Hier soll ein neuer Stadtteil entstehen. Foto: Archiv/Thomas Bischof

Die Planungen für den neuen Stadtteil „Herrenberg-Süd“ sind umstritten. Ein Bürgerforum soll vermitteln und besucht die nächste Sitzung des Gemeinderats.

Heftigen Streit ausgelöst hat im vergangenen Jahr das geplante Großprojekt „Herrenberg-Süd“. Um die Bedenken der Bevölkerung aufzunehmen und das Vorhaben dennoch voranzutreiben, wurde im Herbst ein Bürgerforum gegründet, das nach einigen Sitzungen in der kommenden Woche seine Empfehlungen an den Gemeinderat übergeben wird.

 

Dass das Neubauprojekt kritisch gesehen wird, erklärt sich schon allein aus seiner schieren Größe: Auf einer Gesamtfläche von 47 Hektar, was etwa 70 Fußballfeldern entspricht, soll ein neuer Herrenberger Stadtteil in Richtung Gültstein entstehen. Auf rund einem Drittel der Fläche würden Wohnungen gebaut und Platz für etwa 3000 neue Bürgerinnen und Bürger bieten – so der Plan seit dem Jahr 2018.

Doch als das Vorhaben nach der Corona-Pause im Gemeinderat wieder intensiv zur Sprache kam und öffentlich diskutiert wurde, kam enormer Widerstand in der Bevölkerung auf. Nicht zuletzt, weil die Stadtverwaltung von Beginn an deutlich machte, das Instrument der „städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme“ einsetzen zu wollen. Damit könnten widerspenstige Grundstückseigentümer letztlich zwangsenteignet werden, um das Projekt zu ermöglichen.

Als deutlich wurde, dass die Planungen das Potenzial haben, den Stadtfrieden nachhaltig zu beschädigen, zog der damalige Oberbürgermeister Thomas Sprißler die Notbremse und nahm die Entscheidung für das große Wohngebiet im Mai 2023 von der Tagesordnung des Gemeinderats. Einige Stadträte zeigten sich seinerzeit selbstkritisch – man habe bei diesem Thema „viele Menschen verloren“.

Daraufhin beschloss das Gremium eine Bürgerbeteiligung, die seit Herbst 2023 läuft. Der mehrstufige Prozess begann damit, dass rund 30 Einwohnerinnen und Einwohnern zufällig aus dem Melderegister ausgewählt wurden, um das Bürgerforum zu bilden. Noch im Dezember setzten sich zudem Akteure der Stadtgesellschaft an einen Tisch, um den Fahrplan für den Dialogprozess festzulegen. In einem zweistufigen Verfahren erarbeitete das Leitungsteam mit lokalen Interessengruppen, Verbänden und Behörden Entwürfe für eine „Themenlandkarte“, die Bürgerinnen und Bürger online ergänzen konnten. Die Sammlung verdeutlichte grafisch, wie komplex das Thema ist.

In fünf Treffen des Bürgerforums diskutierten die rund 30 Mitglieder die relevanten Aspekte. Zudem hörten sie unabhängige Personen, aber auch Interessenvertreter mit verschiedenen Standpunkten. Sie konnten selbst Einfluss darauf nehmen, wen sie noch ergänzend anhören wollten.

Schließlich hat das Bürgerforum Empfehlungen für den Herrenberger Gemeinderat erarbeitet, die in der nächsten Sitzung am Dienstag, 23. April, ab 17.30 Uhr in der Alten Turnhalle übergeben werden – ob sich so tatsächlich ein breiterer Konsens erzielen lässt, muss sich noch zeigen.