Das Land hat eine Machbarkeitsstudie zur Ergänzungsstation am Stuttgarter Hauptbahnhof in Auftrag gegeben – und will das Ergebnis nun nicht veröffentlichen. Das ist ein Affront gegenüber der Landeshauptstadt, auf deren Flächen Verkehrsminister Winfried Hermann Gedankenspiele betreibt, kommentiert StN-Titelautor Christian Milankovic.
Stuttgart - Das Landesverkehrsministerium hütet die Machbarkeitsstudie zur unterirdischen Ergänzungsstation wie ein Augapfel. Die Vermutung ist mehr als gestattet, dass diese Zurückhaltung weniger in den Koalitionsgesprächen begründet ist, wie die Sprecher von Verkehrsminister Winfried Hermann Glauben machen wollen. Soviel Rücksicht auf den womöglich künftigen Regierungspartner CDU hätte Hermann wohl kaum genommen, wenn das Papier nicht so ausgefallen wäre, wie es ist.
Die Stadt muss Einblick bekommen
Die Studie kommt zum Schluss, dass ein enormer Aufwand betrieben werden muss, um Hermanns Traum von einem unterirdischen Kopfbahnhof wahr werden zu lassen. Gegen innovative Konzepte, um mehr Verkehr auf der Schiene zu ermöglichen, ist zunächst einmal gar nichts einzuwenden. Man muss dann aber auch sein Wissen mit allen relevanten Beteiligten teilen – und dazu gehört ganz ohne Zweifel die Landeshauptstadt Stuttgart, auf deren Grundstücke die ministeriellen Gedankenspiele gerade stattfinden.
Das letzte bekannte Beispiel dafür, dass das Land auf der Markung einer Stadt Pläne geschmiedet hat, war der Umzug der Landesmesse auf die Fildern. Damals setzte sich das Land über den Willen der Markungsgemeinde Leinfelden-Echterdingen hinweg, und Hermanns Grüne waren an vorderster Front der Kritiker zu finden.
Eine Frage der Haltung
Wenn der Verkehrsminister nachweisen kann, dass es einen Bedarf für weitere Gleise in Stuttgart gibt und er der Überzeugung ist, dass das Gutachten die Machbarkeit mit vertretbarem Aufwand attestiert, gibt es keinen Grund, das Papier zurückzuhalten. Der potenzielle Koalitionspartner wird’s verschmerzen. Transparenz kann man nicht nach Tagesform und politischem Kalkül praktizieren. Das ist eine Frage der Haltung.
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