Nancy Pelosi sollte auf einen Besuch Taiwans verzichten. Es gibt bessere Mittel, der Inselrepublik zu helfen, meint Thomas Spang.
Das Verhältnis zwischen den USA und China befindet sich auf einem Tiefpunkt. Von den Strafzöllen, die der frühere US-Präsident Donald Trump verhängt hatte, über die chinesischen Provokationen im Südchinesischen Meer bis hin zum Boykott der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele: Die Liste der Streitthemen ist lang. Einen wesentlichen Teil der Schuld an dem schlechten Zustand des bilateralen Verhältnisses trägt Xi Jinping, unter dessen Führung die Volksrepublik einen zunehmend aggressiven Kurs eingeschlagen hat.
In Taiwan kulminiert diese Politik. Dort könnte sich das Kräftemessen zwischen der Supermacht und dem aufstrebenden China entscheiden. Taiwan könnte die Ukraine Chinas werden, was erklärt, warum Xi den Autokraten in Moskau demonstrativ unterstützt hat. Mit Nancy Pelosi hat Xi eine Widersacherin, die sich noch weniger einschüchtern lässt als Joe Biden. Dennoch gibt es gute Gründe, auf einen Besuch der Insel während ihrer Asienreise zu verzichten. Taiwan wäre mehr mit Rüstungslieferungen zur Abschreckung und Verteidigung geholfen als mit einer politischen Provokation mit unbeabsichtigten Konsequenzen.