Die Studentin Veronika Hepperle träumt von einem Zimmer im Möhringer Wohnheim. Ihr Anreiseweg zur Hohenheimer Universität würde sich drastisch verkürzen Foto:  

Die Studentin Veronika Hepperle erzählt vom Frust bei der Wohnungssuche in Stuttgart. Die Studierendenwerke Stuttgart und Tübingen-Hohenheim verweisen derweil auf den Bau neuer Heime.

Filder - Viele ihrer Freunde würden sagen, dass sie auf hohem Niveau klage, meint Veronika Hepperle. Die 20-jährige Studentin der Lebensmittelchemie studiert an den Universitäten in Vaihingen und Hohenheim. Einige ihrer Kommilitonen verstünden nicht, warum Hepperle nicht zufrieden sei mit ihrem Zimmer in einem Wohnheim im Stuttgarter Norden und sich ohne schiere Not der frustrierenden Wohnungssuche aussetze, erzählt sie. „Ich brauche aber nach Hohenheim mindestens eine Stunde von meinem Wohnort. Das ist auf Dauer eine ziemlich stressige Situation“, sagt Hepperle. Gerade im Winter, wenn es früh dunkel wird, sei es ihr unangenehm, wenn sie lange mit der Bahn unterwegs sei, sagt sie.

Die Studentin wollte nicht länger nur über ihre Lage klagen und hat deshalb zu Beginn des Sommersemesters im April mit der Suche nach einem neuen WG-Zimmer begonnen. Sie probierte, über das Studierendenwerk etwas im Möhringer Wohnheim zu bekommen – bis jetzt vergeblich. Doch auf dem freien Wohnungsmarkt sah es für sie nicht besser aus. Hepperle muss sich an einem begrenzten Budget orientieren. „Ich beziehe Bafög und kann mir nur maximal einen Zimmerpreis von 350 Euro leisten“, sagt sie. In dieser Kategorie würden Zimmer auf den Internetportalen in der Regel nur eine halbe Stunde angeboten, sagt sie. „Dann nehmen die Anbieter die Anzeige wieder raus, weil es viel zu viele Interessenten gibt“, sagt sie.

Trotz vieler E-Mails, die sie an diverse Anbieter von Zimmern geschickt hat, sei sie nur einmal zu einem Besichtigungstermin eingeladen worden. „Das war gemeinsam mit einer Freundin. Wir waren schon skeptisch, als wir hingegangen sind“, sagt sie. Die Zimmer in der WG bekamen dann andere, die sich vielleicht besser präsentieren konnten. Hepperle berichtet von „Bewerbungen“, die sie für ein WG-Zimmer schreiben muss, und von „Vorstellungsgesprächen“, die an ein Casting auf dem WG-Sofa denken lassen. Ganz so, als ginge es um den ersten Job nach dem Studium, nicht darum, Küche und Bad miteinander zu teilen. Die Masse an Wohnungssuchenden führe dazu, dass der Einzelne gar nicht mehr durchschaue, warum jemand letztlich ein Zimmer bekomme, meint Hepperle. „Das ist schon ziemlich niederschmetternd“, sagt die Stuttgarter Studentin.

Interessen müssen sich „bewerben“

Die Studierendenwerke Stuttgart und Hohenheim-Tübingen können der 20-Jährigen nur wenig Hoffnung auf eine Trendwende machen. In Vaihingen und Möhringen stehen laut Informationen des Studierendenwerks Stuttgart derzeit 1159 Personen auf einer Warteliste.

Immerhin sei die Zahl der offenen Bewerbungen zu diesem Herbstsemester geringer als im vergangenen, teilt Simone Hübener, Sprecherin des Stuttgarter Studierendenwerks mit. In Stuttgart sei die Wohnanlage Rosensteinstraße mit 346 Plätzen hinzugekommen, sagt sie. In Vaihingen sollen Studenten 2019 in ein neues Wohnheim auf dem Campus ziehen – später als ursprünglich geplant.

Studierendenwerk bietet Notunterkunft an

Nicole Lang verweist darauf, dass das Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim mit dem Spatenstich zu einem neuen Wohnheim mit 253 Plätzen an der Egilolfstraße einiges tue, um dem Bedarf an Zimmern für Studierende nachzukommen. Insgesamt sei es aber nicht einfach, in Stuttgart Platz zu finden, um neue Wohnheime zu bauen, meint sie. Derzeit zählt das Studierendenwerk noch 415 Bewerber auf der Warteliste. „Das ist also noch ein laufender Prozess“, sagt Lang. Sie versichert, dass auch in diesem Jahr wieder eine Notunterkunft für Hohenheimer Erstsemester eingerichtet wird, die bisher bei der Wohnungssuche nicht fündig geworden sind.

Veronika Hepperle kennt den Fall einer Freundin, die tatsächlich ohne Bleibe ihr Studium begonnen hat. „Sie hat mal bei Freunden auf der Couch übernachtet oder ist mal für ein oder zwei Wochen zur Zwischenmiete untergekommen. Genaugenommen war sie obdachlos“, sagt sie. Immerhin hatte die Geschichte ein gutes Ende: Nach langer Suche habe die Freundin schließlich ein WG-Zimmer gefunden, erzählt Hepperle. Sie hofft, dass es ihr ähnlich ergehen wird.

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