Chefinnen sind noch immer rar, doch es gibt Ausnahmen: Antje Leminsky ist seit März 2018 Vorstandsvorsitzende beim Finanzdienstleister Grenke mit Sitz in Baden-Baden. Foto: Grenke

Das Stühlerücken in deutschen Chefetagen hat 2018 einer Studie zufolge einen Rekordwert erreicht. Die Wechselquote bei den Chefs stieg auf 20,6 Prozent. Frauen bleiben rar.

München - Die Fluktuation bei Chefs erreichte 2018 sowohl in Deutschland als auch weltweit Höchstwerte, wie die „CEO Success Studie“ von Strategy&, der Strategieberatung von PwC (München) zeigt. In Deutschland standen mit 32 neu besetzten Chefposten, also der Posten des CEO (Chief Executive Officer), besonders viele Wechsel in den 155 untersuchten Unternehmen an. Das entspricht einer Wechselquote von 20,6 Prozent, ein Jahr zuvor lag der Anteil bei 16 Prozent. Fast 69 Prozent der Abgänge waren geplant, drei Prozent durch Übernahmen bedingt, in 28 Prozent der Fälle handelte es sich um ein vorzeitiges Ausscheiden. Für die Studie wurden Veränderungen an der Spitze der 2500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen untersucht.

Krisengeplagte Branchen erhöhen Wechselquote

Im weltweiten Schnitt räumten im vergangenen Jahr 17,5 Prozent der Chefs ihren Posten – und damit weniger als hierzulande. „In Deutschland sind es besonders krisengeplagte Branchen wie die Finanz-, Stahl- und Automobilindustrie, die die CEO-Wechselquote in die Höhe treiben. Nun sollten die neuen und unbelasteten Manager die konsequente Aufarbeitung der jüngsten Skandale oder die dringend notwendige Ausrichtung auf digitale Zukunftsthemen in Kombination mit kostensparenden Restrukturierungsmaßnahmen angehen“, sagt Strategy&-Europachef Peter Gassmann. Vor dem Hintergrund der sich eintrübenden Konjunkturaussichten müsse die zeitgemäße Weiterentwicklung des Geschäftsmodells auf jeder Chefetage Priorität haben.

Deutsche Chefnachfolger sind am jüngsten

Im internationalen Vergleich sind die 2018 nachgefolgten Chefs in Deutschland mit einem Durchschnittsalter von 50 Jahren die jüngsten Unternehmenslenker (global: 53 Jahre). Zudem kamen sie weltweit am häufigsten nicht aus dem Unternehmen, dessen Führung sie übernahmen. 38 Prozent der deutschen CEOs kamen von außen, weltweit waren das nur 17 Prozent.

Was den Frauenanteil angeht, gibt es laut Studie in deutschen Unternehmen „keinen Fortschrittswillen“. Wie schon in den Jahren 2015 bis 2017 hat es auch 2018 nur eine einzige Frau in den 300 in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersuchten Unternehmen in den Chefsessel geschafft. Die Frauenquote sank somit zum vierten Mal in Folge auf nur noch 2,1 Prozent, während der Anteil weiblicher Chefs weltweit von sechs auf 4,9 Prozent zurückging.

Je länger im Amt, desto bessere Ergebnisse

Trotz der vielen Wechsel zeigt eine Sonderanalyse der Jahre 2004 bis 2018, war fast jeder fünfte der weltweit ausscheidenden Unternehmenschefs zehn Jahre oder länger im Amt und erzielte auch bessere finanzielle Ergebnisse. Ihre Nachfolger hatten es eher schwer – sie erreichten schlechtere finanzielle Ergebnisse und mussten ihren Posten im Schnitt nach 5,3 Jahren räumen und dies auch noch häufiger ungeplant als die so genannten Langzeit-CEOs.

„Angesichts der immer höheren globalen CEO-Wechselquoten ist ein Blick auf Langzeit-CEOs besonders interessant. Die herausragenden finanziellen Ergebnisse, die sie im Schnitt erreicht haben, werfen die Frage auf, wie lange ein Manager an der Unternehmensspitze braucht, um seine Pläne erfolgreich umsetzen zu können. Mitunter reicht die aktuell durchschnittliche Verweildauer von global 6,4 Jahren nicht aus, um langfristige strategische Entscheidungen erfolgreich zu implementieren“, sagt Gassmann.

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