So sah der Aufbau der Tribüne für die Jazz Open im vergangenen Jahr aus. Foto: Lichtgut/ Piechowski

Der Durchbruch im Streit um den Schlossplatz im Sommer 2024 gelingt auch am Freitag nicht. Doch jetzt wird klarer, wie der Kompromiss von Stadt und Jazz Open aussehen soll.

Der weiße Rauch ist noch nicht aufgestiegen. Doch allmählich zeichnet sich ab, wie im Kampf um den schönsten Platz der Stadt während der Fußball-EM 2024 ein möglicher Kompromiss aussehen könnte. Beim erneuten Treffen von Andreas Kroll, dem Geschäftsführer der städtischen Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, und Jürgen Schlensog, dem Promoter der Jazz Open, am Freitag im Finanzministerium ist eine alte Idee auf den Verhandlungstisch zurückgekehrt. Die Idee nämlich, eine Tribüne im Ehrenhof gemeinsam zu nutzen.

 

So also könnte der lang ersehnte Kompromiss aussehen: Die Jazz Open bauen ihre Tribüne bereits zum Start des Public Viewings am 14. Juni 2024 auf, sodass die Fans auf die vordere Leinwand am Schloss schauen und dabei auch noch bequem sitzen können. Hinter der Jubiläumssäule stehen zwei weitere Riesenleinwände für die Menschen, die sich auf der Rasenfläche zur Königstraße befinden.

Auf diese Weise könnte das Fanfest bis zum Finale am 14. Juli uneingeschränkt stattfinden – und das Musikfestival könnte, wie geplant, am 16. Juli starten. Dafür müsste dann nicht während der laufenden Fußball-EM die Tribüne errichtet werden.

Diese Idee, vom Finanzministerium ins Spiel gebracht, war schon mal im Gespräch, wurde dann aber von beiden Seiten verworfen. Am Freitag ist der Vorschlag zurückgekehrt, wie Andreas Kroll von in.Stuttgart unserer Zeitung bestätigt. „Wir werden dies ergebnisoffen prüfen“, versichert er, „beschlossen ist eine gemeinsame Tribüne aber noch nicht.“ Geklärt werden müsste außerdem, wer welche Kosten dafür übernimmt.

„Die finale Entscheidung trifft die Politik“

Von einer „guten Atmosphäre“ spricht Kroll beim jüngsten Gespräch im Finanzministerium. Von den abseits der Verhandlungen ausgetragenen Attacken habe man nichts gespürt. „Wir sind Veranstalter“, sagt der in.Stuttgart-Geschäftsführer, „die Atmosphäre bei Veranstaltern ist gut, weil wir lösungsorientiert arbeiten wollen.“

In einem „Hauruck“-Verfahren könne man eine Lösung in einer so komplizierten Angelegenheit nicht finden. „Wir brauchen noch etwas Zeit“, sagt Kroll. Man habe am Freitag „Arbeitsaufträge“ zum Prüfen der neuen oder alten Vorschläge erteilt. Die finale Entscheidung könne ohnehin erst die Politik treffen, sagt der Chef von der in.Stuttgart.

Wie es heißt, will OB Frank Nopper (CDU) ein Gespräch mit Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne) „auf Augenhöhe“ führen. Dieser sei dazu bereit, heißt es, auch wenn ihm das Wort von der „Augenhöhe“ nicht so gut gefalle. Bayaz störe es nicht, wenn Nopper die Einigung verkünde und sich dafür feiern lasse, hört man. Als möglicher Termin zur öffentlichen Präsentation einer Lösung wird nun der 15. Juni gehandelt – rechtzeitig, bevor die Stadt am 30. Juni ihren Plan fürs „Host City Konzept“ bei der Uefa vorlegen muss.

Jürgen Schlensog, der Promoter der Jazz Open, wollte am Freitag nur wenig zum Verlauf der Verhandlungen sagen. Erneut habe man „ein konstruktives Gespräch zu möglichen Kompromisslösungen“ geführt. Logistische und technische Prüfungen bräuchten jedoch Zeit. „Zuversichtlich“ ist er, dass bald der Kompromiss verkündet werden kann.

Die Erklärung der Stadt, sie sei nicht für die Terminkollision zwischen Public Viewing und Jazz Open verantwortlich, bleibt ein Streitthema. Von den Machern der Jazz Open heißt es, man habe den späteren Termin immer nur als mögliche Variante genannt, die man prüfen werde, aber nicht als fix eingeplant. Weil den internationalen Künstlern Stuttgart nur zum früheren Termin in ihren europäischen Tourkalender passe, habe man den Start auf den 16. Juli gelegt – also auf zwei Tage nach dem EM-Finale.