Stuttgarts Sozialbürgermeister Werner Wölfle: Bei einer Veranstaltung im Rathaus hielt er einen Wahlaufruf für angemessen vor Schülern, die zum Teil erst zwölf Jahre alt sind Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Der Vorwurf der AfD, Schüler würden einseitig informiert und teilweise sogar indoktriniert, erhält durch einen Vorfall in Stuttgart neue Nahrung: Stuttgarts Sozialbürgermeister warnte bei einer Veranstaltung im Rathaus mehrere Schulklassen vor der Partei.

Stuttgart - Mit einem Plädoyer für Weltoffenheit und gegen die AfD vor mehreren Schulklassen hat Stuttgarts Sozialbürgermeister Werner Wölfle (Grüne) die AfD erbost. Der Vorfall bestärkt die rechtsgerichtete Partei im Südwesten in ihren Bemühungen, in den nächsten Wochen im Internet einen „Kummerkasten“ einzurichten. Über den sollen Schüler und Eltern Fälle von politischer Indoktrination melden. In Hamburg und Berlin gibt es das bereits.

„Redet mit euren Eltern, dass Sie für ein starkes Europa stimmen“

Wölfle hatte kürzlich bei der Abschlussveranstaltung eines Schulprojekts im Rathaus vor mehreren Schulklassen weiterführender Schulen die AfD als Gegner von globalem Engagement und eines starken Europas dargestellt. Laut der Stadt gipfelte die Rede in einem Wahlaufruf: „Wir haben viel erreicht und das gilt es zu beschützen. Redet mit euren Eltern, dass sie zur Wahl gehen und für ein starkes Europa stimmen.“

Auch für wohlmeinende Ohrenzeugen richtete sich dieser Aufruf mit Blick auf die Europawahl im Mai 2019 eindeutig gegen die AfD. Wölfle selbst zieht sich laut einem Stadtsprecher auf die Position zurück, dass er sich nicht „ausdrücklich“ gegen eine Wahl der AfD ausgesprochen habe. Dies sei eine Frage der Interpretation, daher habe er auch die notwendige parteipolitische Neutralität als Repräsentant der Stadt gewahrt.

Nur Grüne auf dem Podium

Die AfD sieht das anders. Ihr Bildungsexperte im Landtag, Rainer Balzer, findet Wölfles Verhalten unmöglich. „Ein Bürgermeister sollte für alle Bürger seiner Stadt da sein“, meint er. Wenn Wölfle aus seiner Rolle schlüpfen wolle, müsse er den Schülern klar sagen, dass er nun nicht als Bürgermeister, sondern als Mitglied der Grünen spreche. Außer zwei Grünen-Politikern war keine andere Partei auf der Veranstaltung vertreten. Der Veranstalter rechtfertigt dies damit, dass es keine parteipolitische Veranstaltung gewesen sei, sondern eine Preisverleihung.

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