Der OGV Steinenbronn hat 56 Obstbäume verschenkt. Hier im Bild links der Vorsitzende Willi Walz und rechts sein Stellvertreter Rolf Hertfelder. Foto: Caroline Holowiecki

Der Obst- und Gartenbauverein Steinenbronn hat 56 Bäumchen an Streuobstwiesen-Besitzer verteilt – kostenlos. Damit verfolgt der Verein gleich mehrere Ziele.

Steinenbronn - Nach und nach fahren Trecker, Kombis und Autos mit Anhängern am Vereinsgelände des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Steinenbronn vor. Die Fahrer tragen Blaumänner und andere Arbeitskleidung. Hier gibt’s was zu schaffen – und was umsonst. 56 Bäumchen, etwa zwei Jahre alte Pflanzen, lehnen in Reih und Glied an einem Zelt. Apfel-, Birnen-, Zwetschgen- und Mirabellenbäume hat der Verein in einer Baumschule besorgt, um sie an Steinenbronner auszugeben. Und der Clou: Für die Hobbygärtner sind maximal drei Bäumchen kostenfrei. Möglich mache das zum einen ein Förderprogramm des Landkreises Böblingen, erzählt der OGV-Vorsitzende Willi Walz, die Gemeinde habe den Rest draufgelegt. „Innerhalb von zwei Stunden habe ich die Zusage gehabt“, sagt er strahlend.

Die Verschenkaktion des Vereins hat einen tieferen Sinn. „Das ist eine Initiative zur Förderung von Streuobstwiesen“, sagt Willi Walz. Tatsächlich verfällt die schwäbische Kulturlandschaft immer mehr. Viele Menschen haben keine Lust oder keine Möglichkeiten, sich um die Pflege der Areale zu kümmern. Hannes Bürckmann, der Leiter der Geschäftsstelle des Vereins Hochstamm Deutschland, der sich für den Erhalt der Streuobstwiesen starkmacht, zitierte jüngst gegenüber unserer Zeitung eine Studie der Uni Hohenheim, wonach im Land die Streuobst-Flächen seit 2009 um mehr als 20 Prozent zurückgegangen sind. „Wenn man rumläuft, sieht man viele verwahrloste Wiesen“, sagt auch Willi Walz. Die Präsentekampagne soll gegensteuern.

Der Verein hofft, den einen oder anderen wiederzusehen

Es ist nicht das erste Mal, dass der OGV kostenlos Bäume hergibt. „Vor zehn, zwölf Jahren haben wir das schon mal gemacht, das war ein großer Erfolg“, sagt Willi Walz, und da in diesem Jahr coronabedingt „tote Hose“ sei, habe man sich im Verein überlegt, eine Neuauflage zu starten.

Dass 18 Streuobstwiesen-Besitzer insgesamt 56 Bäume vorbestellt haben, freut Rolf Hertfelder, den stellvertretenden OGV-Vorsitzenden. „Gigantisch“ findet er die Nachfrage. Vor Ort bekommen alle, die ihre Bäume holen, noch eine kurze Einweisung, wie man mit einem Gitter im Boden Mäuse von den jungen Wurzeln fernhalten kann. Und freilich hofft man im Verein, den einen oder anderen wiederzusehen, wenn es um die weitere Pflege der Pflanzen geht. Rolf Hertfelder betont: „Wir sind die ersten Ansprechpartner bei Baumschnitt- oder Pfropfkursen.“

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