Betongold – einst Anlegers liebstes Kind, seit einiger Zeit in der Kritik Foto: dpa-tmn/Arne Dedert

Die Diskussion um fragwürdige Risikoeinstufungen ist ein Schritt in die richtige Richtung – sie geht aber nicht weit genug, sagt Finanzredakteur Hannes Breustedt.

Die Kritik an offenen Immobilienfonds ist wichtig und angebracht, viele der Produkte haben das Label sichere Kapitalanlage nicht verdient. Die Diskussion sollte aber über die umstrittenen Risikoeinstufungen hinausgehen. Ein grundsätzliches Problem ist, dass die Fonds in erster Linie für Banken, Sparkassen und deren Vertrieb ein lukratives Geschäft darstellen – nicht für Kunden.

 

Auch wenn eine plötzliche Anlegerflucht bei offenen Immobilienfonds aufgrund strikter Auflagen für Anteilsrückgaben nicht mehr möglich ist, sind die Produkte keineswegs krisenfest. Mindesthalte- und Kündigungsfristen bremsen zwar Abwärtsspiralen, die sich aus Kapitalabzügen, Liquiditätsbedarf, Notverkäufen und Bewertungsabschlägen ergeben können. Aber auch wenn im Zuge der Finanzkrise 2008, als etliche Fonds schließen mussten, Puffer eingeführt wurden – die Gefahr von Dominoeffekten besteht weiter.

Die Produkte eignen sich jedenfalls nicht, um sie – ähnlich wie festverzinsliche Staatsanleihen mit Topbonität – als risikoarme Stabilitätsanker an Sparer mit hohem Sicherheitsbedürfnis zu vermarkten.

Anbieter offener Immobilienfonds werben dennoch weiter mit genau diesen Argumenten. Kritiker wie Finanzwende sprechen von systematischer Fehlberatung.

Leider ist das im deutschen Finanzvertrieb keine Ausnahme. Noch immer werden von Banken, Versicherungen und Fondsanbietern massenhaft durch hohe Gebühren überteuerte, ungeeignete und intransparente Produkte in den Markt gedrückt. Es ist an der Zeit, neben fragwürdigen Risikoeinstufungen auch wieder stärker strikte Provisionsdeckel oder -verbote zu diskutieren.