sollte. Der männliche Hang zur Selbstüberschätzung habe möglicherweise Vorteile, wenn es um Unternehmergeist und riskante Innovationen gehe, schreibt Grimalda in einem Blog für die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). „Sollten wir also lieber doch das Selbstvertrauen von Frauen stärken, selbst wenn dies zulasten des Realitätssinns ginge?“