Der Dirigent und Pianist Daniel Barenboim wird für seinen Führungsstil kritisiert. Foto: dpa

Sonst streiten sich Klassikliebhaber über Feinheiten seiner Arbeit am Dirigierpult. Nun sieht sich Daniel Barenboim massiveren Vorwürfen ausgesetzt: Angeblich schikaniert er einzelne Musiker.

Berlin - Der Dirigent Daniel Barenboim(76) hat Vorwürfe zu seinem persönlichen Verhalten als Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden zurückgewiesen. „Ich habe mich bisher nicht geäußert, weil ich es traurig finde, mich zu anonymen Anschuldigungen zu äußern. Das ist nicht mein Stil und nicht meine Welt. Wenn jemand konkret etwas sagt, dann äußere ich mich dazu, ich bin ja ein Mensch, aber kein perfekter“, sagte Barenboim der Deutschen Presse-Agentur.

Häufige Schikanen beklagt

Das Online-Magazin „Van“ hatte bereits vor drei Wochen mehrere ehemalige und aktive Mitarbeiter der Staatsoper anonym zitiert, die ein launisches und aggressives Verhalten Barenboims beklagt hatten. Die Tageszeitung „Die Welt“ berichtet in ihrer Ausgabe vom 21. Februar 2019 von konkreten Vorwürfen eines namentlich genannten ehemaligen Musikers der Staatskapelle. Auch der Sender BR-Klassik zitierte drei ehemalige Mitarbeiter namentlich. Ein früherer Musiker berichtet von häufigen Schikanen durch Daniel Barenboim, die zu gesundheitlichen Problemen bis hin zu Depressionen geführt hätten.

In den vergangenen 24 Stunden sei die Anonymität „etwas durchsichtiger“ geworden, sagte Barenboim mit Blick auf den genannten Musiker: „Die Frage ist aber: Wenn ich ihn so ungerecht behandelt hätte - warum ist er dann 12 oder 13 Jahre hier geblieben? Ich bezweifle seinen guten Willen in dieser Sache.“

Der Dirigent will bleiben

Barenboim, den die Staatskapelle zum Chefdirigenten auf Lebenszeit gewählt hatte, sieht die gegen ihn erhobenen Vorwürfe vor dem Hintergrund seiner laufenden Vertragsverhandlungen mit dem Berliner Senat über das Jahr 2022 hinaus. „Wieso sind diese Vorwürfe bisher nicht erhoben worden, aber jetzt? Weil sie aus meiner Sicht mit einer Kampagne verbunden sind, mit der versucht wird, meinen Verbleib in Berlin zu verhindern.“ Wer das genau sei, dazu äußerte er sich nicht.

„Die Staatskapelle hat mir aber in den letzten Tagen und in den letzten Stunden ganz deutlich gesagt, dass sie absolut zu mir steht.“ Er werde bleiben, „solange das Orchester mich will und ich die Kraft dazu habe“.

Der argentisch-israelische Dirigent und Pianist ist seit 1992 künstlerischer Leiter und Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: