Der Naturschutzbund möchte die Fuchsjagd gerne weiter reduzieren. Jäger sind gegenteiliger Meinung. Foto: dpa

Die Debatte um die Fuchsjagd und Pelze eskaliert, noch ehe das neue Landesgesetz vorliegt.

Er wollte für eine sinnvolle Nutzung von  toten Füchsen werben,  wird nun aber selbst  zum Gejagten. André Baumann, Chef  des Naturschutzbunds, ist unter Druck. Kritiker fordern seinen Rücktritt.

Stuttgart - André Baumann gilt als der Kopf des Naturschutzes in Baden-Württemberg. Seit Jahren kämpft er für die Interessen seines Verbands, zuletzt an vorderster Front und im Schulterschluss mit Landwirtschaftsminister Alexander Bonde (Grüne) für die Einrichtung des Nationalparks Nordschwarzwald. Doch nun ist Baumann selbst ins Visier geraten. Seit er sich vergangene Woche – aus Anlass des von Grün-Rot im Frühjahr geplanten neuen Landesjagdgesetzes – gegenüber den Stuttgarter Nachrichten für eine gezielte Fuchsjagd aussprach und sagte: „Wir haben nichts gegen eine Fuchsjagd. Sie macht aber nur einen Sinn, wenn die toten Tiere nicht wie bisher zu 99 Prozent in der Tierkörperbeseitigungsanstalt landen, sondern als Pelze weiterverwendet werden“, ist Baumann unter Beschuss. Der vorläufige Höhepunkt: Am Mittwoch forderten Kritiker auf der Homepage www.change.org mittels Petition den Ausschluss von Baumann aus dem Naturschutzbund, zuvor hatte es bereits Rücktrittsforderungen gegeben. „Das werde ich natürlich nicht tun“, sagte Baumann den Stuttgarter Nachrichten.

Der Nabu-Landeschef räumte zugleich aber Fehler im Zusammenhang mit seinen Äußerungen zum Thema Fuchsjagd und Verwendung von Pelzen ein. „Ich habe die emotionale Komponente dieser Debatte wohl etwas unterschätzt und nicht den richtigen Ton getroffen.“ Er werde „beschimpft und beleidigt“. Baumann sagte, der Landesverband erhalte wütende E-Mails und Facebook-Kommentare. Ein Beispiel: „Nabu ist kein passender Name mehr. Schämt euch!“

Baumann äußerte am Mittwoch Verständnis für den Unmut der Tierschützer. „Ich würde den Protest der Tierschützer gerne in den Landtag weiterlenken, denn dort wird mit dem neuen Landesjagdgesetz entschieden, wie die Fuchsjagd künftig aussieht.“ In diesem Zusammenhang beteuerte er, es bleibe bei der Haltung seines Verbands, „dass wir nicht für die Fuchsjagd werben und schon gar nicht den Trend zur Pelzmode unterstützen“. Ziel sei es vielmehr, „für eine Ökologisierung der Jagd“ einzutreten und die Fuchsjagd im neuen Landesjagdgesetz so weit wie möglich zu verbieten. Wenn überhaupt, solle sie „auf einen Zeitraum zwischen November und Februar“ beschränkt werden. Dass Handlungsbedarf besteht, wird durch die amtliche Jagdstatistik belegt. Demnach wurden im Jahr 2012 landesweit rund 77 300 Füchse erlegt.

Welchen wunden Punkt Baumann mit seinen Äußerungen getroffen hat, belegt die Tatsache, wie intensiv der Verband nun Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Auf der Homepage des Landesverbands gibt er ein ausführliches Interview. „Der Naturschutzbund sagt Ja zur Jagd, jedoch nur, wenn sie nachhaltig und naturverträglich erfolgt“, heißt es da. Oder: „Um ein Tier zu töten, muss es einen vernünftigen Grund geben.“ Oder: „Reh und Wildschwein, Hirsch und Stockente können verzehrt werden. Beim Fuchs muss der Pelz zum Mantel verarbeitet werden.“ Das sei „die Legitimation für die Jagd“. Nur wenn das Fell „auch wirklich sinnvoll genutzt“ werde, „ist eine Fuchsjagd legitim“. Er lehne es aber ab, wenn aus Fuchsfell Designer-Accessoires gefertigt werden.

Die FDP forderte Grün-Rot derweil auf, eine öffentliche Anhörung zum Landesjagdgesetz mit Sachverständigen und Vertretern des Jagdverbands zu machen. „Wenn es Grüne und SPD mit der Politik des Gehörtwerdens ernst nehmen“, so der FDP-Landtagsabgeordnete Friedrich Bullinger, müssten Experten ihre Erfahrungen in den Gesetz­gebungsprozess einbringen.