Der erste Strohländle-Samstag: Viva La Vida spielen, die Besucherinnen und Besucher haben Spaß. Doch drum herum gibt es Unstimmigkeiten. Foto: Simon Granville

Zum Leonberger Strohländle fahren keine Pendelbusse, auch die Parkhäuser dürfen nicht kostenlos genutzt werden. Der Veranstalter ist sauer, die Stadt sieht es anders.

Es hätte ein schöner Abend beim Leonberger Strohländle werden sollen. Am Samstag spielte die Coldplay-Tributeband Viva La Vida unterm Engelbergturm. Auch das Wetter spielte doch noch mit – was sollte sowohl für die zahlreichen Besucher als auch für den routinierten Veranstalter Johannes Leichtle also groß schiefgehen? Die Antwort: so einiges.

 

Böse Überraschung nach der Rückkehr ins Parkhaus

Denn nicht wenige Gäste erlebten eine böse Überraschung. Und zwar nicht auf dem Engelberg selbst, wo alles soweit in geregelten Bahnen verlief. Ort des Geschehens war das Parkhaus am Leonberger Bahnhof. Dort klemmten am späten Samstagabend unter den Scheibenwischern vieler Autos Strafzettel der Stadtwerke. 30 Euro sollen die Halter entrichten, weil die Parkscheine fehlten.

Nicht das einzige Ärgernis: Schon am späten Nachmittag mussten einige Menschen feststellen, dass vom angekündigten Shuttlebus zum Engelberg jede Spur fehlte. Also bildete man Fahrgemeinschaften oder nutzte die regulären, nicht kostenfreien Busse.

Die Sache ist nur: Im Programmheft wurde explizit damit geworben. Parken in den Parkhäusern am Bahnhof und in der Altstadt solle samstags von 17 bis 24 Uhr kostenlos sein. Alle 15 Minuten sollte ein kostenloser Bus verkehren. Auf der Seite der Ankündigung prangt groß das Logo der Stadtwerke.

Was ist schiefgelaufen? „Am 18. Juli haben wir ein Angebot vom Geschäftsführer der Stadtwerke erhalten“, gibt Johannes Leichtle zu Protokoll. Angefragt habe er Anfang des Monats. Dieses Angebot habe er eineinhalb Stunden nach Eingang beantwortet und angenommen. „Wir würden all das ja nicht in das Programmheft schreiben, wenn wir nicht sicher wären. “ Leichtle wisse nicht, welcher Teil dabei missverständlich gewesen sein könnte. Laut seiner Aussage habe er am 29. Juli erfahren, „dass es möglicherweise keinen Shuttlebus gibt“. Am vergangenen Freitag, dem Eröffnungstag des Strohländle, habe ihn schließlich um 18.01 Uhr das Busunternehmen mitgeteilt, dass es nicht dazu kommen wird.

Voll: Der Strohländle-Parkplatz am Samstag. Foto: Simon Granville

Fünf Jahre lang sei das Arrangement mit kostenlosem Parken und Shuttlebus problemlos gelaufen. „Wir stehen aktuell im Kontakt mit der Stadtwerke-Geschäftsführung“, so Leichtle, der den Ausfall zuvor noch kurzfristig über Strohländle-Kanäle in den Sozialen Medien verkündete – damit naturgemäß jedoch nicht alle erreichte.

Auf Nachfrage nehmen die Stadtwerke Leonberg in Person von Geschäftsführer Frank Mildenberger Stellung. Man bedauere die Unannehmlichkeiten und entschuldige sich für etwaige Missverständnisse. „Die Stadtwerke wurden leider nicht frühzeitig in die Planungen dieses Events eingebunden.“ Eine erste telefonische Kontaktaufnahme durch den Veranstalter sei bereits Anfang Juli erfolgt. „Jedoch blieben die Rückrufe unbeantwortet.“ Die erneute Kontaktaufnahme 13 Tage vor Veranstaltungsbeginn sei für eine ordnungsgemäße Planung und behördliche Genehmigungen unzureichend gewesen. So habe auch das Busunternehmen aufgrund der kurzfristigen Beauftragung für das erste Wochenende keine Genehmigung mehr erlangen können.

Stadtwerke weisen jede Schuld von sich

Die Stadtwerke „zeigten sich stets kooperativ und bemühten sich kontinuierlich um konstruktive Lösungen – welche leider vor dem Hintergrund von wenig lösungsorientiertem Verhalten durch den Veranstalter erschwert wurden“. Bestehende Vereinbarungen zum Pendelverkehr und Parkraum aus der Vergangenheit seien laut Mildenberger vorhanden, jedoch „unzureichend dokumentiert und teilweise interpretierbar“. Diese müssten jährlich überprüft werden. Dies mache eine entsprechende Abstimmung trotz Vereinbarungen notwendig. Diese sei seitens des Veranstalters unterblieben. „Auch wiederholte Rückfragen blieben unbeantwortet.“

Die Stadtwerke hätten zudem erst nachträglich erfahren, welche Leistungen – einschließlich der Verwendung des Logos und dazugehörigen Texten der Stadtwerke – ohne vorherige Abstimmung in den Werbematerialien publiziert wurden. Den Programmablauf und die beworbenen Konditionen habe man erst aus der Presse entnommen. „Das ist sehr bedauerlich und unverantwortbar“, so Mildenberger, der seinerseits von „erheblichen Planungsversäumnissen seitens des Veranstalters“ spricht.

Stadtwerke stornieren die verteilten Strafzettel

Immerhin: Aus Kulanz werden die Stadtwerke die am vergangenen Wochenende ausgestellten Strafzettel in den Parkhäusern im Zusammenhang mit dem Strohländle stornieren.

Aufgrund der fehlenden Shuttlebusse reisten am Samstag nun mehr Menschen mit dem Auto an, was rund um die Festwiese am Engelberg zum erwartbaren Fahrzeug-Andrang führte – was auch kontrolliert wurde. „Grundsätzlich wird die Stadtverwaltung während der Veranstaltung regelmäßig die Einhaltung der Parkvorschriften überwachen“, gibt Theresa Stiller von der Pressestelle der Stadt an. Dies betreffe insbesondere die Freihaltung von Not- und Rettungswegen sowie den Schutz von Grünflächen. „Hinsichtlich der Flächen um den Engelberg herum sind der Stadtverwaltung für den betreffenden Tag keine eingeleiteten Verfahren bekannt.“

Dass der offizielle Parkplatz nahe des Festgeländes überhaupt geöffnet werden konnte, stand lange auf der Kippe. „Weil es am Samstag dann aber nicht mehr geregnet hat – und weil wir wussten, dass die Busse ausfallen – haben wir ihn doch geöffnet“, so Leichtle.