Depressionen können die Fähigkeit, auf eine gute Art miteinander zu kommunizieren, beeinträchtigen Foto: dpa

Ein Mitgefühlstraining des Universitätsklinikums Heidelberg soll betroffene Paare schulen, im Alltag fürsorglicher miteinander umzugehen. Für das zehnwöchige Training können sich Interessierte fortlaufend anmelden.

Heidelberg - Depressionen gehören nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Der Stiftung zufolge erkrankt jeder fünfte Bundesbürger mindestens einmal im Leben an einer behandlungsbedürftigen Depression – allein in Deutschland sind es etwa 5,3 Millionen Menschen jährlich. Doch nur eine Minderheit erhält eine optimale Behandlung. Und noch seltener werden dabei die Angehörigen des Betroffenen einbezogen. Dabei leiden diese meist sehr darunter, selbst nur wenig ausrichten zu können, wenn es dem Vater, der Tochter oder dem Ehemann nicht gut geht.

Um die Lebensumstände von Paaren zu verbessern, bei denen die Partnerin unter Depressionen leidet, haben Wissenschaftler des Instituts für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Heidelberg eine Studie entworfen. Das Programm mit dem Namen Cognitively-based Compassion Training (CBCT) ist ein achtsamkeits- und mitgefühlsbasierter Ansatz mit Einzel- und Partnerübungen.

Das Wohlbefinden hängt auch von dem des Partners ab

„Die Forschung zeigt, dass Depressionen die Fähigkeit, auf eine gute Art miteinander zu kommunizieren, und sich in andere hineinzuversetzen, beeinträchtigen können“, sagt Corina Aguilar-Raab, die gemeinsam mit Marco Warth die Studie leitet. Darunter könne auch die Paarbeziehung leiden.

Für erwachsene Menschen sei eine solche Beziehung im Grunde der wichtigste soziale Austausch, sagt die Wissenschaftlerin. Daher hänge das eigene Wohlbefinden auch von dem des Partners ab. „Wenn eine Partnerschaft gut gelingt, basiert das in der Regel unter anderem darauf, dass die Partner gut miteinander kommunizieren“, sagt Aguilar-Raab.

An dieser Stelle setzt das CBCT an: Das Mitgefühlstraining soll dafür sorgen, dass Paare im Alltag fürsorglicher miteinander umgehen. Es basiert auf sechs Modulen, bei denen zunächst die Achtsamkeit geschultwird – zum Beispiel, indem diese auf den Atem gelenkt wird. Später geht es darum, Mitgefühl zu sich selbst und zu anderen zu entwickeln, Wertschätzung und Zuneigung zu zeigen. „Die Frage ist: Wie kann ich mich in einen anderen hineinfühlen?“, so Aguilar-Raab. „Und das insbesondere verbunden mit dem Wunsch, an dem leidvollen Zustand des anderen etwas verändern zu wollen.“ Das soll das CBCT Betroffenen beibringen.

Für das zehnwöchige Training können sich Interessierte fortlaufend anmelden. Teilnehmen können Paare ab einem Alter von 20 Jahren, die sich seit mindestens zwei Jahren in einer festen heterosexuellen Partnerschaft befinden. Die Teilnahmegebühren übernimmt in diesem Fall das Institut für Medizinische Psychologie.

Anmeldungen per E-Mail nimmt das Team von Corina Aguilar-Raab entgegen unter: Projekt.CBCT@med.uni-heidelberg.de
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