Durch die veränderte Angebotslage steigen die Ansprüche der Mieter, die der Vermieter sinken indessen. Foto: Symbolbild dpa/Matthias Balk

Corona hat nicht nur das öffentliche Leben lahmgelegt, sondern auch die Präsenzlehre an den Hochschulen. Das ist auf dem Wohnungsmarkt deutlich zu spüren, wie ein Beispiel aus Stuttgart-Vaihingen zeigt.

Vaihingen/Stuttgart - Es ist genau umgekehrt: Die Mitbewohner können sich jetzt die WG aussuchen.“ Eine 25-jährige Absolventin der Hochschule der Medien ist seit knapp drei Monaten auf der Suche nach einem neuen Mitbewohner. Bisher erfolglos. „Vor zwei Jahren habe ich in genau dem gleichen Zeitraum einen neuen Mitbewohner gesucht und hatte die volle Auswahl, da kamen unendlich viele Anfragen“, erzählt sie. Nun sei sie diejenige, die Wohnungssuchende anschreibt und ihr freies Zimmer anbietet. „Es ist extrem schwer zurzeit“, sagt sie.

Die Zweier-WG der jungen Frau liegt in der Nähe des Vaihinger Unicampus. Dort ist nun seit zwei Semestern deutlich weniger los als sonst – viele Vorlesungen sind seit der Coronapandemie ins Virtuelle verlegt worden. Das gibt Studenten die Chance, zu Hause bei den Eltern zu bleiben und sich das Geld für ein WG-Zimmer zu sparen. Diesen Trend beobachtet auch das Studierendenwerk. Die Nachfrage nach Wohnheimplätzen sei sowohl vor dem aktuellen Wintersemester als auch nun vor dem bevorstehenden Sommersemester geringer als sonst, sagt die Sprecherin Anita Bauer.

Mittlerweile sind alle Wohnheimplätze belegt

In Stuttgart-Vaihingen, der Stuttgarter Stadtmitte und Ludwigsburg sind mittlerweile zwar alle Wohnheimplätze des Studierendenwerks belegt. In Esslingen gibt es aber immer noch freie Zimmer. „Diese Plätze werden regulär von internationalen Studierenden aus Austauschprogrammen belegt, die Programme finden jedoch dieses Semester nicht statt“, sagt Bauer.

Für diejenigen, die zum laufenden Wintersemester dennoch einen Wohnheimplatz wollten, war das Prozedere deutlich einfacher als sonst. „Gerade zum Wintersemester ist die Nachfrage regulär sehr hoch, da dann die meisten Studiengänge beginnen und entsprechend viele Erstsemester auf Wohnungssuche sind“, sagt Anita Bauer. Auf ein Zimmer muss man dann schon einmal sechs bis acht Monate warten. Für die flexible Wohnungssuche ist diese Wartezeit nun komplett weggefallen.

Anfragen nach besseren Zimmern haben leicht zugenommen

Das wirkt sich auch auf die Ansprüche der Mieter aus. Früher habe das Studierendenwerk ab und an Anfragen bekommen, ob man sein Zimmer gegen ein helleres oder größeres tauschen könnte. „Gefühlt haben diese Anfragen etwas zugenommen, jedoch können wir das nicht mit Zahlen belegen oder eine Verbindung herstellen, dass die Coronasituation dazu beiträgt“, sagt Bauer.

Während seitens der Mieter die Ansprüche zu steigen scheinen, sinken sie seitens der Vermieter. „Eigentlich wollte mein Vermieter eine Mieterhöhung machen“, erzählt die Studentin aus Stuttgart-Vaihingen, die einen Mitbewohner sucht, „aber mittlerweile ist er sogar mit dem Preis runtergegangen, weil ich niemanden finde“. Langsam würden auch ihre persönlichen Ansprüche an einen neuen Mitbewohner sinken, gibt sie zu. Denn die Zeit drängt – eigentlich müsste sie bis zum 1. März jemanden finden.

Die Suche nach Mitbewohnern kostet viel Zeit

„Es kostet halt auch viel Zeit“, erzählt sie, „ich habe viele Skype-Gespräche und zwei Leute waren danach vor Ort hier“. Denen habe sie zugesagt, aber oft kommt nicht einmal mehr eine Antwort. „Die haben jetzt eben die freie Auswahl an WG-Zimmern“, sagt die junge Frau. Sie habe das Gefühl, dass zurzeit hauptsächlich Berufstätige und keine Studenten auf Wohnungssuche seien – eben weil kaum Präsenzunterricht an den Unis sei. „Und Berufstätige wollen eher nicht in ein kleines WG-Zimmer ziehen“, sagt sie.

Bis zum 1. März wird sie nun weitersuchen und die wenigen Anfragen beantworten, die sie bekommt. „Danach werde ich die Suche wahrscheinlich an den Vermieter zurückgeben, wenn ich niemanden gefunden habe“, sagt sie.

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