Streit um Groß-Events in Stuttgart Händler brauchen die Touristen

Von Sven Hahn 

Umweltschützer wollen keine weiteren Groß-Events in der Stadt. Vertreter des Einzelhandels hingegen klagen über den Rückgang der Passantenzahlen und fordern aktive ein, dass Stuttgart mehr Menschen anlocken soll.

Stuttgart - Wachstum oder nicht? Bezogen auf die Frage nach großen Events in Stuttgart ist dieser Streit gerade neu entbrannt. Während Tourismuschef Armin Dellnitz mit neuen Veranstaltungen zusätzlich Menschen nach Stuttgart locken möchte, sprechen sich Linke-Politiker und Umweltschützer klar gegen die „Eventisierung der Stadt“ aus. Nun mischen sich weitere Parteien in den Streit ein.

Auslöser der Debatte sind die Aussagen von Stuttgarts Tourismuschef Armin Dellnitz. „Es sind nicht nur Hotellerie und Gastronomie, die vom Tourismus leben. Auch Handel und Kultur brauchen einen florierenden Tourismus“, sagt Dellnitz. Und: „Der Tourismus muss wachsen, und es müssen mehr Menschen Lust auf Stuttgart bekommen, um die Stadt in dieser Form lebendig zu halten.“ Will heißen, nur wenn mehr Menschen von außen in die Stadt kommen, bleibt das Stadtleben mit Blick auf Kultur, Gastronomie und Infrastruktur so vielfältig wie jetzt.

Kritiker fordern nun eine andere Strategie der Stadtvermarktung. Ja, der Tourismus sei ein wichtiges Standbein der lokalen Wirtschaft, erklärt Hans-Peter Kleemann, der Vorsitzende des Naturschutzbunds (Nabu) in Stuttgart. Ein Blick ins touristisch besonders erfolgreiche Bayern zeige, „dass keineswegs die Großereignisse, sondern vielmehr die Ruhe und Erholungsfunktion der Landschaft gesuchte Werte darstellen.“ Das gelte auch im Südwesten, so Kleemann. „Besondere Orte touristischen Interesses in Baden-Württemberg sind etwa Freiburg und Heidelberg“, so Kleemann. Dort stünden nicht lärm- und verkehrsintensive Großereignisse im Mittelpunkt, sondern Beschaulichkeit und die sympathische Atmosphäre.

Hagmann fürchtet um Post-Filialen

„Der Tourismus in Stuttgart sollte ebenfalls daran arbeiten, die qualitativen Landschaftsvorzüge der Landeshauptstadt zu vermarkten“, fordert der Nabu-Chef und: „Die Planung neuer und größerer Veranstaltungen entspricht zwar dem Wachstumswahn vergangener Jahrzehnte, dem Bedürfnis der Stuttgarter Bevölkerung und ihrem Recht auf eine Stadt als gesunden Lebensraum werden sie nicht gerecht.“

Völlig anders äußert sich Sabine Hagmann, die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands. „Es hängen zahllose Arbeitsplätze am touristischen Erfolg Stuttgarts“, sagt sie. Allein von den Ausgaben der Stuttgarter Bevölkerung könnten die meisten Händler in der Stadt nicht leben. Hagmann spannt den Bogen noch weiter. „Die Menge an Besuchern, die dem Handel nutzen, werden auch von Gastronomie und Dienstleistern in der Stadt gebraucht, um zu überleben.“ Bleiben die Besucher aus, seien auch Post- und Bankfilialen schnell betroffen, so Hagmann. „Daher muss es klar unser Ziel sein, mehr Menschen nach Stuttgart zu locken.“ Dafür brauche es auch mehr Events.

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