Nach dem Stromausfall in Spanien und Portugal gibt TransnetBW Entwarnung für Baden-Württemberg. Warum ein Blackout bei uns unwahrscheinlich ist.
Ein massiver Stromausfall wie in Spanien und Portugal ist in Baden-Württemberg nach Angaben des verantwortlichen Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW nicht zu befürchten. „Die Stromversorgung bei uns war und ist nicht beeinträchtigt“, sagte eine TransnetBW-Sprecherin am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion. „Unser Netz ist sehr stabil und darauf vorbereitet, auch ungewöhnliche Situationen wie gestern abzufedern“, fügte die Sprecherin hinzu. Die EnBW-Tochter Transnet-BW verantwortet das Höchstspannungsnetz in Baden-Württemberg.
Wenn es wie am Montag in Spanien und Portugal zu Problemen komme, greifen bei den vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW automatisch mehrere Schutzmechanismen. So stünden Kraftwerke und Speicher bereit, „die in Sekundenbruchteilen mehr oder weniger Strom liefern können, um Schwankungen sofort auszugleichen.“ Zudem könnten bei Bedarf Reservekraftwerke zugeschaltet werden. TransnetBW: „Unser Netz erkennt Unregelmäßigkeiten selbst und trennt notfalls einzelne Bereiche ab, damit größere Störungen verhindert werden.“
Netzagentur: Deutschland auf Stromausfall gut vorbereitet
Entwarnung gibt es auch von der Bundesnetzagentur: „Ein großflächiger, lang anhaltender Blackout ist in Deutschland unwahrscheinlich“, teilte die Behörde in Bonn mit. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, bekräftigte noch am Montagabend in der „ARD-Tagesschau“, dass ein solcher Fall „sehr unwahrscheinlich“ sei und in Deutschland auch so noch nicht vorgekommen sei. Das deutsche Stromnetz sei redundant ausgelegt. Konkret bedeute das, dass eine Leitung immer ausfallen könne und eine andere Leitung einspringen würde.
Das europäische Verbundnetz ist eines der größten zusammenhängenden Stromnetze der Welt. Fast ganz Europa ist darüber miteinander verbunden – von Portugal bis Polen, von Dänemark bis Italien. Der große Vorteil: Länder können sich gegenseitig mit Strom aushelfen, wenn irgendwo zu viel oder zu wenig Energie vorhanden ist. Damit das funktioniert, muss die sogenannte Frequenz – also der „Takt“ im Stromnetz – überall möglichst genau bei 50 Hertz bleiben, wie TransnetBW erklärt.
Faeser für besseren Schutz in Deutschland
In der Folge des Frequenzeinbruchs in Spanien und Portugal trennten sich beide Länder vom restlichen Verbundnetz und mussten den Netzwiederaufbau eigenständig leisten. Die europäischen Übertragungsnetzbetreiber haben in enger Zusammenarbeit die Netzsituation überwacht und die Wiederherstellung des vollständigen Verbundbetriebs, also die Synchronisierung der Netze in Spanien und Portugal mit dem restlichen europäischen Netz, vorbereitet.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) forderte indes einen besseren Schutz der kritischen Infrastruktur in Deutschland. Der Stromausfall auf der iberischen Halbinsel habe zwar keine Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Deutschland gehabt, sagte Faeser dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) laut Angaben vom Dienstag. „Trotzdem gilt es, alle Erkenntnisse aus derartigen Ereignissen zu nutzen, um auch in Deutschland weiter für ein Höchstmaß an Sicherheit kritischer Infrastrukturen wie der Energieversorgung zu sorgen.“