Die Interessenvertretung der Gymnasiallehrer hat harsche Kritik an den Gemeinschaftsschulen geübt – und am Niveau ihrer Schüler. Die verwahren sich nun entschieden dagegen.
Stuttgart - „Der Unmut über die unfaire Attacke des Philologenverbands ist riesengroß.“ So beschreibt Doro Moritz, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Stimmung an Gemeinschaftsschulen. Am Montag haben sich nun Schüler zu Wort gemeldet. Der 17 Jahre alte Raphael Fröhlich aus Köngen sagt: „Diese Anschuldigungen empfinde ich wie Hohn, und das mitten in der Prüfungsvorbereitung.“ Der Philologenverband (PhV), der die Gymnasiallehrer vertritt, hatte beklagt, dass Gymnasiallehrer an Gemeinschaftsschulen gemobbt und wegen ihres höheren Gehalts beneidet würden. Solche Lehrer seien dort fehl am Platze, weil es nur wenige Schüler mit gymnasialem Niveau gebe.
Raphael Fröhlich ist empört darüber, dass der PhV die Gemeinschaftsschule als „Sammelbecken schwacher Schüler“ bezeichnet hat. Er hält dagegen: „Der vernünftige Umgang mit unterschiedlichen Schülern gehört zum Job als Pädagoge dazu.“ Die Schüler jedenfalls empfänden den Umgang mit verschiedenen Menschen „als eine echte Bereicherung“, die Gesellschaft sei ja vielfältig.
Schülerin nennt Kritik „herablassend und unberechtigt“
Die Stuttgarter Schülerin Laurin Lüssenheide nennt die Kritik „herablassend und unberechtigt“. Es könne nicht sein, „dass Schulen angegriffen werden, die den Zusammenhalt fördern“. Und Ardit Jashanica vom Landesschülerbeirat betont: „Gemeinschaftsschulen sind für alle da. Jeder muss entsprechend seiner Begabung gefördert werden. Die bisherigen Untersuchungsergebnisse zeigen, dass das wirkt.“
Dutzende von Gymnasiallehrern an Gemeinschaftsschulen wenden sich gegen Berichte ihrer Kollegen, die sich an der Schulart unwohlfühlen. Der Vorwurf des Mobbings hat einen Lörracher „massiv irritiert“. Das multiprofessionelle Kollegium profitiere gerade von seiner Unterschiedlichkeit. Ein anderer lobt die ausgeprägte Teamarbeit, „hier kann ich arbeiten, wie ich es immer wollte“. Der Konstanzer führt gleich drei Kollegen an, „die versuchen von einem Gymnasium auf unsere Gemeinschaftsschule zu wechseln“. Konstanz hat eine Oberstufe. Ein weiterer Pädagoge würdigt, dass die Schulart „ständig versucht sich zu verbessern, statt die Schüler so anzupassen, dass sie in das System passen“.
Gymnasiallehrern haben eine höhere Unterrichtsverpflichtung
Inhaltlich teilen jedoch einige die Kritik ihrer Kollegen. Es werde Gymnasiallehrern schwer gemacht, sich für Gemeinschaftsschulen zu entscheiden. Sie haben dort zum Beispiel eine höhere Unterrichtsverpflichtung.
Die GEW-Chefin Moritz verweist darauf, dass Gymnasiallehrer nur freiwillig an Gemeinschaftsschulen kommen. Auch gebe es an Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe keine Aufstiegsmöglichkeit für Gymnasiallehrer zu Fachabteilungsleitern. Und „die Besoldungsunterschiede bei gleichem unterrichtlichem und außerunterrichtlichem Einsatz sind ein Problem“. Das hatte auch der PhV moniert.
Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat erklärt, sie nehme die Sorgen des Philologenverbands „selbstverständlich ernst“ und wolle sich gerne mit dem Verband und betroffenen Lehrern „noch vertieft austauschen“. Jedoch ruft sie zur Besonnenheit in der Diskussion auf: „Es hilft nicht weiter, wenn wir die Schularten gegeneinander ausspielen“. Alle Schularten hätten ihren Platz und würden gefördert. Das gelte „selbstverständlich auch für die Gemeinschaftsschulen“.