Mit Tortis Kitchen hat sich Thorsten Nufer einen Traum verwirklicht. Der gelernte Koch kombiniert Qualitätsanspruch und schnelle Zubereitung in eine Dose.
Ein Gast und ein Einzelhändler. Was wäre gewesen, wenn Thorsten Nufer diesen beiden Menschen nicht begegnet wäre? Müßig darüber nachzudenken, Thorsten Nufer, Koch und Geschäftsmann, freut sich heute schlicht darüber, dass er diesen beiden Menschen begegnet ist. Beide hatten an den Koch und dessen Produktidee geglaubt: Schnelles Essen, das dem Anspruch an ein Restaurantessen genügen würde. Unter dem Produktnamen „Tortis Kitchen“, verkauft Nufer unter anderem Putengeschnetzeltes in fruchtiger Currysauce, Sauerbraten in Bratensoße, Rotes Thai Curry wahlweise mit Huhn oder Tofu, Schweinebäckchen, Rinderroulade, vegane Bolognese. Was sich wie die ein Auszug aus der Speisekarte eines Restaurants liest, kommt bei Nufer aus der Dose. Der Produktname leitet sich von seinem Spitznamen ab.
Nufer hatte ein gut gehendes Restaurant verantwortet. In den Ratsstuben in Weissach bot der gelernte Koch „gut bürgerliche schwäbische Küche mit Akzent“.
130 Innenplätze, 60 im Außenbereich, drei Veranstaltungsräume auf zwei Etagen, ein Team mit zehn Angestellten, ein Sternekoch – „das Konzept ging auf“, sagt Nufer. „Es lief super. Bis Corona kam.“ Die Gastro lag weitgehend brach, eine der beiden Küchen nutzte Nufer fortan, um an einer seinem lang gehegten Traum zu arbeiten, hochwertiges, fertig zubereitetes Essen aus der Dose anzubieten. Ein langjähriger Stammgast glaubte an ihn unterstützte ihn finanziell.
Die Mahlzeit muss dem Anspruch des gelernten Kochs genügen
Für den Einkauf frischer Lebensmittel hat es zeitlich nicht gereicht – aber gut essen will man dennoch? Der Koch wollte eine Lösung bieten. Für das Anrichten auf dem Teller würde er dann nicht mehr zuständig sein – aber die Qualität der Mahlzeit würde er beeinflussen können, war er sich sicher. Der Kunde sollte nichts mehr machen müssen. Aber nach Dosenessen sollte es weder riechen noch schmecken und ohne Chemie sollte es auch sein. Nufer sondierte den Markt. Manche Produkte ließen den Profi ratlos zurück. „Ich habe nicht verstanden, wie man so etwas essen kann.“
Es war ein Ausprobieren, ein Fortentwickeln. Allein schon das Problem mit der Soße: Würde der Kunde das Essen erwärmen, sollte die Soße nicht zu wässrig sein, aber eben auch nicht zu dickflüssig. Wie aber musste dafür die Konsistenz aussehen, ehe es in die Dose gefüllt würde? „Es sollte schmecken wie bei Mama, als ob sie zuhause gekocht hätte.“
Die Idee von der Konserve nimmt Fahrt auf
Als die Gastronomie nach der Pandemie wieder Fahrt aufnahm, musste sich der Mann, der in Korntal aufgewachsen war, entscheiden. Er kehrte dem Restaurantbetrieb den Rücken; zumal sich auch die Lebensmittelpreise – insbesondere jene für Fleisch – „krass entwickelt hatten“. Nufer musste aber weiterhin Geld verdienen, seine Dosenproduktion trug ihn noch nicht, zumal er auch keine Produktionsstätte mehr hatte. Frühere Kontakte halfen ihm in dieser Situation, er arbeitete fortan in Teilzeit in der Metzgerei, den anderen Teil des Tages hatte er Zeit, an seiner Idee weiterzuarbeiten.
„Vormittags habe ich den Mittagstisch gekocht, nachmittags Konserven der Metzgerei hergestellt“, seine eigenen Produkte standen hinten an. Weitere Aufgaben kamen hinzu, Partyservice und Catering – wieder wurde die Zeit knapp, um die eigenen Produkte voranzubringen. Der Zufall wollte es, dass der heute 35-Jährige auf die leer stehenden Räume im Leonberger Gebiet Ramtel aufmerksam wurde. Für Nufer ideal, um zugleich einen Feinkostladen zu etablieren. Im Frühsommer war es dann soweit.
Seine Verwandtschaft hilft heute mit im Hintergrund. Für die Produkte, die nicht aus seiner Küche stammen, aber im Laden angeboten werden, arbeitet er mit Unternehmen, Lieferanten, Produzenten seines Vertrauens zusammen. Für den Kastanienhonig zum Beispiel mit einem Imker aus Stuttgart. Gleichwohl vertreibt er seine Dosen auch über den Einzelhandel. Er hatte lange in Korntal gelebt, der Edeka-Chef dort gab ihm als erster eine Chance, nahm die Produkte im Sortiment auf. Inzwischen gehen die Überlegungen weiter, Suppen und Soßen nicht in der Büchse zu vermarkten.
Nufer kommt zugute, was er über all die Jahre gelernt hatte. Mit 16 hatte er eine Ausbildung begonnen, lernte in einem Gault Millau-würdigen Fischrestaurant in Stuttgart-Weilimdorf, wechselte dann in die Sternegastronomie, in die Alte Sonne nach Ludwigsburg. Er befasste sich unter anderem mit Vorspeisen, Beilagen, Gemüse und Desserts. Von dort wechselte er in ein Hotelrestaurant nach Köngen, wo er den Cateringbetrieb kennen lernte. Danach war er Küchenchef in Stuttgart-Feuerbach, in einem Restaurant, das sein großer Bruder verantwortet.
Mit 23 machte er sich selbstständig mit dem Alten Holzwichtele in Ditzingen. Nach zweieinhalb Jahren galt der als etabliert, das Geschäft lief gut – zu gut: Der Wirtschaftskontrolldienst monierte die zu kleine Küche für den großen Bedarf. Die Modernisierung konnte oder wollte Nufer nicht leisten – der heute 35-Jährige zog weiter. Zunächst nach Weissach – und von dort nach Leonberg.