Die Forscher verstehen ihre Studie als Anregung für eine Diskussion über das Risikomanagement bei Kindern in der Pandemie, zum Beispiel beim Präsenzunterricht in der Schule und beim Chorsingen (Symbolbild). Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa Foto: dpa

Die Masse von ausgeschiedenen kleinen Schwebeteilchen in die Luft kann das Corona-Ansteckungsrisiko beeinflussen. Die Emissionsraten, so eine Studie, ist in verschiedenen Altersgruppen allerdings unterschiedlich.

Berlin - Grundschulkinder geben einer kleinen Studie zufolge beim Atmen, Sprechen und Singen in Innenräumen deutlich weniger kleine Schwebeteilchen in die Luft ab als Erwachsene.

In der Corona-Pandemie würden Gefährdungsbeurteilungen bisher allerdings auf den Werten von Erwachsenen beruhen, heißt es in einer gemeinsamen Untersuchung der Berliner Charité und der Technischen Universität Berlin.

Die Forscher verstehen ihre Studie als Anregung für eine Diskussion über das Risikomanagement bei Kindern in der Pandemie, zum Beispiel beim Präsenzunterricht in der Schule und beim Chorsingen. Denn die Masse von ausgeschiedenen kleinen Schwebeteilchen in die Luft (Aerosolpartikelemission) kann neben Tröpfcheninfektionen das Ansteckungsrisiko mit dem Sars-CoV-2-Virus beeinflussen.

Für ihre Studie ließen die Wissenschaftler 4 Mädchen und 11 Jungen - alle zwischen 8 und 10 Jahre alt - in einem Reinraum in Schutzanzügen atmen, sprechen, singen und rufen. Alle Kids gehörten zu erfahrenen Berliner Kinderchören. Für das Experiment saßen sie vor der Öffnung eines Glasrohres mit einem eingebauten Laserpartikel-Zähler. Zur Vergleichsgruppe gehörten unter gleichen Bedingungen 8 Frauen und 7 Männer im Alter von 23 bis 64, ebenfalls alles erfahrene Chormitglieder.

Beim Vergleich der Werte zeigten sich bei den Grundschülern für Ruheatmung, Sprechen und Singen signifikant geringere Emissionsraten. Der Faktor zwischen Kindern und Erwachsenen betrug 2,8 bei Ruheatmung, 5,9 beim Sprechen sowie 13,4 beim Singen, heißt es in der Untersuchung. Beim Rufen zeigten sich dagegen keine bemerkenswerten Unterschiede zwischen beiden Gruppen.

Als Erklärung dafür gehen die Wissenschaftler einmal von anatomischen Unterschieden aus. So hätten Kinder kürzere Stimmlippen und zeigten auch weniger Kontaktzeiten der Stimmlippen im Schwingungszyklus. Ein zweiter Grund könnten die geringeren Schallpegel der Kinderstimmen bei mittlerer Lautstärke sein. Für lautes Rufen gilt das dann schon nicht mehr.

Die Charité-Klinik für Audiologie und Phoniatrie untersucht bereits seit längerem Aerosolpartikel-Emissionen bei Atmung, Stimmgebung und beim Singen. Das Hermann-Rietschel-Institut an der TU Berlin forscht unter anderem über die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus in der Raumluft.

© dpa-infocom, dpa:210917-99-258088/2