Die Galerie unter der Friedrich-Ebert-Brücke hat am 20. März ihre letzte Finissage gefeiert. Jetzt ist die kleine Halbinsel im Neckar begehrt. Foto: factum/Weise

Die Buga GmbH will eine ehemalige Galerie nutzen als Plattform für ihre Gartenschau-Pläne und die Projekte der Stadtentwicklung. Die Idee hatten andere – schon vorher. Jetzt sucht man nach einer gemeinsamen Lösung. Doch die Atmosphäre unter den Handelnden hat gelitten.

Heilbronn - Eigentlich ist man sich ja einig. „Heilbronn hat ein Imageproblem“, sagt Philipp Kionka. Die Stadt werde vor allem mit dem NSU-Mord an der jungen Polizistin Michele Kiesewetter auf der Theresienwiese in Verbindung gebracht, klagt der Jungunternehmer, nicht aber mit der rasanten Entwicklung als Hochschulstandort, nicht mit den Plänen für die Bundesgartenschau 2019, nicht als Wirtschaftsplatz und auch nicht mit der geplanten Erweiterung der Lern- und Erlebniswelt Experimenta. Der Gemeinderat weiß das auch und hat ein Kommunikationskonzept in Auftrag gegeben, um Heilbronn als bildungs- und wirtschaftsstark sowie lebensfroh zu profilieren.

Auch die Buga-Gesellschaft, die die Gartenschau organisiert, hat sich etwas ausgedacht, wie sie ihre Pläne und das künftige Stadtentwicklungskonzept 2030 anschaulich präsentieren und zur Diskussion stellen kann. Das Unternehmen, gemeinsam getragen von der Stadt und der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft (DBG), will eine frühere Galerie auf der Inselspitze im Neckar als Infoplattform nutzen.

Die Idee, die im April oder im Mai im Gemeinderat als Konzept vorgestellt werden soll, stößt im Grundsatz allenthalben auf Zustimmung. Nur: andere hatten sie vorher – Philipp Kionka, die Heilbronner Künstlerin Annika Winkelmann und der Kurator Bernhard Stumpfhaus. Im November hatte die Stadt, der das Gebäude unterhalb der Friedrich-Ebert-Brücke gehört, per Annonce einen neuen Nutzer gesucht. Darauf hatten sich zwei Gastronomen gemeldet und eben Kionka und seine beiden Mitstreiter. Die Idee war, die Galerie weiterzuführen, sie aber zum Ort der Begegnung von Kunst, Technik und Unternehmenskultur zu machen. „Wir wollen einen Austausch von Spezialisten aus komplett unterschiedlichen Bereichen“, sagt Kionka. Dafür haben er, Winkelmann und Stumpfhaus mit ortsansässigen Firmen gesprochen, Unterschriften gesammelt und öffentlich für ihr Konzept der Netzwerkkultur im Kunstraum geworben.

Kritiker sprechen von „offensichtlicher Mauschelei“

Doch dann warf die Buga ihren Hut in den Ring mit dem Wunsch nach einem Infopoint auf der Inselspitze. Dort könnten die Pläne interaktiv vorgestellt und die Zukunft einer Stadt im Wandel könnte diskutiert werden. Die Verwaltung meldete Eigenbedarf an – und Kionka reagierte vergrätzt. „Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt der 30-Jährige. Auf Facebook und den Leserbriefseiten der „Heilbronner Stimme“ ernteten die Buga und die Stadt Kritik für ihr Vorgehen: Die Idee sei geklaut, die Buga-Pläne dienten der städtischen Selbstbeweihräucherung, das Vorgehen sei stillos, um nicht zu sagen: eine „offensichtliche Mauschelei“.

„Wir suchen schon länger nach einem geeigneten Platz“, sagt der Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas. „Ich bekenne freimütig: wir haben nicht überrissen, welche Chancen die Inselspitze als Standort bietet.“ Schließlich greife der kleine Platz im Fluss symbolhaft die vielen großen Pläne der Stadt auf – etwa den Neckarbogen, die Stadtausstellung, die nach der Bundesgartenschau einmal für 3500 Menschen zum Stadtquartier werden soll. Deshalb habe man so spät reagiert. „Das ist ein Fehler gewesen.“

Weil Kionka und seine Kollegen ähnliche Ziele verfolgten, habe man vorgeschlagen die alte Galerie gemeinsam zu nutzen und zusammenzuarbeiten. Klar sein müsse jedoch, dass die Verantwortung bei der Buga und der Stadt liege. Darüber habe man auch gesprochen, sich dann aber „etwas auseinandergelebt“, sagt Faas. Er habe den Eindruck, es gehe darum: „Wer ist der Stärkere im Ring“. Diese Wahrnehmung deckt sich durchaus mit der Philipp Kionkas.

FWV verbittet sich weitere verbale Angriffelbronn

Die Fraktionen bewerten das Thema unterschiedlich. Die CDU vermisst nach Angaben ihres Fraktionschefs Alexander Throm konkretere Aussagen zum Konzept und zur Finanzierung. Der FWV-Fraktionsvorsitzende Heiner Dörner verbittet sich gar „weitere verbale Angriffe“. SPD und Grüne mahnen zu mehr Gelassenheit und hoffen auf eine gemeinsame Lösung. Es stünde Heilbronn gut zu Gesicht, sich auch einmal etwas zu trauen, „was nicht bis auf Punkt und Komma ausgerechnet ist“, sagt die Grünen-Fraktionschefin Susanne Bay.

Der Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) wirbt für einen gemeinsamen Weg. Die Idee von der Netzwerkkultur hat auch bei ihm große Sympathie gefunden. „Für die Sache wäre es gut, wenn man zusammenfinden könnte“, sagt er. Allerdings verhehlt er nicht, dass ihm die Tonlage zwischendurch ein wenig zu schrill geworden ist.

Auch Kionka betont den Willen zur Zusammenarbeit. Er würde gerne das Büro der Galerie nutzen und den Lagerraum zum Salon umfunktionieren, in dem die Gespräche stattfinden könnten. „Wir wollen einen Weg finden“, weil er sich dann höhere Chancen ausrechne, 2019 die Inselspitze weiterbetreiben zu dürfen. In nächster Zeit wollen sich Faas und Kionka wieder zusammensetzen. Dann zeigt sich, ob man sich nicht nur im Grundsatz einig ist, sondern auch im Detail einig werden kann.

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