Die Deutsche Bank hat beim Stresstest als zweitschlechteste deutsche Bank abgeschnitten. Foto: dpa

Die Deutsche Bank hat hinter der NordLB als zweitschlechtestes deutsches Kreditinstitut den Stresstest abgeschlossen, bei dem 48 europäische Banken auf deren Krisensicherheit hin untersucht wurden. Die LBBW indes hat Grund zur Freude: Sie landete im Ranking der deutsche Institute auf Platz zwei.

Frankfurt - Die europäische Finanzindustrie hat offenbar aus der weltweiten Finanzkrise die richtigen Lehren gezogen – nicht zuletzt aufgrund klarer Vorgaben der beiden Aufsichtsbehörden, der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt und der in London angesiedelten EBA. „Der Stresstest zeigt, dass die europäischen und deutschen Banken selbst in einem dramatischen Abschwung widerstandsfähig sind“, erklärte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling am Freitagabend in Frankfurt nach der Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse durch die EU-Bankenbehörde EBA. Dafür hätten seit dem Ende der Finanzkrise ein gezielter Kapitalaufbau und eine resolute Aufsicht gesorgt. Wuermeling ist im Bundesbank-Vorstand für die Bankenaufsicht zuständig. Die Prüfung sei für die deutschen Institute dieses Mal im Gegensatz zum vorangegangenen Test deutlich härter ausgefallen, sagte Wuermeling. „Es wird ein Einbruch der Weltwirtschaft simuliert, der sich besonders stark auf die exportorientierte deutsche Wirtschaft auswirkt.“

Genügend Kapital, um Schlimmeres zu verhindern

Alle acht deutschen Banken, die dieses Mal unter die Lupe genommen wurden, würden nach den Kriterien des Tests auch im Krisenfall über ausreichend Kapital verfügen, um Schlimmeres zu verhindern. Am schlechtesten schnitt demnach die Norddeutsche Landesbank (NordLB) ab, deren Kernkapitalquote auf etwas über sieben Prozent sinken würde, damit aber noch deutlich über der von den Aufsehern festgelegten Mindestgrenze von 5,5 Prozent läge. Die NordLB ist aber schon seit Monaten auf der Suche nach einem Investor, dabei verhandelt sie unter anderem mit der Landesbank Hessen-Thüringen. In Finanzkreisen wird bereits über eine Großfusion unter den Landesbanken gesprochen, bei der auch die Deka sowie die Berliner Hypothekenbank und eventuell auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) einbezogen werden könnten. Die LBBW schnitt mit einer „Krisen-Kapitalquote“ von mehr als zehn Prozent im Test hinter der Förderbank NRW.Bank am zweitbesten unter den deutschen Geldinstituten ab.

Die Deutsche Bank dagegen würde nach den Berechnungen der Aufseher im Krisenfall nur noch über eine Kernkapitalquote von etwas über acht Prozent verfügen, das wäre ein deutlicher Rückgang. Der Finanzchef der Bank, James von Moltke, erklärte jedoch: „Wir werden nach dem Stresstest nichts daran ändern, wie wir die Bank managen. Wir machen das mit internen Stresstests und im Einvernehmen mit unseren Aufsehern.“

Commerzbank ist mit dem Ergebnis zufrieden

Zufrieden ist indes die Commerzbank mit ihrem Abschneiden. „Wir haben unser Ergebnis im Stresstest trotz eines nochmals verschärften Krisenszenarios deutlich verbessert. Das ist ein weiterer Beleg für das gesunde Risikoprofil und die hohe Stressresistenz der Commerzbank“, erklärte Risikovorstand Marcus Chromik. Die harte Kernkapitalquote läge im Krisenfall bei 9,9 Prozent. Neben den beiden Großbanken Deutsche Bank und Commerzbank waren die vier Landesbanken BayernLB, LBBW, Helaba und NordLB sowie die nordrhein-westfälische Förderbank NRW-Bank und die DZ Bank, das Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, dabei.

EBA und EZB haben in den vergangenen Monaten berechnet, wie sich 48 Kreditinstitute aus 15 Ländern in Europa unter zwei unterschiedlichen Szenarien behaupten würden. Dabei, so betonen Kritiker, haben sie nicht berücksichtigt, dass die Institute auch Gegenmaßnahmen einleiten könnten, wenn sie dies angesichts einer drohenden Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage für notwendig halten würden. Das Schlusslicht beim diesjährigen Fitness-Check war dabei überraschend das britische Bankhaus Barclays, gefolgt vom italienischen Geldhaus Banco BPM. Die italienischen Häuser standen wegen des Haushaltsstreits zwischen der EU-Kommission und der Regierung in Rom besonders im Fokus. EZB-Chefbankenaufseherin Daniele Nouy zog dennoch ein positives Fazit. „Das Ergebnis bestätigt, dass die teilnehmenden Banken in Bezug auf makroökonomische Schocks widerstandsfähiger sind als vor zwei Jahren“, sagte die Französin.

Grundlage waren Zahlen aus den Bilanzen von 2017

Grundlage waren allerdings die Zahlen aus den Bilanzen von 2017 – neuere Entwicklungen können also nicht korrekt erfasst werden, worauf die Deutsche Bank in ihrer Stellungnahme auch hinweist. Man habe aber zum Beispiel im nachteiligen Szenario „ein breites Spektrum makroökonomischer Risiken, die mit dem Brexit verbunden sein könnten“, erklärte die EBA. Der geplante Austritt der Briten aus der Europäischen Union könnte nicht nur für britische Banken, sondern auch für andere europäische Institute negative Auswirkungen haben.

Auf der Basis der Zahlen von 2017 mussten die Banken durchrechnen, wie viel dünner ihre Kapitaldecke innerhalb von drei Jahren werden würde, wenn die Konjunktur einbricht, die Arbeitslosenzahlen steigen und die Immobilienpreise in den Keller gehen.

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