Eine blond, eine brünett: Die Sängerinnen von Dancing Dream in ihren ABBA-Kostümen auf der Strohländle-Bühne. Foto: Simon Granville

Zum Abschluss von vier Wochen Strohländle sorgen Dancing Dream für einen Party-Höhepunkt. Die beteiligten Gastronomen geben auch noch mal alles.

Oben von der Spitze des Engelbergs tönt Musik herunter an die Stuttgarter Straße. Dancing Dream, die ABBA-Tribute-Band, die am Abend auftreten soll, ist gerade beim Soundcheck. Es ist das Abschlusswochenende des Strohländles auf der Engelbergwiese nach vier Wochen mit Konzerten, Lesungen und vielen anderen Veranstaltungen.

 

Es ist kurz vor 18 Uhr. An der Einfahrt zur Straße hoch Richtung Engelbergturm steht eine kleine Autoschlange. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts lässt sie nach und nach hochfahren, bis ein anderer das Zeichen gibt: Die Parkplätze oben sind voll. Mit etwas Enttäuschung darüber, doch zu spät dran zu sein, aber Verständnis für die Lage, ziehen zwei Autofahrer weiter. In den Vorjahren hatte es öfter Parkchaos während des Strohländles gegeben.

Aus den umliegenden Straßen kommen immer mehr Menschen und steigen den Berg hoch. Manche haben Klappstühle dabei, eine Familie eine Picknickdecke.

Ohne die Pendelbusse wäre es schwierig

„Wir sind mit dem Shuttlebus gekommen“, berichten drei Frauen Anfang 60. Das habe wunderbar geklappt. „Im Parkhaus am Bahnhof waren auch noch Plätze frei“, sagt eine von ihnen. Eine andere ergänzt: „Zum Glück haben sie sich mit den Stadtwerken geeinigt. Ohne die Pendelbusse wäre es das reinste Chaos.“

Am ersten Strohländle-Wochenende hatte es keinen Shuttlebus vom Bahnhof zum Engelberg und zurück gegeben. Veranstalter Johannes Leichtle und der Geschäftsführer der Stadtwerke Leonberg, Frank Mildenberger, hatten öffentlich darüber gestritten, wer für den Ausfall die Verantwortung trägt. Doch schon am zweiten Wochenende fuhr der Pendelbus, betrieben von der Firma Kappus aus Warmbronn, wieder.

Das Veranstaltungsgelände füllt sich langsam. Die Biertischgarnituren, die am Montag bei der Lesung von Tübingens OB Boris Palmer noch vor der Bühne standen, sind nun nach hinten und die Seite gerückt. Klar, bei einer richtigen ABBA-Party braucht es schließlich auch eine Tanzfläche.

Mehr Auswahl beim Essen

Für Anette und Heinz Jäger sind die letzten ruhigen Minuten des Abends angebrochen. Die Wirte des Murphy’s Law Irish Pub in der Altstadt bewirtschaften seit vier Wochen zum ersten Mal einen Essensstand auf dem Strohländle, neben Maultaschen und Wurstsalat gibt es Flammkuchen. „An einem gut besuchten Abend wie heute gehen etwa 300 Essen über die Theke“, bilanziert Heinz Jäger.

Seit fünfeinhalb Jahren betreibt das Paar das Irish Pub im Graf-Ulrich-Haus, davor arbeiteten sie im Blauen Engel, der Anettes Eltern gehörte. „Wir haben im Sommer schon gemerkt, wenn Strohländle ist“, sagt Anette Jäger. Zwar sei in den Sommerferien ohnehin weniger los. „Aber wenn dann mal schlechtes Wetter war, sind plötzlich alle vom Berg in die Kneipen der Altstadt geflüchtet.“

Wie sind sie dann selbst hoch auf den Engelberg gekommen? „Wir kennen Johannes Leichtle schon ewig. Und er wollte das Gastrokonzept eben umstellen“, berichtet sie. Dazu ist das Paar bereits seit mehr als sieben Jahren beim Strandsommer in Weil der Stadt dabei. Mit Auf- und Abbau bedeutet das für die beiden: neun Wochen arbeiten am Stück, jeden Tag. „Wir leben und lieben Gastro. Wenn man keinen Bock drauf hat, sollte man es lassen“, sagt Anette Jäger dazu.

Der Engelberg tanzt

Doch Bock haben die Jägers und begeben sich in ihren Verkaufsstand zurück, wo bereits zwei Mitarbeiter die Gäste bedienen. Von Minute zu Minute wächst die Schlange. Die meisten wollen essen, bevor der Auftritt der ABBA-Tribute-Band beginnt. Manche Besucher haben sich stilecht in Schlaghosen und bunte Polyester-Blusen geworfen.

Mit einer balladesken Version von „I have a dream“ betritt die Coverband aus Italien schließlich die Bühne, um nach weniger als einer Minute in den Turbogang zu wechseln und mit „Waterloo“ den größten ABBA-Hit zu schmettern. Bis spät in den Abend schunkeln mehrere Tausend Besucher zu den größten Hits der Schweden, manch einer tanzt, fast jeder singt textsicher mit. ABBA trifft einen breiten Geschmack, doch viele wollen sich auch einfach das letzte Wochenende des Strohländles nicht entgehen lassen. Auch das Wetter spielte mit.

Zwei Zwischenfälle trübten den Abend: Kurz vor Ende des Auftritts kollabierte ein Besucher direkt vor der Bühne. Das Konzert wurde daraufhin unterbrochen. Die medizinischen Kräfte des Roten Kreuzes, die Sanitätsdienst hatten, versorgten den Mann. Kurze Zeit später brach eine weitere Person zusammen, die ebenfalls versorgt wurde.

Das Publikum indes verhielt sich vorbildlich und machte den Sanitätern unverzüglich Platz. Und so konnte nach einer Pause der Auftritt von Dancing Dream weitergehen.