Auf der Straße geriert sich OB Boris Palmer als Tübingens oberster Polizist, auf Facebook wettert er gegen das heruntergekommene Berlin und postet Flüchtlingsstraftaten. Albern sei das, finden Studenten der örtlichen Uni. Jetzt rappen sie sich ihren Ärger von der Seele.

Tübingen - Als ehemaliger Waldorfschüler kann der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) natürlich jederzeit fehlerfrei seinen Namen tanzen. Mit dem neuen Palmer-Rap, den Studenten der Tübinger Universität jetzt bei Youtube und Instagram hochgeladen haben, müsste das künftig aber auch all jenen gelingen, die keine Eurythmie-Schläppchen im Schuhregal haben.

„Tanz den Boris Palmer“ heißt der Song. Ähnlichkeiten mit dem 35 Jahre alten Elektro-Klassiker „Tanz den Mussolini“ der Band „Deutsch-Amerikanische Freundschaft“ (DAF) seien nicht unbeabsichtigt, gibt der Songschreiber Yannic Gölz zu. Im bürgerlichen Leben studiert der 22-Jährige internationale Literatur, bei Instagram firmiert er unter seinem Künstlernamen 10faced. DAF kam damals von Italiens Diktator über Adolf Hitler und den Kommunismus bis zu Jesus Christus. Ähnlich albern und geschmacklos gehe es auf Palmers Facebook-Seite zu, findet 10faced. Als „Leiter der Polizei“, „grüne CSU“ und „achter BTS“, also als Mitglied einer über die sozialen Netzwerke rekrutierten südkoreanischen Boygroup, stellt er den OB mit dem schnellen Facebook-Finger vor. Palmer poste alles, Hauptsache es gehe um Flüchtlinge. „Die Hände hoch für S-Bahn und Alltagsrassismus.“

Tübingen ist clean

Musikalisch kommt der Palmer-Rap ein wenig freundlicher daher als die DAF-Vorlage, was bei einer Stadt wie Tübingen ja nicht anders zu erwarten ist. Über einem Makarena-Rhythmus hat 10faced seine beziehungsreichen Zeilen gesetzt: „Im Niemandsland von Deutschland gibt’s ne Stadt, die ist so clean. So sicher und so sauber, nicht so’n Drecksloch wie Berlin“, heißt es da. Dazu tanzen Yannics Kommilitonen in bunten Klamotten auf dem Tübinger Schloss und durch die Altstadtgassen oder schunkeln auf den Stufen vor der Stiftskirche.

Bekanntlich hatte sich Palmer auf Facebook mehrfach abfällig über die Verhältnisse in der Hauptstadt geäußert. Überhaupt ließen sich die Studenten von Palmer inspirieren. Der OB war vor Monaten heimlich dabei gefilmt worden, wie er bei einem Tübinger Straßenfest im grünen Hemd und mit Jackett über dem Arm als exzentrischer Tänzer einsam vor der Bühne herumhüpfte. Das Video wurde massenhaft geklickt.

Und was macht Boris Palmer?

Auf einen ähnlichen Erfolg hoffen jetzt die Macher des Palmer-Raps. Am besten, der OB teile das Musikvideo auf seiner Facebook-Seite, heißt es im Song unverblümt. Vermutlich wird es Palmer nicht lassen können. Bisher warten sie darauf allerdings noch vergeblich. Und so dümpelt das Video momentan bei wenigen hundert Aufrufen herum. Immerhin: das Echo der Nutzer ist positiv. 45 „Likes“ und nur ein „Dislike“ setzten die Zuseher bei Youtube. Letzteres stamme wohl von Palmer selbst, vermutet ein Kommentator. Vielleicht hätte man mehr Flüchtlinge im Liedtext unterbringen müssen.

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